Google - die Skeptiker werden lauter

Börsentechnisch ist Familie Google ja immer noch im Höhenrausch. Aber da oben wird die Luft eben dünner, und ich habe den Eindruck, dass die Herren Page, Brin und Schmidt langsam Atemnot bekommen. Gestern war in “Wired” ein schöner Artikel von einem New Yorker Wissenschaftler (Adam L. Penenberg) zu lesen , der eindrucksvoll beschreibt, wie die Krakenarme von Google immer weiter um sich greifen und welche Folgen das haben könnte.

Penenberg schreibt - für den einen oder anderen vielleicht etwas zu dramatisch - unter anderem folgenden Satz:

The problem is that Larry Page and Sergey Brin, the geeks who coded Google from the algorithm on up, are inserting themselves into our lives. They wish to accompany us everywhere, forever. They want us to see the world through Google-colored glasses.

Google filtere mit seinen Suchmechanismen unsere Wahrnehmung, diktiere uns seine ästhetischen Maßstäbe und sammle/verarbeite Informationen ohne Ende über uns, um uns dann mit gezielter Werbung zuzuschütten. Das Geschäftsmodell sei klar: Google-Nutzer bekämen vordergründig alles umsonst, doch sie zahlten am Ende mit ihren persönlichen Daten - etwa wenn die Inhalte im Freemail-Client Gmail gescannt werden, damit auf die Benutzerinteressen maßgeschneiderte Werbung eingeblendet werden kann.

Google werde oft fälschlicherweise als Medienkonzern bezeichnet, in Wirklichkeit sammle und verarbeite das Unternehmen aber nur Content anderer, um daraus via Werbung Kapital zu schlagen (siehe etwa Google News).

Die Vorwürfe von Penenberg sind natürlich nicht neu, insbesondere Daniel Brandts Google Watch beobachtet das Treiben der poulärsten Site im Internet schon länger äußerst kritisch. Doch was beide umtreibt, ist die Frage: Was wird Google mit all den Informationen anstellen, die das Unternehmen über uns sammelt?

“Will it cave every time the government comes bearing a subpoena? Can it be trusted to safeguard our personal information? All Google will promise is that it “will provide notice before any personally identifying information is transferred and becomes subject to a different privacy policy.”

Immerhin: Man wird informiert, bevor die persönlichen Daten ohne unsere Zustimmung abwandern.

6 Reaktionen zu “Google - die Skeptiker werden lauter”

  1. Cyberoog, die Insel im Web (Blog)

    Die Warnungen vor Googles Macht werden lauter, hoffentlich auch mehr gehört!

    Man kann nicht oft genug vor der Macht Googles warnen, daher linke ich natürlich auch diesen Artikel!

  2. Helmut Lehmann

    Diese Art der Manipulation, d.h. Daten auswerten und gezielt bewerben, beobachte ich schon länger. Daher versuche ich bei der Suche an die jeweilige Quelle zu gelangen. Das kann zwar länger dauern, aber ich bekomme gleichzeitig einen Überblick über die Angebote im Internet.

  3. cwolf

    Ihre Besorgnis erstaunt mich - im Gegensatz zum Monopolanbieter aus Redmond zwingt Sie niemand, die Dienste von Google in Anspruch zu nehmen, da es eine breite Vieflfalt unterschiedlichster Konkurrenzangebote gibt. Im Gegensatz zum MS versucht Google nach meinem Wissen auch nicht, eigene, proprietäre “Standards” wie jetzt wieder mit dem SenderID-Modell bei Hotmail durchzupressen. Diese ganz offene Art der Einflussnahme auf unser Leben finde ich, neben den Kosten für die “Zwangslizenzen” für MS–Betriebssysteme wesentlich bedrückender als die Auswirkung bestimmter Filteregeln eines Suchdienstes von vielen.

    Ausweislich Alexa (http://www.alexa.com/site/ds/top_500) ist Google jedenfalls in den USA übrigens nicht die populärste Website. Erstaunlicher Weise ist dort MSN vor Google aufgeführt. Der blatante Missbrauch von Marktmacht durch MS scheint aber, im Westen niemanden mehr ernsthaft aufzuregen?

  4. Okilee

    Wer in der Lage ist die Wahrnehmung der Nutzer zu beeinflussen der hat wirkliche Macht. Ob das bei Google zukünftig der Fall sein wird ist eine andere Frage.

  5. Martin

    Die Google Aktie fällt irgendwann auch noch runter. Martin

  6. Jürgen

    Martin, ich bin voll Deiner Meinung. Aber dass weisst du ja, auf jeden Fall ein guter Bericht hier. Danke für die Info. Jürgen :-)

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