Podcasts bloß Zeitverschwendung?
Kollege Sommergut hat uns mit der Notes-Nase auf ein Manifest gestoßen, das Podcasts als Zeitverschwendung geißelt und die Rückbesinnung auf geschriebenen Text fordert. Audio sei eitel und biete keinen Mehrwert, stattdessen sollten Autoren der Welt lieber interessantere Dinge in Textform mitteilen. Überzogene pseudohumanistische Kulturkritik, oder hat er Recht, der Mann?
Am 11. Juli 2005 um 23:36 Uhr
Nabend,
ich muss bei Podcasts unweigerlich an den Nutzen von bedrucktem Klopapier denken: Beides geht mir - gelinde gesagt - am Arsch vorbei.
Wo ist der Mehrwert? Dass ich 100+ Euro für ein Abspielgerät ausgebe, um sequenziell angeordnete Informationen abzurufen, die ich nicht querlesen und bekritzeln kann? Im Büro bedanken sich die Kollegen über das Gelaber aus dem Rechner, und im Auto will ich meine Ruhe. Zeit im Büro spart man schon gar nicht. Ich kann ja Nachrichten ausdrucken und mitnehmen - wenn ich wirklich nichts besseres zu tun habe. Gibt es eine Volltextsuche über MP3-Inhalte? Ich kenne keine. Gartner hat das mal Voice Mining genannt und als großen Trend bezeichnet, als die Zeiten noch besser waren. Und: wenig ökonomische Nutzung des Speicherplatzes durch Audio-Dateien.
Wieso dann nicht gleich Videocasts? Das wäre doch nur konsequent! Zeitgeist, ey.
Am 12. Juli 2005 um 11:41 Uhr
Das von Thomas zitierte Manifest finde ich wirklich klasse. Es stellt die Schwächen des Podcasts scham- aber nicht humorlos zur Schau - bzw. zu Gehör.
Dennoch: Vieles von der Kritik - insbesondere zum Thema Recherchierbarkeit - gilt in gleichem Maße für Radionachrichten, die sich m.W. bis heute zumindest in den Kreisen der “Info-Elite” großer Beliebtheit erfreuen. Und das nicht ohne Grund: Natürlich bekommt man da manche Info mit, nacht der man im Moment gar nicht sucht. Aber das ist schließlich oft der Auslöser eines kreativen Prozesses. Und an zuviel Kreativität krankt unsere Wirtschaft momentan sicher nicht.
Im Übrigen sollen die Podcasts die recherchierbaren Infos ja auch nicht ersetzen. Sie sind ein Zusatzangebot, dessen Nutzung jedem freisteht. Ökonomische Nutzung von Speicherplatz ist angesichts der heutigen Speicherpreise jedenfalls kein Argument gegen Podcasts. Schon gar nicht für mich als Benutzer von Microsoft Office.
Am 12. Juli 2005 um 12:38 Uhr
podcasts
Ich kann dieses Podcast gebashe rgendwie nicht ganz nachvollziehen. Für mich sind Podcasts eine willkommene Alternative zum drögen Radioeinerlei. Der Mehrwert von Podcasts ? Ich kann Sendungen hören wann ich will und nicht wenn der Sender sie ausst…
Am 13. Juli 2005 um 13:10 Uhr
[quote]Audio sei eitel und biete keinen Mehrwert[/quote]
Huh? Eine Stimme zu hören ist kein Mehrwert?
Am 15. Juli 2005 um 10:15 Uhr
Die PodCasts sind doch nur ein Zusatznutzen und Nebenprodukt für iPod-User. Die hauptsächliche Motivation für den Kauf eines iPod bleibt die Musik.
Am 15. Juli 2005 um 10:19 Uhr
@Florian: Bei Podcasts geht es weniger um den iPod als Endgerät als vielmehr um die Möglichkeit, Audiobeiträge über RSS-Feeds zu abonnieren. Die kann man sich genauso gut am Rechner anhören. Und zwar dann, wenn man will — und nicht wenn sie gesendet werden (wie beim Radio).
Am 19. Juli 2005 um 22:45 Uhr
Wow, eine kontroverse Diskussion zum Thema Podcasting. Also ich bin derzeit ein wenig mit “dabei”. Höre hier und da immer mal ein wenig Podcasts. Warum? Ich finde die irgendwie nett, wenn man eh am Rechner arbeitet und einfach nur ein wenig Untermalung braucht. Ab und an findet man zudem auch Podcasts, die sehr interessant sind. Nicht immer ist es nur sinnloses Gestammel, auch wenn man das ab und an meinen mag.
Zum einen hatte ich einen gefunden, bei wird einem im Lauf der Zeit das ganze Gedicht von Max und Moritz von Wilhelm Busch vorgetragen. Sehr nett. Ein anderer war ein Ausschnitt über interessante neue Businesses, die man via eBay kaufen kann.
Und wenn ich mir das genauer anschaue: Im Grunde ist es was anderes als Radio. Beim Radio kriege ich mittlerweile doch gar keinen Mehrwert mehr. Die sabbeln immer das gleiche, es kommen auf allen Sendern die gleichen langweiligen Spaßserien (GerdShow, der kleine Niels) und die Musik… naja, auch wenig abwechslungsreich, oder? Dann doch einfach mal einen Podcast. Bei dem erwarte ich nix und es macht auch immer mal Spaß. Und sonst? Warum auch nicht?
Im Grunde ist es die gelungene Fortführung alle “Audible.de”s und aller Hörbücher, oder?