Warum kauft Sun Interwoven nicht?
Die unlängst besiegelte Kooperation zwischen Interwoven und Sun scheint auf den ersten Blick eine der zahlreichen strategischen Partnerschaften zu sein, bei denen man sich nach einer Weile fragt, ob sie mehr waren als ein Versuch, mal wieder im Rampenlicht zu stehen. Doch die Zusammenarbeit könnte tatsächlich Früchte tragen, allerdings sollte Sun Interwovens Produkte nicht nur vertreiben, sondern gleich den Anbieter kaufen. Nachdem Sun bereits Storagetek geschluckt hatte, könnte der Konzern sich mit dem Erwerb besser gegen EMC positionieren. Der Speicherspezialist hatte mit Documentum einen der ganz großen internationalen Player im ECM (Enterprise Content Management) übernommen.
Wie Documentum eignet sich auch Interwoven für große Installationen. Sun könnte den kompletten Infrastruktur-Stack nebst gut integrierter Content-Lösungen anbieten. Zudem wäre die Firma in der Lage, Komplettlösungen für Archivierung von Dokumenten und E-Mails – bestehend aus Storage-Boxen und Content-Management – auf die Straße zu bringen. EMC hat genau dies vor. Vor allem aber muss Sun sich Betätigungsfelder suchen, um die eigene Plattform attraktiver zu machen. Hier hatte Sun bislang keine glückliche Hand. Trotz guter Produkte und zahlreicher Übernahmen bleibt der Einfluss des Unternehmens auf das Geschäft mit J2EE-Infrastruktur beschränkt. Hier geben die Platzhirsche IBM und Bea den Ton an. Doch unter den J2EE-Playern mit eigenem Applikations-Server verfügt nur IBM über nennenswerte Content-Management-Produkte.
Sun-Konkurrent Oracle hatte unter dem Codenamen „Tsunami“ (er wurde lange vor der Naturkatastrophe in Asien gewählt), eine eigene Content-Management-Lösung angekündigt, doch die ging in den Wirren der Peoplesoft-Übernahme unter.
Im Gegensatz zu anderen Herstellern versteht sich Interwoven als Lieferant von Content-Management-Infrastruktur und klinkt sich beispielsweise in Portal-Lösungen von Partnern ein. Auch eine Integration in SAPs Netweaver hat das Softwarehaus vollzogen. Und im Mai hatte Interwoven mit Microsoft vereinbart, die eigenen Produkte an den Sharepoint Portal Server anzupassen.
Allerdings schreibt Interwoven noch immer rote Zahlen, konnte den Verlust jedoch verringern. Neue Kunden scheint das Softwarehaus nur noch im amerikanischen Heimatmarkt zu gewinnen. In Deutschland ist es um den Anbieter sehr still geworden.
Am 15. Dezember 2005 um 14:10 Uhr
müssen wir uns auch noch um sun kümmern?