Dumpfe RFID-Panikmache…

Funketikett bei der Metro (Sato)

servierte eben im Zweiten, mit dem man angeblich besser sieht, das Politmagazin “Frontal 21″. Bald stecken überall Funketiketten drin und “funken” alle unsere Daten an alle möglichen Computer, ließe sich der Beitrag kurz subsummieren. Das Ganze ohne den Hauch einer Erklärung der Technik und ihrer wichtigsten Einsatzgebiete. Man möge mich bitte nicht falsch verstehen — bei RFID (Radio Frequency Identification) sind jede Menge Datenschutzbedenken angebracht. Aber bitte sachlich!

Und wie sagte neulich ein prominenter Kompetenzteamler aus dem Münchner Speckgürtel? “Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Schlachter selber.” Das sollten sich mal all jene hinter die Ohren schreiben, die schon jetzt bei jeder Gelegenheit eine ihrer zahlreichen Kundenkarten vorzeigen und jedes Preisausschreiben mitmachen, bei dem sie völlig bedenkenlos ihre Adresse preisgeben. Da ist Angst vor RFID dann gänzlich unangebracht, seien Sie unbesorgt.

Ortbar sind wir sowieso alle über unser Mobiltelefon, auf das ja längst niemand mehr verzichten mag heutzutage. Und Daten sammeln über uns tut man auch schon ewig. RFID ist aus meiner Sicht nichts weiter als evolutionärer technischer Fortschritt und der zeitgemäße Nachfolger des Strichcodes. Und damit gehe man wie mit aller Technik, die man bekanntlich zum Guten wie zum Bösen verwenden kann, bitteschön vernünftig um. Oder ist jemand anderer Meinung?

7 Reaktionen zu “Dumpfe RFID-Panikmache…”

  1. hottemax

    jaja, neue Technologien sind böse.
    Habe den Beitrag zwar nicht gesehen, aber RFID-getaggte Waren kaufen und dann mit EC- oder Kreditkarte zahlen, erscheint mir aus Privacy-Gründen nicht ratsam. Da sind im Zweifelsfall alle Daten zusammengeführt: Die gekauften Waren (alle zwei Tage darmbakterienfreundlicher Trinkyoghurt, enge Jeans von Levis und Kondome, Marke extrastark), das bevorzugte Kreditinstitut, und der Name. Via Handy lässt sich zwar der Aufenthaltsort bestimmen, aber doch weit weniger das Konsumverhalten. Solange die Daten nicht zentral zusammengeführt werden - mit denen des Internet-Providers, der kommenden Gesundheitskarte …

  2. holgi

    Ich bin anderer Meinung.
    Du scheinst zu unterstellen, dass der Bürger/Konsument mündig ist. Auch wenn das BVerfG deine Einschätzung teilt, bestreite ich diese vehement.
    Vielmehr bin ich der festen Überzeugung, dass TED (die Masse) sich über die Konsequenzen seines Handelns nicht im Klaren ist (”wer nix zu verbergen hat, braucht sich auch nicht zu fürchten…”). Solange das der Fall ist, wird es keinen vernünftigen Umgang mit solcherlei technischen Neuerungen geben und die Panikmacher werden TED weiterhin einreden können, dass eine lückenlose Überwachung nur zu seinem Besten sei, TED wird es glauben und sich sicher fühlen.
    Solange, bis die falschen Leute die Kontrolle über die Daten bekommen - wogegen keine Gesellschaft gefeit ist. Die Holländer haben zu Beginn des 20 Jahrhunderts fast lückenlose Melderegister gehabt, die auch die Religionszugehörigkeit erfasst haben und haben auch nicht damit gerechnet, dass die Deutschen diese Daten 30 später sehr gut gebrauchen könnten - was sie taten.

  3. holgi

    äh… Jahre. 30 Jahre später. Ich bitte um Entschuldigung.

  4. landx

    “Und Daten sammeln über uns tut man auch schon ewig. RFID ist aus meiner Sicht nichts weiter als evolutionärer technischer Fortschritt und der zeitgemäße Nachfolger des Strichcodes.”

    Wenn man per Ferndiagnose wird den Inhalt eines Kühlschrankes analysieren können, ein Konsument-Profil erstellen können, dann wünsche ich mir als Folgeaktion eine E-Mail-Anfrage von einem Lebensmittelverkäufer darüber, ob nun der Kühlschrank gemäß der Statistikauswertung der letzten 3 Jahre gefüllt werden soll.
    Die Haltbarkeitstermine könnten auf diese Weise ebenfalls ferngeprüft werden und ein Austausch gegen Frischware angeboten werden.

    Die TÜV-Überprüfung des Wagens wird dann ja eh obsolet werden, die Volkswohnung stellt momentan - per Fernüberprüfung - sowieso den Heiz- und Betriebskostenverbrauch (http://www.ka-news.de/karlsruhe/news.php4?show=pma2005811-203I) fest, usw und so fort.

    Angenommen wird sind bereits an dem Totalen Automatisierungsziel angekommen (alles wird fernüberwacht und fernüberprüft), was geschieht dann mit dem Konsumenten? Er/sie wird ja nun über den - für den Arbeitgeber - unerträglichen Zuwachs an Freizeit verfügen, der dem Produktionsprozess “entgeht” und somit erheblichen “Produktionsschaden” entstehen läßt - “Opportunitätskosten”.

    Wird den Fernüberwachte, vor sich selbst geschützte Konsument die überschüssige Zeit dafür aufwenden müssen, zu produzieren (vgl. Kinoangebot “die Insel”), um den globalen (bzw. bis dahin intergallaktischen) Konkurrenzkampf der Individuuen zu überleben? Bzw. was erwartet uns DANACH?

  5. pmaage

    Es gab auch den Vorschlag, Geldscheine durch Einbau von RFID-Tags fälschungssicherer zu machen. Das ist eine geniale Idee, man kann vorher auslesen, ob es sich lohnt, jemanden zu überfallen. “Der Geschäftsmann da hat nur 40 Ocken dabei, aber die Oma daneben 2000. Druff !”
    Für den Warenverkehr scheint RFID ja ganz gut geeignet zu sein, aber die Tags nicht nur an den Paletten sondern an den Verkaufsstücken anzubringen, halte ich doch für bedenklich. Das Argument, die Kaufdaten würden eh gesammelt, zieht auch nur bedingt. Die Kaufdaten hat der Händler und (schlimm genug) ggf. seine Kooperationspartner. Die Tags kann jeder Hansel auslesen und zwar i.A. ohne, dass ich das mitbekomme. (Bei Strichcodes ist doch normalerweise meine Kooperation notwendig…)

  6. Frontal21 zu RFID » RiFID.de – RFID und Pervasive Computing

    […] NACHTRAG: Thomas Cloer meint im CW Notitzblog, der Frontal21-Beitrag sei dumpfe RFID-Panikmache – was wiederum eine Blog-Debatte auslöste. holgi kommentierte: Ich bin anderer Meinung. Du scheinst zu unterstellen, dass der Bürger/Konsument mündig ist. Auch wenn das BVerfG deine Einschätzung teilt, bestreite ich diese vehement. Vielmehr bin ich der festen Überzeugung, dass TED (die Masse) sich über die Konsequenzen seines Handelns nicht im Klaren ist (”wer nix zu verbergen hat, braucht sich auch nicht zu fürchten…”). Solange das der Fall ist, wird es keinen vernünftigen Umgang mit solcherlei technischen Neuerungen geben und die Panikmacher werden TED weiterhin einreden können, dass eine lückenlose Überwachung nur zu seinem Besten sei, TED wird es glauben und sich sicher fühlen. Solange, bis die falschen Leute die Kontrolle über die Daten bekommen - wogegen keine Gesellschaft gefeit ist. Die Holländer haben zu Beginn des 20 Jahrhunderts fast lückenlose Melderegister gehabt, die auch die Religionszugehörigkeit erfasst haben und haben auch nicht damit gerechnet, dass die Deutschen diese Daten 30 [Jahre] später sehr gut gebrauchen könnten - was sie taten. siehe auch: […]

  7. RiFID

    Wer sich eine eigene Meinung bilden möchte: Beim ZDF ist der Frontal21-Beitrag vom 17.06.2005 als Videostream abrufbar. Außerdem steht das Sendemanuskript (PDF 52 KB) zum Herunterladen bereit.

Einen Kommentar schreiben


Close
Powered by ShareThis