Happy Birthday, Bill

Eigentlich nennen wir uns nicht beim Vornamen, dafür hat die COMPUTERWOCHE immer zu viel Distanz gewahrt, aber dieses Mal nehmen wir uns die Freiheit. Wer hätte das gedacht, Bill Gates ist am Freitag vor einer Woche 50 geworden und bastelt immer noch fleißig an seinem Lebenswerk, das inzwischen zum mächtigsten Softwarehaus der Welt und zu einem der größten globalen Unternehmen geworden ist. Wahrscheinlich hat er sich am 28. Oktober, seinem Feiertag, zurückgelehnt und mit ein wenig Stolz auf den Weg geblickt, den er und seine Company gegangen sind. Hat ja auch einiges geschafft, der Mann — vor allem natürlich Windows und Office, die Säulen seines Imperiums.

Und genau bei diesen Fundamenten stellt sich die Frage, wie lange sie das Riesenreich noch tragen können. Kein anderer Geschäftszweig von Microsoft wirft genügend Gewinn für die Subventionen ab, mit denen Microsoft seine nicht immer glücklichen Versuche finanziert, in anderen Märkten Fuß zu fassen.

So entwickelt sich der Game-Markt, den Microsoft mit der Xbox bedient, zwar vielversprechend, hat aber noch nicht genügend Substanz. Das Geschäft mit kommerzieller Software, in das Microsoft mit dem Kauf von Great Plains und Navision eingestiegen ist, bleibt bisher weit hinter den Erwartungen zurück. Die Programme sind — aus Microsoft-Perspektive — noch nicht tief genug in den eigenen Software-Stack integriert, als dass Anwender ausreichend profitieren könnten, wenn sie neben den Systemprodukten auch Geschäftsapplikationen von Microsoft nutzen. Diesem Defizit wollen die Redmonder Rechnung tragen und ihre kaufmännische Software stärker mit der Office-Welt verbinden. Microsoft CRM deutet die Strategie an, die das Unternehmen hier offenbar verfolgen will.

Fast alle anderen Initiativen des Herstellers dienen dazu, die Welt seiner Betriebssysteme, systemnahen Produkte und Office-Applikationen attraktiver zu machen. So hofft er, die Kunden bei der Stange zu halten und zu Upgrades auf die nächste Version bewegen zu können. Aber das wird zunehmend schwieriger. Paradoxerweise gehen von Office und Windows die größten Gefahren für das künftige Wachstum aus. Die installierte Basis ist zwar riesig, aber offenbar wachsen die Bedürfnisse dieser Anwender langsamer, als sich die Systeme entwickeln. Und das, obwohl Microsoft von Version zu Version mehr Zeit verstreichen lassen muss. Diese länger werdenden Perioden ohne neue Produkte beschreiben das zweite große Problem, das vom Fundament des Unternehmens ausgeht: Ohne neue Produkte lässt sich nur wenig Umsatzwachstum generieren.
Aus diesen Gründen kann sich der Urheber des Ganzen nicht wirklich zurücklehnen, seine Nachfolger den Erfolg verwalten lassen und selbst dem Müßiggang frönen.

Die Aggressivität eines Steve Ballmer reicht nicht aus, um das Unternehmen auf die nächste Entwicklungsstufe zu heben. Es scheint, das sich Microsoft langsam wieder zu einer neuen Kraftanstrengung aufraffen muss, ähnlich der, die das Unternehmen Anfang 2000 unternommen hat, um sich Internet-tauglich zu machen.

Also: Nicht zu lange feiern, Bill und immer einen klaren Kopf behalten!

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