Microsofts ERP-Außenminister

Der bisherige Spartenchef Doug Burgum zieht sich aus dem operativen Geschäft der Microsoft Business Solutions zurück. Auf den ersten Blick hat es den Anschein, dass Doug Burgum das Handtuch wirft. Dies stimmt jedoch nur zum Teil. Zwar mutet die Konstellation, einen neuen Posten (Chairman) für die Sparte Microsoft Business Solutions zu schaffen, etwas künstlich an, doch einen Evangelisten für ERP kann die Abteilung Business-Lösungen durchaus brauchen. Es bedarf schon einiges an Erklärung, wenn, wie jüngst geschehen, die Office- und die viel kleinere ERP-Sparte zusammengelegt werden.
Im Gegensatz zu den Desktop-Produkten verlangt das Business-Software-Geschäft Kontinuität. Kunden kaufen ihre betriebswirtschaftlichen Produkte mit dem Wissen, für die nächsten Jahre auf den Hersteller angewiesen zu sein.
Dass Office-Programme zur Verarbeitung von unstrukturierten Informationen mit den Oberflächen der transaktionsorientierten Applikationen am Desktop zusammen wachsen, ist nicht neu und wird von manchen Anwendern auch schon in Teilen gelebt. Unklar ist jedoch, wie sich die Zusammenführung beider Welten technisch vollzieht und welche Konsequenzen dies für Kunden und Partner hat. Was ist am Ende Office und was ERP/CRM?
Meine Vermutung ist, dass Burgum mit seinen fast 25 Jahren in diesem Business quasi den Außenminister für Microsofts ERP-Produktstrategie geben soll. Vermittlungsprobleme bei Kunden und Partnern lassen sich aber kaum beseitigen, wenn der Verantwortliche mit Aufgaben im Tagesgeschäft zugeschüttet ist. Darum der Chairman-Posten. In dieser Position sollte er es einrichten, sich öfters als bisher in Europa blicken zu lassen.
Spannender als die Frage, was Burgum künftig macht und was nicht ist aber, wen Microsoft ein seiner statt an Bord holt. Mein Tipp: Ein Top-Mann von einem ERP- oder CRM-Anbieter. Führungskräfte, deren Firmen gekauft wurden, gibt es ja mittlerweile einige.
Am 22. November 2005 um 15:08 Uhr
Die genannten Unsicherheiten treffen den Kern. Wir haben uns gerade strategisch für die nächsten 15 Jahre festgelegt und werden Axapta bis 2008 für 700 User einführen. Nun ist es nicht so, daß bei anderen ERP-Anbietern (außer vielleicht SAP) eine größere Sicherheit in der Roadmap bestünde. Aber es beunruhigt schon, wenn man mit fortschreitender Entscheidungsfindung merkt, daß Microsoft als strategischer ERP-Anbieter in Gesamt-Europa nur über ein Dutzend und nicht einige Hundert von der Größenordnung her relevanter Axapta-Installationen verfügt. Software kann ja nur durch Kundeneinsatz reifen. Wenig Kunden = wenig Erfahrung ? Wird Microsoft Termine halten ? Stimmt der Support für geschäftskritische Anwendungen ? Hält man an der ERP-Strategie fest ?Warum springen nicht mehr Kunden drauf an ? Ich hoffe, wir sind nur early-adaptor und nicht auf dem Holzweg. Der Author hat Recht, der Brückenschlag zwischen Office und ERP muß professionell angegangen und vermittelt werden. Professionalität sehe ich hier eher von ERP-erfahrenen Kräften. Manch Office-Schnickschnack taugt ja eher für die X-Box als für einen Unternehmensarbeitsplatz.