Bedienen PC-Firmen nur IT-Abteilungen?

Walt Mossberg (courtesy of WIRED)

Eine wirklich schöne Kolumne hat heute Walter S. “Kingmaker” Mossberg im “Wall Street Journal” abgesondert (sorry, Link funktioniert nur für zahlende Abonnenten). “Computer Makers Cater to Big Business, Slight the Rest of Us” titelt Walt und stellt im folgenden fest, dass die großen PC-Bauer sich nur von den Interessen der IT-Abteilungen großer Unternehmen — und damit Käufer — leiten lassen.

Außer acht gelassen würden dabei die Interessen und Voraussetzungen der vielen kleinsten bis mittleren Unternehmen, die für die Volkswirtschaft mindestens ebenso wichtig seien wie die Großen. Die PC-Hersteller teilten die Welt falsch auf — nämlich in vermeintliche “Consumer”, die zuhause herumliegen, spielen, Musik hören und ab und zu mal eine Hausaufgabe oder Steuererklärung erledigen, und in die “Enterprises”, wo die Rechner von IT-Abteilungen kontrolliert und natürlich nur geschäftskritische Aufgaben erledigt werden.

Mossberg unterscheidet lieber zwischen PCs, die von einer IT-Abteilung und solchen, die von ihren eigentlichen Benutzern kontrolliert werden — egal ob Consumer oder Small-Business-Leute. Die Industrie liebe und bediene aber nur das IT-Segment, weil dieses Maschinen in großen Menge einkaufe und von einer “geekigen Priesterschaft” regiert werden, die die Branchensprache spreche. Das Nicht-IT-Lager dagegen, auch wenn es insgesamt größer sei, bestelle halt nur zwei oder drei Rechner auf einmal und sei eher nicht-technisch drauf.

Der Fokus auf die Firmenwelt habe echte und manchmal negative Auswirkungen auf Verbraucher und kleine Firmen, klagt der “WSJ”-Autor. Zum Beispiel habe es verschiedene Sicherheitsprobleme mit der Software von Microsoft in den vergangenen Jahren nur deshalb gegeben, weil der Hersteller bestimmte Features, die ausschließlich in Firmen benötigt würden, mit seiner Software an jedermann ausgeliefert habe. Das Gleiche gelte im Übrigen auch für andere Branchen. Zum Beispiel glaubten offenbar viele Mobilfunk-Netzbetreiber, das Nicht-Firmenkunden kaum Mobiltelefone mit brauchbarer E-Mail-Software benötigten.

Nur ein namhafter Hersteller fokussiere sich auf den Nicht-IT-Teil der Rechnerwelt: Apple Computer. Das liege zum Teil daran, dass Apple nie den Weg in die Unternehmen geschafft habe, aber auch daran, dass es seine Produkte lieber auf den tatsächlichen Nutzer ausrichte statt auf zwischengeschaltete Einkäufer. Sicher habe sich so mancher gewundert, warum Kritiker wie er (Mossberg) in den letzten Jahren andauernd die Produkte von Apple gelobt hätten. Ein Grund dafür sei, dass sie gut sein. Ein anderer sei aber, dass sie (bisher) von der Viren- und Spyware-Plage verschont geblieben seien, die Windows-Nutzern das Leben schwer mache. Und hintergründiger eben der Fokus auf den einzelnen Anwender.

Es gebe aber auch in der Windows-Welt kleinere Hersteller, die hauptsächlich an die Nicht-IT-Welt verkauften. Bestes Beispiel dafür sei Alienware, ein anderes eMachines (inzwischen Teil von Gateway). Allerdings adressierten diese meist kleinere Marktnischen als Apple, Alienware etwa hauptsächlich die Gamer und eMachines die Schnäppchenjäger.

Abschließend plädiert Walt dafür, dass die großen PC-Anbieter stärker den Nicht-IT-Teil des Marktes bedienen sollten, in dem die meisten Computer lebten.

Was meinen Sie - hat Mr. Mossberg Recht oder hat er Recht?

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