London Calling

Ich komme grad eben aus der Übertragung der Keynote von Steve Jobs auf der Macworld Expo in San Francisco für die europäische Presse in London im Studio 1 der BBC. Und bin schon einigermaßen überrascht: Apples erster Mac mit Intel-Prozessor (genauer dem “Core Duo”) ist nämlich kein portabler, sondern der (äußerlich und auch preislich unveränderte) iMac.

Ein neues Intel-basierendes Notebook kündigte Jobs mit dem MacBook Pro zwar auch gleich noch an, dieses — gleichfalls mit dem Core Duo ausgestattete — Gerät wird allerdings erst im kommenden Monat erhältlich sein.
Warum Apple auf Intel umgestiegen ist, machen die Benchmarks deutlich, die Jobs per Keynote auf die Großbildleinwand projizierte: Der iMac, zuvor schon vom G5 angetrieben, arbeitet mit dem Doppelherz-Intel zwei bis drei Mal schneller; beim bislang aus Gründen der Energieeffizienz noch G4-getriebenen PowerBook bringt die Umstellung vier bis fünf Mal höhere Leistung (jeweils gemessen in den gängigen SPEC-Benchmarks für Integer- und Fließkomma-Rechenleistung).
Das MacBook Pro ist zunächst einmal nur mit einem 15,4-zölligen Breitbild-Display zu haben. Gegenüber den bisherigen PowerBooks weist es ein paar echte Neuerungen auf - eine eingebaute Kamera für Videokonferenzen (wie schon beim iMac), die Medienverwaltung “FrontRow” mit Infrarot-Fernbedienung und einen neuartigen magnetischen Anschluss für das Netzkabel (damit sich niemand mehr darin verheddern und das Gerät vom Tisch reißen kann). Das Gerät ist in zwei Varianten zu haben - mit 1,67 Gigahertz schnellem Prozessor für 2099 Euro und mit 1,83 Gigahertz und besserer Ausstattung für 2599 Euro.
Jobs kündigte an, alle Macintosh-Modelle bis zum Ende des Kalenderjahres auf Intel-Prozessoren umzustellen. Mac OS X läuft in der ab heute erhältlichen Version 10.4.4. inklusive aller Apple-Anwendungen bereits voll nativ auf dem Core Duo. Noch nicht als Universal Binary vorliegende Anwendungen laufen vorerst im “Rosetta”-Emulator, und das gar nicht mal langsam, wie Jobs anhand von Microsoft Office und Adobes Photoshop demonstrierte.
Roz Ho, die Chefin von Microsofts Mac Business Unit, kam eigens auf die Keynote-Bühne, um hoch offziell zu verkünden, dass Microsoft und Apple eine Vereinbarung darüber getroffen haben, dass der Redmonder Konzern noch wenigstens fünf Jahre lang neue Versionen seiner Bürosuite für den Mac entwickeln wird - ein wichtiges Verkaufsargument für Apple.
Ebenfalls mit Jobs die Bühne teilen durfte Intel-Chef Paul Otellini, der im weißen Reinraum-Overall mit Wafer in den Händen durch den Vorhang brannte. Er und Jobs dankten einander für die großartige Zusammenarbeit beider Firmen im vergangenen Jahr, die die vorgezogene Vorstellung der Intel-Macs überhaupt möglich machte (eigentlich waren ja erste solche Geräte erst für Mitte 2006 avisiert gewesen).
Gleich zu Anfang der Keynote hatte Jobs übrigens auch ein paar interessante Zahlen genannt: Die Applestore-Läden setzten im Schlussquartal 2005 erstmals über eine Milliarde Dollar um. Und ganz Apple kam auf Rekordeinnahmen von 5,7 Milliarden Dollar (offiziell legt die Firma aus Cupertino erst kommende Woche ihre Bilanz vor). Nicht zuletzt deswegen, weil im Weihnachtsgeschäft sage und schreibe 14 Millionen iPods verkauft wurden. Apropos iPods: Einen neuen shuffle, der vielfach erwartet worden war, hatte Jobs nicht im Keynote-Gepäck. Auch kein Media Center auf Basis des Mac mini.
Stattdessen aber eine neue Kabel-Fernbedienung für die dockbaren iPods, die gleichzeitig einen UKW-Empfänger enthält, sodass man mit dem iPod nun auch ganz normal Radio hören kann. Kostenpunkt: 55 Euro.
Dazwischen gab es noch aufgefrischte Versionen der Programmpakete iLife (jetzt neu mit dem Simpel-Web-Editor iWeb, einem Podcast-Studio in Garage Band und “Photocasting” via RSS aus iPhoto) und iWork. Dabei handelt es sich größtenteils um so genannte evolutionäre Weiterentwicklungen, die aber nichtsdestoweniger viele Anwender erfreuen dürften.
Beinahe die Krönung der Keynote war ein gleich zwei Mal eingespielter neuer Werbespot für die Intel-Macs. Bislang hätten die Prozessoren von Intel in blöden grauen Kisten pflichtbewusst langweilige Aufgaben erledigt, behauptet Apple darin. Jetzt würden sie endlich befreit und dürften künftig in Macs richtig Spaß haben. Sollen sie, meinetwegen.
Am 10. Januar 2006 um 22:50 Uhr
[…] I’m currently in London, jobwise. Some surprises, some missed expectations. […]
Am 11. Januar 2006 um 11:52 Uhr
Macworld 2006: Video von der Keynote
Wer sich die Keynote von Steve Jobs von der Macworld San Francisco 2006 als Quicktime-Movie anschauen will, ist hier an der richtigen Stelle. Interessant ist als Teil des iLive-Pakets die neue Software iWeb, mit der sich Websites mit Fotos,…