IT taugt als Führungsinstrument

Wo kann der CEO eines Unternehmens direkten Einfluss nehmen? Nicht mittelbar, indem er sich mit dem Chef der Produktentwicklung unterhält oder sich mit dem Vertriebschef oder Niederlassungsleiter austauscht, sondern mit vollem Durchgriff? Klassischerweise macht ein Boss das über Human Ressources und über die Finanzen. Er bestimmt über Budgets und personelle Ausstattung der Bereiche. Damit hat er zwei Führungsinstrumente, die ganz direkt klären, welche Strategien und Projekte ihm am Herzen liegen. Wer nicht adäquat mit Leuten und Geld ausgestattet wird, muss zumindest kürzer treten oder Projekte ganz zusammenstreichen. Diese beiden Werkzeuge werden fleißig benutzt und funktionieren in der Regel mit der Präzision einer Guillotine. Deshalb erstreckt sich ihr Einsatz auf Bereiche jenseits der Unternehmens-Diplomatie, der sich normalerweise auch ein CEO befleißigt.
Wenig bekannt und genutzt wird hingegen die IT als Führunsinstrument. Dabei lässt sie sich zwar nicht ganz so universell, aber ähnlich wirkungsvoll einsetzen. Inzwischen unterstützt IT zumindest in großen Unternehmen fast je-den Prozess. Je nach Ablauf und Branche fällt die Rolle der IT unterschiedlich bedeutsam aus. Aber in der Regel verändern sich mit den Geschäftszielen und –abläufen auch die Anforderungen an die IT. Es müssen veränderte Anwendungen eingekauft oder entwickelt, implementiert und supportet werden. Weil IT genauso wie Personal und Geld eine knappe Ressource ist, lassen sich mit ihr hervorragend Prioritäten setzen oder betonen. Keine oder zu wenig IT-Ressourcen beeinflussen Veränderungen an Größe, Art und Dauer der Projekte negativ und dokumentieren damit, wie unwichtig die Sache in der Chefetage eingeschätzt wird. Mit mehr IT-Mitteln ausgestattete Vorhaben lassen sich dagegen schneller und sauberer umsetzen.

Je IT-abhängiger ein Unternehmen oder ein bestimmtes Projekt, desto stärker lässt sich seine Entwicklung mit IT bestimmen. Die Aufnahme der IT in den “Instrumentenkoffer” des CEO würde sie in den Unternehmen enorm aufwerten. Der CIO würde vom oft missbrauchten Prügelknaben zu einer Person, mit der man sich als Fachbereichsleiter gut stellen muss, wenn man etwas erreichen will. Allerdings setzt ein solches Szenario eine ge-wisse IT-Affinität des CEO voraus. Nur wenn er den Wert der IT für den Projekterfolg erkennt und prinzipiell weiß, mit welchen IT-Mitteln sich dieser erreichen lässt, kann er die IT als Führungsinstrument wirksam einsetzen.

4 Reaktionen zu “IT taugt als Führungsinstrument”

  1. Joern

    Ich würde es viel kürzer sagen: IT ist eine Kernkompetenz eines jeden Unternehmens.

  2. Text & Blog » IT als Führungsinstrument

    […] Zur Bedeutung von IT-Abteilungen in Unternehmen und Institutionen schreibt Christoph Witte im Blog der Computerwoche (CW Notizblog): «IT taugt als Führungsinstrument» Weil IT genauso wie Personal und Geld eine knappe Ressource ist, lassen sich mit ihr hervorragend Prioritäten setzen oder betonen. Keine oder zu wenig IT-Ressourcen beeinflussen Veränderungen an Größe, Art und Dauer der Projekte negativ und dokumentieren damit, wie unwichtig die Sache in der Chefetage eingeschätzt wird. Mit mehr IT-Mitteln ausgestattete Vorhaben lassen sich dagegen schneller und sauberer umsetzen.         […]

  3. Marco

    demnach wären die parkplätze in erster reihe auch ein prima führungsinstrument für den chef. da kann er mal so richtig priorisieren, wer wichtig ist, wer seine arbeit gut macht. ausserdem kommen die leute ja auch ausgeruhter ins büro weil sie nicht erst einen kilometer über den parkplatz laufen müssen.

    eine so schwache argumentation kann ich nicht nachvollziehen. ganz davon abgesehen, daß CEOs meist nicht die fachliche qualifikation mitbringen um über die notwendigen IT mittel einen gewinn zu erreichen.

    @joern: IT ist die kernkompetenz von IT unternehmen, aber nicht von banken, versicherungen, dem tante emma laden um die ecke oder einem anderen beliebigen geschäft. strategisch wichtig, ja. kernkompetenz nein.

  4. Frank

    Jim Collins beschreibt in ‘Good to Great’ detailliert, warum viele Unternehmen nur “gut” bleiben und nur einige wenige den Sprung zu “großartig” geschafft haben. Seiner Meinung nach ist Technik oder IT kein entscheidender Faktor für den Erfolg.
    Die entscheidenden Fragen sind für ihn:
    Was kann ich am besten?
    Wofür habe ich wirklich Leidenschaft?
    Welche wirtschaftliche Kenngröße treibt mein Geschäft?

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