Bearingpoint dreht sich in einer Abwärtsspirale
In gewisser Weise sind Berater wie Banker. Beide brauchen das Vertrauen ihrer Kunden und ein klares Profil.Wer einen Bausparvertrag will, geht nicht zu einer Privatbank, und wer nach einer renditestarken Anlagemöglichkeit für sein Millionenerbe sucht, wendet sich nicht unbedingt an die Sparkasse um die Ecke. Bei Beratungsunternehmen funktioniert das ähnlich: Wer IT-Beratung will, erachtet McKinsey wahrscheinlich nicht als erste Adresse, und IT-Berater werden eher selten als erstklassige Unternehmens- und Strategieberater eingestuft. Und natürlich werden die reinen IT-Berater von den so genannten Boutiquen unterschieden, die auch Implementierung, Projektgeschäft und Outsourcing anbieten. Vor allem Conultants, die IT-Betrieb oder ganze Geschäftsprozesse von ihren Kunden übernehmen, verzeichnen Wachstum und ordentliche Profite — IBM Global Services und Accenture etwa.
Bearingpoint fehlt zurzeit beides: Vertrauen und Profil. Fatalerweise wirken diese zuförderst hausgemachten Defizite auch noch in zwei Richtungen. Sie verunsichern Kunden und Mitarbeiter.
Misstrauisch werden muss jeder, der weiß, dass die Berater — als Spin-off der Wirtschaftsprüfung KPMG wohlgemerkt — schon seit November 2004 keine Bilanz mehr vorgelegt haben. Die Gerüchte um das Fehlverhalten der deutschen Geschäftsführung beschleunigen den Vertrauensverlust. Vor allem den Bearingpoint-Consultants muss es unendlich peinlich sein, keine offiziellen Angaben machen zu können, wenn sie von Kunden nach den Unternehmensresultaten gefragt werden. Als wenn das nicht ausreichen würde, um die Kunden in Scharen davon zu treiben, leidet das Beratungshaus auch noch unter einem unklaren beziehungsweise falschen Profil. Unklar deshalb, weil das Unternehmen sowohl IT- als auch Fach- und Strategieberatung anbietet, ohne in den letzten beiden Feldern wirklich reüssiert zu haben. Falsch ausgerichtet ist Bearingpoint weil sie nach eigenem Bekunden absichtlich auf Beratung sowie Implementierung gesetzt und den Betrieb außer acht gelassen haben. Die unglückliche Positionierung und das fehlende Vertrauen verhageln Bearingpoint das Geschäft, und zwar mit zunehmender Wucht. Die Abwärtsspirale dreht sich immer schneller. Wie schnell, lässt sich unschwer an der Mitarbeiter-Fluktuation erkennen. Im Dezember 2005 soll sie bei 35 Prozent gelegen haben.
Am 17. Februar 2006 um 15:25 Uhr
35% Fluktuation in einem Monat! Woher kommt eine solche Information?
Und…BearingPoint ist doch keine kleine Firma - wieviele Consultants sind dann dort in so kurzer Zeit weggelaufen? Und wohin - der Arbeitsmarkt ist doch nicht gerade sehr aufnahmefähig? Oder waren diese 35% gerade mal “die Besten”, die “immer einen Job finden”?
Es soll ja auch Leute geben, die ohne neuen Job den alten Arbeitgeber verlassen, weil der “goldene Handschlag” wahrhaft golden ist - gerade im Dezember!
Am 21. September 2007 um 10:52 Uhr
Hallo, ich wüßte gerne woher SIe diese Informationen haben bzw. wie ich Sie im Web finde. Ich befinde mich in Bewerbungsgesprächen mit BearingPoint und bin jetzt etwas verunsichert.
Wäre dankbar für die Unterstüzung.