Kundenservice im digitalen Zeitalter

Jetzt muss ich mal eben eine Schote der besonderen Art erzählen. Weil ich seit Tagen auf ein Paket warte, habe ich heute bei der Post nachgeforscht. Recht schnell erfuhr ich via Internet, dass die Sendung am 23.2. hätte zugestellt werden sollen, aber niemand erreicht wurde und jetzt im Postamt liegt. Ich war beeindruckt und vergaß darüber sogar fast, dass die Post mir eigentlich hätte einen Benachrichtigungsschein hätte einwerfen sollen, was der Zusteller aber anscheinend vergessen hat.Nach der ersten Begeisterung fiel mir auf, dass leider die Angabe fehlte, in welchem Postamt das Paket auf mich wartet. Jetzt gibt es in meiner Umgebung aber mehrere, die potenziell in Frage kommen, und es kommt immer wieder vor, dass ich mal zu diesem, mal zu jenem muss, um etwas abzuholen. Ich also wieder zur Post-Homepage und Filialsuche gestartet, um halt schnell dort anzurufen.

Stattdessen landete ich in einem Call-Center. Die freundliche Dame am anderen Ende bestätigte mir, was ich ohnehin schon wusste, konnte mir aber nicht mit der Filiale weiterhelfen. Ich fragte, ob ich eine Telefonnummer haben könne, damit ich dort anrufen und nachfragen kann. Nein, kam die Antwort, wir haben schon seit langem keine Telefonanschlüsse mehr in unseren Filialen.

Zunächst glaubte ich an einen Witz, doch die Dame beharrte auf ihrer Aussage. Also habe ich via Internet selbst nachgeforscht und tatsächlich eine Nummer für einen “normalen” Telefonanschluss einer der in meiner Nähe liegenden Filialen ausfindig gemacht. Wäre doch gelacht.

Dort meldete sich dann auch tatsächlich ein freundlicher Herr, der mich aber gleich nachdem ich mein Anliegen vorgetragen hatte, mit der Bemerkung “Ich verbinde Sie mit unserer Service-Hotline” weiterleitete, noch bevor ich “NEIIIINNNN” rufen konnte. Es erwartete mich ein Sprachcomputer, der zwar leicht abgehackt, aber immerhin verständlich mit einer Frauenstimme zu mir sprach. Ich wurde zur Eingabe der Sendungsnummer aufgefordert, dann musste ich noch sagen, ob ich Empfänger oder Sender bin. Die Maschine schien alles auf Anhieb zu verstehen und leitete mich weiter zu einer freundlichen Dame, die mich gleich mit Namen begrüßte und sogar wusste, welche Postleitzahl meine Straße hat.

Sie hatte eine gute Nachricht: Das Paket liegt - obwohl der missglückte erste Zustellungsversuch schon über sieben Tage zurückliegt - immer noch in der Filiale. Man habe es wohl übersehen, was ein Glück für mich sei. Schön antwortete ich, und wo kann ich es nun abholen? Ja, das wisse sie leider nicht. Kein Problem, entgegnete ich, geben Sie mir die Telefonnummer, dann rufe ich eben an. Sie ahnen, was jetzt kommt. Genau, keine Nummer. Die nette Dame empfahl mir, doch zu den Postämtern hinzufahren.

Das werde ich wohl tun müssen, denn was habe ich für Alternativen, wenn ich nicht anrufen kann? Einen Brief schreiben? Das wäre ja noch schöner!

4 Reaktionen zu “Kundenservice im digitalen Zeitalter”

  1. Stephan Voigt (Sqpis World)

    Irgendwann wird es Berater geben, die als ganz neuen Trend verkaufen werden, dass man wieder mit den Menschen sprechen kann und keine Callcenter mehr zwischengeschaltet sind. Das wird dann der Gipfel des Kundenservices sein. Bis dahing bleibt es eine Chance für den Wettbewerb, dies besser zu machen.

  2. Pöbler.de

    Kundenservice bei der Post

  3. Werner

    @Stephan Voigt:
    ja, genau! Und solche Berater werden besonders kompetent die Menschen sein können, die sich heute schon den ganzen Tag mit reklamieren von Dienstleistungen oder Hard- / Software vertreiben und damit sich BESTENS auskennen im Umgang mit solchen Service-Hotlines und Call-Centers!

    Deutschland wird zum Volk der Reklamierer - weil die Qualität der Ware ständig sinkt - und gleichzeitig über Callcenter so gut wie möglich seitens der Anbieter verhindert wird, daß effizientes Reklamieren möglich ist!

    Gute Nacht Deutschland!

    W.O.

  4. beeblebrox

    Schön beschrieben - nur gut, daß ich letzte Woche bei dem Sauladen (in dem Fall post.at) gekündigt habe :-) uns kostete das SAP-CRM-Modul ca. 1 MEUR und bis heute hamma net mal die business-adressen im griff :-)

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