Schrecklich leeres Digital Living
Die Sondershow Digital Living, untergebracht in Halle 27 der CeBIT, ist ein Trauerspiel. Am Messe-Freitag kamen nur wenige Besucher in der sehr lieblos gestalteten Halle. Die Messebesucher, die den Weg in die abgelegene Location nicht fanden, hatten eindeutig den richtigen Instinkt bewiesen.
Nach den Vorstellungen der Ausstellungsmacher besteht das digitale Leben nämlich in erster Linie aus Hummer-Jeeps, Formel-1-Boliden und Sitzsäcken vor Flachbildschirmen. Ein paar erschütternd langweilige Ausstellungswohnzimmer (gibt’s in jedem besseren Möbelhaus schöner) sollten wohl so etwas wie die Wohnwelten der Zukunft simulieren. Lahm! Wenn sie nicht von Autos träumen, imaginieren die Marketiers der Anbieter von “digitalen Lifestyle-Produkten” die Zukunft vor allem als Sofa, vor dem ein Flachbildschirm und Lautsprecherboxen stehen. Nicht einmal aufgehängt die Schirme, sondern wie die alten analogen Röhrenglotzen aufgestellt. Fehlte nur noch der röhrende Hirsch überm Kanapee. Einzig gut besucht war die Racing-Arena, in der Besucher den digitalen Schlachten von Profi-Gamern zuschauen durften.
Leider haben die Ausstellungsmacher mit Digital Living eine große Chance vertan. Die Halle zeigt nicht “Digital Living”, sondern eine digitale Einöde der schlimmsten Art.
Am 13. März 2006 um 10:53 Uhr
Ich war da. Leider bevor ich diesen Beitrag las. Ich kann bestätigen, das ich selten so etwas unglaublich schlechtes gesehen habe.
Voller Erwartung nutzte ich die Gelegenheit während meines Messebesuches mich über das Zusammenwachsen von TV, PC, Telefonie etc. zu informieren. Mich dafür begeistern lassen. Bin ich doch in meinem Bekanntenkreis der einzige der schon frühzeitig ein Netzwerkkabel zum TV gezogen hat.
In der Halle angekommen; völlige Verwirrung und leere. Ein XBox-Stand, ein Stand von EA-Games. Ein paar Eisbuden und ein paar Daddel-PC mit lauter Kiddis dran. Im hinteren Teil, dort wo man den Ausgang wähnte ein, zwei Wände mit Flachbildschirmen dran. Das wars. Buaah, so viel hätte man machen können, aber das war so schlecht. Ich glaube nicht das man das noch hätte steigern können.
Am 16. März 2006 um 10:09 Uhr
Auch ich war einer der Leidtragenden, die sich dieses Trauerspiel angesehen haben. Der aufregendste “Stand” in dieser Halle waren die Kids, die Fischer-Technik Autos und Kräne zusammengebaut haben und mit Notebooks gesteuert haben. Das war der einzige Ansatz von interessantem Digital Living, den ich in dieser Halle entdeckt habe.
Die CeBIT-Macher haben hier nicht nur eine große Chance vertan, sondern dem Thema Unterhaltungselektronik und Digital Entertainment, das als einer der größten Wachstumsmärkte der nächsten Jahre gilt, viel von seiner visionären Faszination genommen - jedenfalls den wenigen Besuchern, die die Show gesehen haben.
Am 16. März 2006 um 16:07 Uhr
…und ich hab gedacht, da wären die ganzen Besucher gewesen…
Am 16. März 2006 um 23:59 Uhr
Ich bin am ersten Messetag dort gewesen, so gegen 14:00 Uhr. Der auffälligste Stand in der Halle war der von der Zeitschrift MAX. Als wir in der Halle waren, begann nach kurzer Zeit ein live event der Gruppe PMA. Drei Künstler stehen auf der Bühne und steuern jeweils mit einem eigenen Joystick verschiedene Sounds zu einer live perfomance. Die Betreiber des MAX-Standes haben die Lautstärke dann so hoch gedreht, das man selbst am anderen Ende der Halle kaum ein Wort wechseln konnte. Im näheren Umfeld des MAX-Standes hat die Lautstärke beinahe körperliche Schmerzen verursacht.
Besonders diese Geräuschkulisse hat bei uns folgenden Eindruck verstärkt: Die Digital Live Sonderausstellung ist ein größerer MediaMarkt: Gerade, wenn man in Ruhe an der XBox seine Runden skaten will, dreht hinten in der Auto-Hifi-Abteilung ein armer Irrer die Basstreiber auf. Ein schmaler Grad zwischen Belustigung und Belästigung.
Es gab nicht nur Konsum und Kommerz, sondern auch Schwachsinniges: Viel Platz, zu viel Platz. Hecktische Kamerateams, welche “die aktuelle Stimmung in der Halle einfangen”. Der direkte Weg zur Toilette war versperrt und nur über den Umweg durch den WCG-Bereich erreichbar.
Aber halt! Es gab auch die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Digital Living. Ganz hinten, wo es keiner findet: Ein Kunsttoken. Thema: Unbekannt. Erklärung: Unnötig.
Ehrlich gesagt: Unsere Vorstellungen über die Digial Live Sonderausstellung schwankten zwischen Vision und Realisation. Vielleicht arbeiten von Künstlern für Marktführer? Die Idee einer Zukunft. Ich wusste nicht, was mich in dieser Sonderausstellung erwartet. Jetzt habe ich eine Meinung: Konsumtempel gibts bei uns um die Ecke, dafür muss ich nicht nach Hannover fahren. Im nächsten Jahr zahle ich gerne einen Euro weniger und verzichte auf diese Digital Live Sonderausstellung.