Boot Camp

Ein Boot Camp ist hart. Dazu sagt zum Beispiel die Wikipedia:

Ein Bootcamp bezeichnet im Englischen ein Trainingslager für Rekruten, die dort eine Grundausbildung erhalten. […] Die Bedeutung des englischen to boot (jemandem einen Fußtritt geben) kann auch auf die meist erniedrigendende Behandlung in einem solchen Lager bezogen werden. In neuer Zeit (seit ca. 1990) ist der Begriff als Bezeichnung für ein Lager zur Besserung und Rehabilitation von Straftätern bekannt geworden, insbesondere im Zusammenhanhang mit straffällig gewordenen Jugendlichen. […] Die Philosophie dieser Camps ähnelt der der Marines: Willen brechen, um ihn später wieder aufzubauen. Dazu gehören seelische Grausamkeiten, Erniedrigung und Sport, welche die Insassen an die Grenze ihrer Belastbarkeit führen.

Und in ein solches Boot Camp schickt jetzt auch Apple seine treue Nutzergemeinde (zu der im Übrigen auch ich gehöre).

Und die ist solche Grausamkeiten gar nicht gewohnt. Erst kommt die Ankündigung, die ach-so-überlegenen PowerPC-Chips (wer erinnert sich nicht an Phil Schillers tolle Photoshop-Demos) gegen schnöde Intel-Prozessoren auszuwechseln. Und jetzt auch noch Windows auf dem Mac? Au weh, dann ist man ja auf einmal gar nichts Besonderes mehr und irgendwie nicht mehr so elitär wie man sich wähnte?

Alles halb so wild, und sowieso wird nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird. Boot Camp ist ein schlichter Boot Manager. Mac OS X ist das bessere und schönere Betriebssystem. Apples Hardware ist immer noch die schönste, keine Frage. “Superior” wie Phil Schiller in der Boot-Camp-Pressemitteilung sagte, also überlegen, ist sie aber nicht. Höchstens im Zusammenspiel mit Apples übriger Hard- und Software, aber nicht per se.

Windows XP ist auch ein gutes Betriebssystem, und Vista wird noch ein besseres (10.5 “Leopard” natürlich auch). Und deswegen darf man sich freuen, dass man — wenn man denn unbedingt muss — Windows jetzt auch mal nativ auf seinem Mac starten kann. Wenn es den unbedingt sein muss, weil irgendeine Anwendung wieder mal nicht für die Apple-Plattform (laut IDC 2,3 Prozent Marktanteil weltweit, dafür aber praktisch virenfrei) verfügbar ist. Und nicht den lahmen Virtual PC bemühen muss. Danach kehrt man gewiss wieder glücklich ins OS X zurück. Kein Grund zur Aufregung also.

4 Reaktionen zu “Boot Camp”

  1. Juergen

    per se ist virtualisierung aber besser / komfortabler als eine multiboot-kiste. der leopard wird virtualiserung enthalten, las ich.

  2. Arne Völker

    Ziemliche Entgleisung, der Name Boot Camp. Da muss man doch fast vermuten: http://arnevoelker.ch/2006/04/06/der-mac-muss-durch-den-dreck/

  3. Katharina

    Hat schon mal jemand BootCamp plus WinXP auf seinem Mac installiert und kann erste Erfahrungen mitteilen?
    Ich möchte eigentlich ganz gerne einen DualCoreMac kaufen, arbeite nur leider vorwiegend mit Anwendungen, die es nicht für den DualCoreMac gibt … z. B. Virtools (www.virtools.com) und Autodesk (ehem. Alias) Maya.

  4. Igor

    Also, das mit dem Hype…Ich habe da einige Leute in der Umgebung, die momentan wegen dem CoreDuo-Mac PLUS WinXP darüber nachdenken, ob das der leichte, schnelle, langlaufende, STYLISCHE Laptopersatz sein könnte…

    Die Acers, Toshibas, Sonys etc. haben doch alle irgendwo irgendwelche Macken, die Leute von der c’t haben erst in der aktuellen 9/2006 den Mac als IDEAL-Notebook mit CoreDuo bewertet. Bis auf den Aufpreis von etwa 500 EUR (im Vergleich zu ähnlichen Geräten) gibt es eigendlich fast kein Argument, sich nicht einen Mac zu kaufen - und dann XP draufzuspielen ,)

    Ein Tutorial gibts hier: http://www.netzwelt.de/news/73956-tutorial-windows-xp-mit-boot.html

    Originalforum:
    http://discussions.apple.com/forum.jspa?forumID=1165&start=0

    Aber das Netz ist voll mit Blogs und Erfahrungsberichten zum Thema,
    die meisten sind von der Geschwindigkeit der Apps und der Stabilität
    des WinXPs (und vor allem dem kompletten Treibersupport für WLAN
    und Sound) begeistert ! Im Falle eines bekannten, 4x schnellere Filter
    in Adobe Premiere (WinXP) vs. der MacOSX Version. Wiederholt meßbar.
    (Das geht sicher auch unter MacOSX irgendwann, klar. Optimieren kann
    man überall).

    Jetzt müssen sich die Laptophersteller wirklich anstrengen, wenn Apple
    am Ende noch seine Preise senkt…gibts ein Blutbad.

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