Erfolg ist, wenn die Aktie steigt
SAP entdeckt den Shareholder Value: An Vorstand, Spitzenmanager und weitere Leistungsträger will der Softwariese 300 Millionen Euro ausschütten, wenn sie es schaffen, den Börsenwert des Unternehmens bis 2010 mindestens zu verdoppeln. Gezahlt wird nur, wenn die SAP-Aktie gleichzeitig schneller steigt als der Goldman Sachs Technology Index.
Hätte SAP angekündigt, sich komplett dem Customer Value zu verpflichten und einen wie auch immer gearteten Kundenzufriedenheitsindex bis Ende 2010 zu verdoppeln, wäre ich beeindruckt gewesen. Doch mit ihrem Shareholder-Ansatz rückt das Management einzig und allein die Wertsteigerung in den Mittelpunkt. Sie ist der unternehmerische Zweck, nicht das Herstellen konkurrenzfähiger Software (das ist nur Mittel zum Zweck).
SAP hat sich damit in erster Linie den Aktionären verpflichtet. Sind sie zufrieden, so die Annahme, wird es auch dem Unternehmen gut gehen - und allen anderen Beteiligten wie Mitarbeitern, Partnern, Lieferanten und nicht zuletzt Kunden. Beides hängt aber nur bedingt zusammen. Der Aktienkurs lässt sich bekanntlich auch steigern, indem Kundenabhängigkeiten ausgenutzt und Preise erhöht, riskante Finanzgeschäfte getätigt, abenteuerliche Expansionsstrategien verfolgt, Bilanzen frisiert und andere mehr oder weniger legale Dinge getan werden. In diesen Fällen profitiert zwar der Aktionär (zumindest vorübergehend), die anderen Stakeholder haben aber das Nachsehen.
Wer den Wert seines Unternehmens steigern will, könnte auf eine Menge kurioser Gedanken kommen, die mit dem Wohlergehen der Company nur bedingt zu tun haben. Nicht umsonst sind nach Enron, Worldcom etc. die gesetzlichen Vorschriften zur Unternehmensberichterstattung weltweit verschärft worden. Man stelle sich vor, SAP hat die Ziellinie Ende 2010 fast erreicht, doch dann kommt den Managern ein mieses Quartal in die Quere, dessen Veröffentlichung ganz sicher Auswirkungen auf den Kurs haben wird. Wir werden sehen, ob die Unternehmenskultur stabil genug ist, um den dann aufkommenden Versuchungen stand zu halten.
Der Management-Guru Fredmund Malik hat mal gesagt, der Wert eines Unternehmens lasse lediglich Rückschlüsse auf “Naivität, Angst und Gier der Anleger” zu. Das ist nicht das Fundament, auf dem man seine Zukunft bauen sollte.
Am 10. Mai 2006 um 15:35 Uhr
… nicht zu vergessen eine der beliebtesten Methoden, um mal eben dem Shareholder value auf die Sprünge zu helfen: ich kann nur empfehlen, von zeit zu zeit “paar” Mitarbeiter an die Luft zu setzen, das wird von den Börsianern immer wieder gerne gesehen.