Wieder einer weniger

Infor kauft SSA Global für knapp 1,4 Milliarden Dollar. Anders ausgedrückt: Eine Investorengruppe macht Kasse, die andere erweitert ihr Portfolio und macht Infor damit zum weltweit drittgrößten ERP-Anbieter hinter SAP und Oracle. So weit, so gut.

Allerdings gehen da zwei Softwareanbieter zusammen, die selbst in den vergangenen Jahren Etliches an Produkten zusammengekauft und keineswegs schon miteinander integriert haben.
Nach eigenem Bekunden arbeiten beide Teile des künftig fusionierten Unternehmens daran, aber keiner steht kurz vor der Präsentation eines integrierten Produktes. Im Gegenteil: Infor ist mit seiner Corestone-Technologie erst am Anfang der Entwicklung. Ähnlich dem Netweaver-Konzept der SAP soll es die Kombination verschiedener Module erlauben, die nicht aus der gleichen ERP-Suite stammen müssen. SSA ist mit seinem Pendant “Open Architecture” dem Vernehmen nach zwar schon weiter, aber ebenfalls alles andere als fertig.

Zumindest kurzfristig dürfte sich der Bauchladen, den die vergrößerte Infor bietet, nicht bereinigen lassen. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Produkte im ERP-Umfeld stark überschneiden und teilweise veraltet sind. So steht für viele Baan-Kunden eine Migration von Baan IV auf ERP-LN an, die der Implementation eines komplett neuen Softwarepakets gleichkommt. Das erhöht nicht gerade die Bindung der Kunden, die bei solchen Fusionen ohnehin immer prüfen, ob sie noch richtig aufgehoben sind.

Einzig im CRM-Bereich ergänzt SSA (durch den Aufkauf von Epiphany) das Infor-Portfolio. Deshalb sollten sich Anwender darauf gefasst machen, dass mittelfristig funktionsgleiche Produkte eingestellt, zumindest aber nicht weiter entwickelt werden.

Die branchenbezogene Überschneidung dürfte den Investoren indes zupass kommen: Sowohl SSA als auch Infor konzentrieren sich auf die Fertigungsindustrie und zählen da eher mittelständische Unternehmen zu ihren Kunden. Weder SAP noch Oracle oder Microsoft haben sich in diesen Marktsegmenten bisher besonders positiv hervorgetan. Das erhöht die Chancen für Infor in diesem Bereich — vorausgesetzt, der Anbieter kann seiner Klientel schon bald ein glaubwürdiges Zukunftsszenario aufzeigen.

2 Reaktionen zu “Wieder einer weniger”

  1. Larry

    und am Ende wird das ganze Geraffel nach 2 Jahren an Oracle weiterverkauft und die Kunden duerfen wieder Migrieren :-)

  2. migges

    …das ist wohl wahr. Oder an der New Yorker Börse ordentlich vergoldet und dann zerschlagen….

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