Meine Bank und IT: Im Blindflug

Nach herrschender Meinung sind Finanzdienstleister ganz weit vorn, wenn es um den Einsatz von IT geht. Unsere Bank bildet eine Ausnahme: Seit Jahren bekommen wir regelmäßig Infopost, wie toll es doch sei, gerade jetzt einen Hausfrauenkredit abzuschließen. Doch erstens wollen wir keinen Kredit beziehungsweise neuen Fernseher für die Fußball-WM, und zweitens brauchen wir keinen Kredit für einen neuen Fernseher. Wir haben auch nicht “spontan Lust” auf einen Trip zu den Austragungsorten. Alle zwei Monate schaue ich also meiner Frau am Briefkasten tief in die Augen, und sie seufzt: “Sie haben es also immer noch nicht kapiert.”

Woran liegt’s? An der IT, die kein adäquates System zur Analyse des Kundenbedarfs implementiert hat? Oder am Marketing, dem bislang verborgen geblieben ist, dass es solche Systeme überhaupt gibt? Oder am Controller, der nicht für ein derartiges System bezahlen will? Wenn Finanzdienstleister also ganz weit vorn beim IT-Einsatz sind, möchte ich nicht wissen, wie es um die Datenverarbeitung in anderen Branchen bestellt ist.

14 Reaktionen zu “Meine Bank und IT: Im Blindflug”

  1. Juergen

    bei mir ist der rhythmus kuerzer, aetsch! ;)
    und ich wundere mich ueber die variierenden betraege des offerierten kreditrahmens. bisher habe ich den intelligenten algorithmus dahintzer noch nicht durchschaut…

  2. milanese

    Und die Frau seufzt ein weiteres Mal, wenn die selbe Infopost einen Tag später nochmal im Briefkasten liegt. Diesmal allerdings an den Mädchenname adressiert. Den habe ich allerdings auch erst vor 7 Jahren abgelegt.

  3. Jagd

    Das kann ich auch nur bestätigen, auch bei uns in der Bank sehe ich oft unregelmässig unnütze Arbeit erledigen, welch eine Software definitiv einfacher erledigen könnte.

  4. Josef Ackermann

    ich verstehe gar nicht, worüber sich hier mal wieder aufgeregt wird. Irgendwie müssen Banken das Kapital doch verbraten, das durch die Entlassung von Mitarbeitern freigesetzt wird. Und können Sie sich vorstellen, was bei der Post los wäre, wenn diese Infobriefe wegfallen würden? Soviele Finger haben Sie gar nicht, wie das Arbeitsplätze kosten würde.

  5. Thomas Cloer

    @milanese: Das wird am Klingelschild liegen ;-)

    @Josef Ackermann: Das Kapital fließt doch eh schon in Glas- und Marmorpaläste, Dienstwägen usw. Mit der Post haste aber nicht ganz unrecht.

    Und was andere Branchen angeht: Mir schickt T-Com dauert E-Mails, ich soll doch mal auf elektronische Rechnung umstellen. Die schon seit Jahren an das gleiche elektronische Postfach geht.

    Ich dachte, so was nennt man CRM??

  6. Frank Niemann

    Dass ist halt die Kundenorientierung: Der Kunde orientiert sich bald woanders hin.

    Noch schlimmer als die Werbebriefe der Banken finde ich die dauernden Anrufe von TK-Unternehmen, die einem irgendeinen Dienst andrehen wollen.

    @Thomas Cloer: Ja so was nennt man CRM. Bloß die schönste Technik nutzt wenig, wenn die Firmen sie nicht richtig nutzen. Eine Software gefüllt mit Datenmüll liefert nur Datenmüll.

    Vor allem ist CRM ein Konzept, wie ich mit meinen Kunden umgehe. Die Anschreiben der Banken sagen viel darüber aus, wie intern über Kunden gedacht wird. “Beratung” bedeutet bei denen offenbar, wir drehen dem Kunden an, was vertickt werden soll. Wenn das zufälligerweise Kleinkredite sind, dann eben die.

  7. Juergen

    all diese number-crunching-briefe kommen vermutlich gar nicht direkt von den banken, telekommunikationsunternehmen, energieversorgern usw.. die geben sich mit den endkunden kaum noch ab, die info-post-aktionen sind outgesourcet. spezielle firmen, die aus den crm-systemen nur die adressen bekommen, sorgen fuer ein beschaeftigungsprogramm bei der post.

  8. Christian

    Es gab eine Interessante Studie dazu, dass 6 von 10 Banken nicht in der Lage sind, ihre Kunden vernümpftig analysieren zu können. Die Frage ist dann ob, und wenn ja, wie lange sich das gewisse Banken erlauben können, bis ihnen die Kunden den Rücken zuwenden.
    Denn wenn meine Bank nicht verstehet, such ich mir eben eine andere, die mich versteht.

    Gruß Christian

  9. Andreas Herrmann

    Guten Tag,

    das Problem, oder besser die geschilderte Situation ist leicht zu erklären.

    Die Bank streut diese Werbesendung nach s.g. Leads, nach vorliegenden Kontaktdaten.

    Wie sie an diese Daten einmal gekommen ist, für diese Direktmarketingaktionen, kann auf verschiedene Art und Weise geschehen sein.

    Selbstverständlich muß eine Einwilligung des Empfängers vorliegen, da sonst diese Form der Direktwerbung untersagt ist.

    Das heißt es werden also die vorliegenden Personendaten verwendet um ein Angebot zu kommunizieren.

    Und jetzt wird’s einfach, die Erfolgsquote eines solchen Mailings lässt sich relativ leicht bestimmen und ist nahezu immer wieder wiederholend gleich.

    70% aller Werbebriefe werden nicht gelesen, sondern landen gleich im Papierkorb.

    … so wie bei Ihnen beschrieben, aber diese Quote ist kalkuliert.

    Die Masse machts.

    Wenn Sie die Verschwendung dieser Portokosten nervt, dann reicht ein kurzer Zweizeiler an Ihre Bank, dass diese Ihre Mailingdaten löschen soll und schon haben Sie Werberuhe.

    In diesem Sinne!

    Herzliche Grüße, Andreas Herrmann

  10. Jake

    Hallo Herr Herrmann,
    danke für die Einlassungen! Hier geht es weiter mit der Bank und ihren Briefen: http://www.computerwoche.de/messeschnellweg/2007/08/07/lieber-bankdirektor/
    Diesmal keine Werbung, sondern vier Briefe zum Wechsel des Ansprechpartners …

  11. Andreas Herrmann

    Liebe/r Jake!

    Vielen Dank für Ihren weiteren Beitrag, zu diesem geradezu peinlichen Werbeauswüchsen.

    Ja, das Problem ist eindeutig erkennbar.

    Mangelnde Pflege einer vorliegenden Kundendatenbank.

    Die Optimierung der hier vorliegenden Datenbestände ist ganz sicher kostspielig zeitaufwendig.

    Nur - ganz sicher leicht machbar.

    Warum sollte hier seitens der Betreiber bzw. des Direktmarketing - Dienstleisters gehandelt werden?

    Weil die von Ihnen beschriebene Kundenunzufriedenheit und natürlich auch die damit verbundenen Mehraufwendungen/unnützen Kosten verhindert werden können.

    Langfristig ganz sicher ein gewinnbringendes Intermezzo.

    Hier sind innovative Macher gefragt, die aus der Bequemlichkeit eingefahrener Marketing- und Werbestrukturen auszubrechen vermögen und den Dienst am Kunden, langfristige Kundenbindung und Kundenzufriedenheit im Auge haben!

    In diesem Sinne!

    Liebe Grüße!

    Andreas Herrmann
    Direktmarketer

  12. A.Jendrysik

    Hallo,
    die Werbeflut der Kreditanbieter ist eine Last. Ich habe nirgends meine Kontaktdaten hinterlassen, dennoch bekomme ich eine Flut von Werbebriefen.

    Nicht schön jeden Tag 80% der Post in den Mülleimer zu feuern.

    Grüße A.Jendrysik

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