Der lange Abschied von Microsoft
Es fällt sehr schwer, den richtigen Ton zu treffen, wenn es um den angekündigten Abschied von Bill Gates geht. “Einen Verriss kann man nicht schreiben” wie es ein Kollege treffend ausdrückte, aber ein Loblied eben auch nicht. Dafür ist das bemerkenswerte Schaffen des Mannes zu widersprüchlich, der mit 50 Jahren den Rückzug von seinem Lebenswerk Microsoft ankündigt – vielleicht um mit der Melinda und Bill Gates Stiftung ein Zweites zu beginnen.
Doch Gates hat nicht nur Microsoft gegründet und mit Office und Windows viel verdient, sondern er hat sich auch verdient gemacht um die Entwicklung der IT und die “Digitalisierung” der Industrienationen. Ohne die Produkte seines Hauses würden wahrscheinlich nur ein Bruchteil der heutigen Nutzer mit IT und Internet umgehen. Was auch bedeutet, dass die IT-Industrie eine kleinere Rolle einnehmen würde als sie heute spielt.
Gates hat mit harten Bandagen für seine Vision von “Information at your fingertips” gekämpft – oft und vor allem gegen Mitbewerber. Das hat die Branche aber auch auf so genannte Industriestandards gezwungen, die letztlich zur Verbreitung der IT beitrugen. Allerdings – und deshalb ist es so schwer, den Microsoft-Gründer außer für sein knallhartes und geniales Unternehmertum zu loben – hat er das natürlich nicht für das Große Ganze getan, sondern für mehr Microsoft-Umsatz. Die Monopole in den Bereichen Betriebssysteme und Büroanwendungen hat Gates rücksichtslos ausgenutzt, um für sein Unternehmen neue Märkte zu erobern. Das hält er heute noch so, kaum gebremst von den Kartell-wächtern dieser Welt.
Gates verlässt die Brücke seines Unternehmens bei ruhiger See. Die Offiziere sind hochdekoriert und können Kurs halten. Allen voran sein Freund und langjähriger Weggefährte Steve Ballmer sowie Lotus-Notes Erfinder Ray Ozzy, der Gates Nachfolge als Chief Software Engineer antreten wird. Allerdings stellt sich die Frage, wie die neue Führung auf sich allein gestellt reagiert, wenn radikale Kursveränderungen nötig werden. Was passiert, wenn beispielsweise Google Microsoft tatsächlich zur Adaption seines Geschäftsmodells zwingt – weg vom Lizenz- hin zum Service-Geschäft? Gates schaffte es Mitte der 90er noch mit geharnischten E-Mails, das Ruder herumzureißen und das Schiff auf Internet-Kurs zu zwingen. “Stellen Sie sich vor”, schrieb ein englischer Kollege, “was passiert, wenn Ozzy so eine Mail schreibt?”
Gleichgültig ob ruhige oder schwere See - Microsoft wird der Wille seines Gründers fehlen. Das Unternehmen muss sich verändern und anders aufstellen, um ohne ihn auszukommen.
Am 24. Juni 2006 um 11:07 Uhr
Letztes Jahr wurde Bill Gates 50. Aus diesem Anlaß gab es bei Zeit.de zwei Artikel (Pro und Contra) über die Person Bill Gates. Kurze Zusammenfassung und Links zu den Artikeln:
http://www.injelea.de/plog/blog.php/injelea/2005/10/28/bill-gates-wird-50
Am 26. Juni 2008 um 16:36 Uhr
[…] Irgendwann treten sie alle ab, die mit ihren Unternehmen die Welt verändert haben. Steven “Steve” Paul Jobs, der Gründer von Apple machte ihm vor und nahm bei dem von ihn aufgebauten Unternehmen seinen Abschied. Später kehrte er jedoch wieder in sein Reich zurück, um nach der Entlassung von Gil Amelio vorübergehend zum Geschäftsführer zu werden und das Unternehmen durch innovative Produkte und eine grandiose PR (zu der auch die beispiellosen Präsentationen von Steve Jobs gehören) wieder an die Weltspitze zu bringen, wenn es um die Frage geht, wer wohl das innovativste Unternehmen sei. Nun ist sie vorbei für William Henry Gates III, den die Welt fast nur unter dem Namen Bill Gates, die lange Zeit des Abschieds. […]