Ethik? Kann man das kaufen?
Deutschland ist offenbar besoffen vom Fußball. So richtig scheint es niemanden aufzuregen - wenn man mal von den Betroffenen absieht -, dass Konzerne wie Siemens und Allianz trotz milliardenschwerer Gewinne Tausende von Stellen streichen. Doch nun kommt Opposition aus unerwarteter Ecke: Der Bundesverband Deutscher Mittelstandsberater e.V. echauffiert sich über die “Großen”, die nur noch an “hohen Renditen” und “steigenden Aktienkursen” interessiert seien. Wörtlich heißt es in einer Presseerklärung:
Nach Auffassung des Bundesverbandes, dessen Berater die Herausforderungen der KMU täglich erleben, ist dieses Verhalten unternehmensethisch kaum zu vertreten. Hierbei verweist er auf die Schwierigkeit vieler kleiner Unternehmen, die stets versucht sind, Stellen selbst in schwierigen Zeiten zu sichern. Demnach verfolgen die deutschen KMU durchweg eine differenzierte Unternehmenethik, die sich nicht in erster Linie ausschließlich an der Maximierung von Gewinnen und Renditen orientiert. Ziel ist es vielmehr die wirtschaftliche Existenz zu sichern und mittels Investitionen neue Potenziale aufzubauen sowie die soziale Verantwortung gegenüber jedem einzelnen Arbeitnehmer zu übernehmen.
Hoffen wir mal, dass diese Zeilen die Herren Kleinfeld und Diekmann erreichen. Und dass sie kräftig etwas zu hören bekommen, wenn sie ihre Brötchen vom Bäcker holen, ihre Haare schneiden lassen und ihre Ferraris in die Werkstatt bringen…
Am 25. Juni 2006 um 12:18 Uhr
Ich frage mich, was bei solchen Leuten im Kopf abgeht. Sie haben doch schon mehr als genug Geld, aber die Gier nach mehr ist wohl unerschöpflich. Man kriegt auf solche Leute echt hass, wenn ich mir anschaue wie unmoralisch und aus reiner Geldgier manche Leute handeln.
Am 27. Juni 2006 um 19:26 Uhr
Den Regeln von Kapitalismus und Globalisierung kann sich Deutschland sicher nicht entziehen aber bisschen Ethik-Bewusstsein wäre in den deutschen Konzernspitzen mehr als angebracht. Betrachtet man die Entwicklung der Vorstandsbezüge in Relation zu der Veränderung von Dividendenzahlungen an die Aktionäre (also die Inhaber), so kann man vielfach nur noch eine maß- und skrupellose Selbstbedienungsmentalität erkennen. Als Dankeschön für ihre Verdienste wird dann auch noch den wahren Leistungsträgern (den Mitarbeitern) sodann die Kündigung serviert, damit die Vorstandsbezüge in der nächsten Runde nochmal steigen dürfen - man werde ja schliesslich gewinnorientert bezahlt.
Nein, mit Ethik hat das nun gar nichts gemein. Die Kritik des Mittelstandsberater-Vereines ist da durchaus berechtigt und angebracht. Wie soll dies ein Handwerksmeister verstehen, der sein Leben lang redselig geschuftet hat, um einen Betrieb aufzubauen und Arbeitsplätze zu schaffen? Und wenn der Handwerksmeister sein Lebenswerk an seinen Sohn vererben will, so streckt der Fiskus raffgierig die Hand aus. Wenn grosse Konzerne Beteiligungen an- und verkaufen und damit Millionenbeträge einfahren, so gehen sie steuerfrei aus - dies ganz legal.
Wenn klein- und mittelständische Betriebe aber auf diese Weise ausbluten und Konzerne nur noch nach Renditegeilheit lechzen, wer soll dann bitteschön noch Arbeitsplätze in Deutschland schaffen?
Und…die Kosten, die der Allianz durch den Stellenabbau entstehen, sind natürlich Betriebsausgaben, die beim Finanzamt steueroptimierend geltend gemacht werden.
Ethik kaufen? Nein, Ethik gibt es doch umsonst. Aber wie alles, was es umsonst gibt, hat es für unsere deutschen Spitzenmanager daher keinen Wert. Vielleicht besser so, denn gäbe es einen Verkaufspreis für Ethik, so würden sich gleich Hedgefonds einfinden, um damit vortrefflich zu spekulieren.
Am 5. Juli 2006 um 08:06 Uhr
Nicht die Herren Kleinfeld und Diekmann sind Diejenigen, die an den Pranger gestellt gehören. Wer in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem kapitalistisch denkt und handelt, mag zwar oft sehr unsympathisch anmuten, tut aber doch nichts anderes, als von ihm erwartet wird.
Wer sich über irrsinnig hohe Vorstandsbezüge aufregt, sollte sich fragen, wer diese Bezüge bewilligt hat. Das ist bei Aktiengesellschaften bekanntlich der Aufsichtsrat, in dem bekanntlich auch so genannte Arbeitnehmervertreter sitzen. Handeln diese nicht mindestens ebenso verwerflich wie die Herren Kleinfeld und Diekmann? Ganz abgesehen von den Politikern, deren Aufgabe es eigentlich wäre, Lebens- und Arbeitsbedingungen aktiv zu gestalten. Statt dessen überhäufen sie die Großkonzerne mit Vergünstigungen, entziehen Bevölkerung und Handswerksbetrieben immer mehr Finanzmittel und verweisen ansonsten auf die als schicksalhaft dargestellte “Globalisierung”, was immer sich hinter diesem Begriff verbergen mag.
Kurz und gut: Es gibt weitaus üblere Gesellen als Kleinfeld und Diekmann.
Am 11. Juli 2006 um 13:12 Uhr
Ein Artikel zum Thema findet sich in der “SZ”. Der Stellenabbau der Großverdiener Allianz und Deutsche Bank sei nicht unmoralisch, sagt “Ethikfonds-Pionierin” Elisabeth Höller.
http://www.sueddeutsche.de/,wirm3/wirtschaft/artikel/383/80303/