Siemens wird SBS verkaufen

Fast seit dem Gründungsjahr 1995 repariert der Mutterkonzern an der Siemens Business Services herum. Viel gebracht hat das bisher nicht. Da sich die Konkurrenz von Accenture über IBM, HP und mit Einschränkungen sogar auch EDS in den vergangenen Jahren gut bis prächtig entwickelt hat, resultieren die SBS-Probleme nicht aus einer allgemeinen Marktschwäche, sondern sind offensichtlich hausgemacht.

Zunächst missglückte der Start ins Outsourcing-Geschäft. Einer der ersten großen Deals mit der britischen Staatsbank National Savings belastete das Ergebnis der SBS praktisch von Anfang an und schränkte ihre Investitionsmöglichkeiten drastisch ein. SBS musste aufgrund dieses Vertrages Mitarbeiter entlassen und Rückstellungen bilden, um die Verluste aus dem Vertrag abzufangen. In der Folge ließen die Münchener teilweise übergroße Vorsicht walten, wenn es um große Outsourcing-Deals ging. Außerdem verfügte das Unternehmen auch aufgrund der von Siemens ausgegebenen Renditeziele über zu wenig finanziellen Bewegungsraum, um durch den Kauf von Mitbewerbern zu wachsen. So lief beispielsweise der Verkauf von Debis Systemhaus, dem internen IT-Dienstleister von Daimler Benz, an SBS vorbei. T-Systems übernahm den Laden. Stattdessen engagierte man sich in margenschwachen Referenzprojekten wie dem berühmt-berüchtigten Herkules-Projekt der Bundeswehr.

Ebenfalls als problematisch erwies sich der hohe Anteil an kaptivem Umsatz, den die SBS mit der Mutter Siemens erzielte. 1996 lag er bei 87 heute zwischen 30 und 40 Prozent. Anfangs erzielte der Dienstleister mit dem internen Umsatz hohe Margen. Mit jedem Siemens-Geschäftsbereich wurde einzeln verhandelt und so konnten aus SBS-Sicht gute Ergebnisse erzielt werden. Es bestand deshalb lange kein allzu großer Druck, die Organisation zu verschlanken und das Geschäft zu kon-zentrieren. Als der erste SBS-Geschäftsführer Friedrich Fröschl die Seiten wechselte und den CIO-Posten von Siemens bekam, stellte er diese Praxis ein. Fortan kaufte der Konzern zentral bei SBS ein und drückte die Margen des internen Geschäfts gewaltig nach unten. In der Folge konnte SBS das margenschwache Geschäft nicht mehr ausgleichen.

Das dritte Problem von SBS resultiert aus den beiden ersten. Die Siemens-Tochter hat die Internationalisierung nie wirklich geschafft. In Amerika und Asien machte der Dienstleister außerhalb der Siemenswelt so wenig Geschäft, das er sich 2002 ganz aus dem Asien- und Südamerika-Geschäft zurückziehen musste. Das Amerikageschäft blieb ebenfalls schwach. Damit hat sich SBS als Partner für globale Unternehmen disqualifiziert.

Die Situation ist für SBS so verfahren, dass nur noch eins zu helfen scheint: die schwachen Bereiche in den Konzern integrieren oder schließen und das Outsourcing-Geschäft samt Siemens-Umsatz an einen globalen Dienstleister verkaufen beziehungsweise in neuer Siemens-Manier in ein Joint Venture einbringen.

21 Reaktionen zu “Siemens wird SBS verkaufen”

  1. rudi mertens

    wasn das für ein satz: “… In Amerika und Asien machte der Dienstleister außerhalb der Siemenswelt so wenig Geschäft, das er sich 2002 ganz aus dem Asien- und Südamerika-Geschäft zurückziehen. …”

    pisa lässt grüßen *kopfschüttel*

  2. Oliver

    “…SBS musste aufgrund dieses Vertrages Mitarbeiter entlassen …” wer sich ein wenig im Outsourcing Business auskennt, der weiß, dass dies immer so ist. Bei jedem Outsourcing Deal, werden vom Vertragspartner Mitarbeiter übernommen. Diese brauch man aber eigentlich nicht in der Größenordnung (wie sollte sonst das Outsourcing günstiger sein??) da man auch diesen Service nahezu mit der eigenen Mannschaft realisieren kann. Die übernommenen Mitarbeiter darf man nicht gleich entlassen….also wen sonst. SBS hat heute über 35.000 Mitarbeiter….soviele wie nie zuvor…und dies obwohl die letzten Jahre kontinuierlich entlassen wurde.

    Wie kommt das nur??

    ich schließe mich meinem Vorredner an ” PISA lässt grüßen” ;-))

  3. Pisa

    Man sicherlich kann trefflich über den Satzbau in diesem Kommentar streiten, wichtiger ist jedoch die Tatsache, dass es keinen deutschen IT-Dienstleister von internationalem Format gibt. Was sich bei SBS abspielt, wird spätestens in zwei Jahren auch bei T-Systems “Tagesordnung” sein…

  4. ThSc

    Sicherlich ist dieser Beitrag stellenweise krammatikalisch unkorrekt.
    Es kommt jedoch auf die Inhalte eines Beitrages an, die genannten
    Probleme der SBS lassen sich (leider) nicht wegdiskutieren.
    Auch alle andere IT-Dienstleister werden diese Probleme aufgrund der technischen und geopolitischen Entwicklungen bekommen.
    Mit dem IT-Betrieb wird sich immer weniger Geld verdienen lassen.

  5. Jörn

    Vielleicht noch ein paar Anmerkungen zu den Artikeln:

    Siemens: Das Siemens-Geschäft macht rund 25 Prozent des Umsatzes aus - nicht 30 bis 40 Prozent

    Branchen: Das Engagement in der Banken-Branche wird fortgeführt - nur in anderen Branchen engagiert sich SBS künftig noch stärker

    Regionen: In Nordamerika macht SBS knapp 10 Prozent seiner Umsätze, in Südamerika und Asien ist SBS nach wie vor mit eigenen Ressourcen und zudem über Partner wie Fujitsu präsent. Europa und Nordamerika sind die mit Abstand wichtigsten Märkte im IT-Geschäft

    Mitarbeiter-Abbau: SBS hat lange Zeit versucht mit Reduzierung der Wochenarbeitszeit, Teilzeitangeboten, Sabaticals und ähnlichen Dingen einen Stellenabbau zu vermeiden.

    P.S. Ich arbeite bei SBS

  6. Nebulas

    Der Wert solcher Artikel und derer Aussagekraft kann als minimal bis nichtig bezeichnet werden. Der Titel des Artikls lautet nicht umsonst “Redakteure sagen ihre Meinung” und ich wünschte mir er hätte sie mal lieber für sich behalten. Unproduktives geschreibsel das keinem hilft und quasi aus der Glaskugel gelesen ist. Sowas verunsichert nur Mitarbeiter und Kunden. Außerdem sieht der Artikel sehr abgeschrieben und/oder schlecht recherchiert aus da solche mitlerweile Dutzend weise im Netz zu finden sind.

    P.S. Ich arbeite ebenfalls bei SBS

  7. Christoph Witte

    Sehr geehrter Herr Nebulas,
    ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass Sie meine Meinung nicht teilen. Mir ist allerdings nicht klar, was Sie mit “unproduktivem Geschreibsel” ausdrücken wollen, dass “quasi aus der Glaskugel gelesen ist”. Natürlich handelt es sich bei dem Beitrag um einen Meinungsartikel. Ich denke aber, die erwähnten Fakten stimmen, oder waren die Outsourcing-Projekte in England etwa schnell profitabel? Hat Froeschl, die Verträge zwischen Siemens und SBS geändert? Hat SBS anders als in meinem Beitrag dargestellt international reüssiert?

  8. Ein SBSler

    moin,

    ich schließe mich den anderen an, dass der Artikel von schlecht recherchierten Skandaljournalismus geprägt ist. Die genanten Themen sind eine Kollage von Artikeln der letzten Jahre. Aber die CW ist sowieso seit Jahren ein Revolverblatt von Schreiberlingen die von Firmen bezahlt werden. Die tatsächlichen Probleme bei SBS sind ureigene Siemensprobleme die man im ganzen Konzern findet. Der Unterschied zu den anderen Siemenssparten liegt hauptsächlich in konjunkturellen Branchenunterschieden. Das Problem der überdimensionierten Kaufmannschaft und Accountings ist im ganzen Konzern verbreitet. Das ist das eigentliche Problem und verursacht den nicht adäquaten Overhead im Vergleich zu einigen Konkurenten. Hieraus rühren zu lange Entscheidungswege, und schlicht weg ein dopppelter Wasserkopf.

    mfg

    Der SBSler

  9. Nebulas

    Sehr geehrter Hr. Witte,

    auch wenn sich meine Ausführungen wie eine direkte Kritik an Ihnen Persönlich dargestellt haben sollte, ist dem nicht so. Die Kritik gilt vielmehr
    der schreibenden Zunft allgemein, die mit einer unübertroffenen Akrebie versucht die SBS schlecht zu reden. Sie können mir glauben das der Einblick den ich in unsere Organisation habe sich deutlich von Ihren Ausführungen abhebt. Ich bitte Sie sich in die Lage unserer Mitarbeiter zu versetzen die fast im Wochenrhytmus mit solchen Artikel konfrontiert werden…

  10. abdulkadir.atlan@rwe.com

    test

  11. Rigo Rothenbröker

    Schön, dass es endlich mal amtlich wird. Wer sich als Wettbewerber
    gegen die SBS stellt, stellte immer wieder verwundert fest, welche
    wundersamen Wendungen Angebote der SBS doch nahmen. Anfangs
    auf unglaublich hohen Niveau, fielen Offerten fast ins bodenlose, so-
    bald der Kunde drohte, bei einem anderen Lieferanten abzuschließen.

    Bei der SBS wurde Shareholder Value auf die Spitze getrieben, denn
    man mußte ja nur genügend Umsatz vorweisen. Dass dabei Milliarden
    Verluste (690 Millionen stehen ja nur für 2005) eingefahren wurden,
    ging natürlich im Gesamtergebnis der Siemens AG unter. Den staatlichen
    Subventionen sei Dank.

    Für mich gehört eine derartige Inkompetenz vor die Börsenaufsicht, aber
    wie immer interessiert das wieder “keine Sau”.

  12. ThSc

    Ob Skandaljournalismus oder nicht. Eines ist klar, zukünftig sollen die Sparten Energie/Umwelt, Automatisierung/Infrastruktur Medizintechnik/Diaknostik die Geschäftsfelder der Siemens AG sein. Aufgrund starker Mitbewerber auf dem Weltmarkt in diesen Sparten bedarf es hier stets neuer Akquisitionen. Diese kosten viel Geld, dieses Geld ist nur mit entsprechenden Margen verdienbar. Diese Margen sind derzeit mit IT nicht erzielbar (aber möglicherweise wieder ein paar Jahren).

  13. Troublemaker

    Von all den Schreibern möchte ich gerne besonders den “SBSler” hervorheben. Tatsächlich sind die Probleme der SBS mutmasslich die zentralen Probleme des Siemens Konzerns, die auf ein schwieriges Branchenumfeld treffen. Der Konzern transformiert sich konsequent zum Händler mit schwächlenden Business Units. Damit zeigt er indirekt, dass er Schwierigkeiten damit hat, diese Business Units “in guten wie in schlechten Zeiten” dem Markt anzupassen. Dieses Problem zu erörtern sollte jedoch Thema eines eigenen Blogs sein.

    Zum SBS-spezifischen Problem und dem ursprünglichen Artikel möchte ich gerne bemerken, dass es sich um nicht mehr als eine Zusammenfassung von altbekannten Tatsachen handelt, und das der Text seiner Überschrift nicht gerecht wird. Momentane Entwicklungen innerhalb der SBS haben das Potential, die hauseigenen Probleme zu lösen. Ob SBS verkauft wird oder nicht, wird danach hauptsächlich Jouranlistenfutter sein.

  14. ebenso

    Ich verstehe die Aufgeregtheit der SBS-Mitarbeiter. Die SBS krankt an der Siemens-Krankheit, wie oben schon beschrieben, verkürzt ausgedrückt es gibt zu viele Häuptlinge und zu wenig Indianer und die Indianer werden auch noch überdurchschnittlich bezahlt, im Vergleich zu den Mitbewerbern. Im Gegenzug machte die SBS die Preise am Markt mit „Billig-Angeboten“ kaputt und wundert sich dann, dass keine Gewinne geschrieben werden. Die Problemfelder sind seit mehreren Jahren bei der Siemens AG, als auch bei der SBS intern bekannt und werden ernsthaft erst seit dem Wechsel der Siemens Vorstandsvorsitzenden angefasst. Ich habe das Empfinden, dass der End-Kunde als störendes Beiwerk zur eigentlichen Arbeit gesehen wurde, da man schon genug mit den SBS-intern generierten Problemen beschäftigt war. Dieser Beitrag ist höcht subjektiv und erhebt keinerlei Anspruch auf Objektivtät.

  15. another_SBSler

    Wenn man erlebt hat, wie oft und teilweise wie radikal bei der SBS die strategische Ausrichtung, das Geschäftsmodell und die Organisation “migriert” wurde, dann kann man heute keine große Verwunderung über den aktuellen Zustand der Company verspüren. Statt sich ums Geschäft zu kümmern und zur Konkurrenz zumindest aufzuschliessen, wurde die SBS als Spielplatz für Manager missbraucht. Aus den Fehlern anderer Player der IT-Branche hat man nicht gelernt, sondern diese teilweise geradezu trotzig kopiert. Nachdem man in flottem Rhythmus das Top-Management “erneuert” hat und damit einhergehend fast immer große und teure Umorganisationen verbunden waren, funktioniert heute ausser der abgehobenen und realitätsfernen Selbstdarstellung in den SBS-eigenen Medien eigentlich gar nichts mehr. Die Mitarbeiter, die mit ihrem KnowHow das eigentliche Kapital der SBS sein sollten, sind auf breiter Front demotiviert und verunsichert. Momentane Entwicklungen innerhalb der SBS, die das Potential haben sollen, die Krise zu meistern (wie von Troublemaker angesprochen), kann ich zu meinem Bedauern nicht erkennen. Heute wird z.B. mit Vehemenz darauf gedrängt - auch wider vorhandener Erfahrung - möglichst viele IT-Themen per Offshoring “wirtschaftlicher” zu machen. In erster Linie wird dabei nur die Nase in die Preislisten aus Indien gesteckt, um guten Gewissens die Entscheidung pro Offshoring zu treffen. Der zu erwartende Qualitätsverlust (hierzu gibt’s bereits ausreichend schlechte Erfahrungen in der IT-Branche), sowie die hohen Transition-Kosten werden billigend hingenommen, weil ja vordergründig die Geschäftszahlen erstmal besser aussehen. Mal sehen, wie lange es diesmal dauert, bis wir begreifen, dass wir wieder mal einen bereits gemachten Fehler kopiert haben. Ob’s die SBS dann noch gibt ?

  16. robby134

    Liebe SBS’ler, was soll den das. Ihr macht Euer Business doch
    schon seit Jahren und habt euch nie um irgendwelche Kalkulationen
    oder Kosten gekümmert. Und jetzt stellt ihr euch hin und tut so,
    als hättet Ihr von nichts gewusst?

    Ihr wollt Euch doch wohl nicht hinstellen und behaupten, es wäre ganz
    normal, Wettbewerber um jeden Preis zu unterbieten, egal wieviel
    Verlust man einfährt. Auch Ihr wisst, dass nicht Marktanteile sonder
    Marge Eure Gehälter bezahlen aber Ihr habt geglaubt, dass Euch mit
    einer subventionierten Siemens im Rücken schon nichts passiert.
    Falsch gedacht.

    Auch wenn einer Siemens die Subventionen hinten und vorne rein-
    gesteckt werden und es Euch vermutlich überrascht. Es gelten für
    euch die gleichen Regeln wie für alle anderen. Und jetzt werdet Ihr
    ebenfalls den gleichen Preis bezahlen. Nur haben bei SBS wirklich
    ALLE mitgeholfen, die Karre in den Dreck zu fahren, währen bei vielen
    anderen Firmen die Mitarbeiter nur die Zeche für das Versagen des
    Management zahlen. Für SBS gilt dies jedenfalls nicht. Ihr habt genau
    gewußt, was Ihr macht, also jammert nicht.

  17. Claas Kleingeist

    SBS Siemens bescheisst Siemens

  18. martin

    So eine lange zusammen arbeit von siemens mit sbs und dan das aus ?
    Ja wen man seine arbeit nicht zufriedenstellend erfüllt muss man sich damit anfreunden das es irgend wann einfach aus ist !!
    und wen sich dan dei konkurrenz noch prechtigt entwickelt und alles besser darstellt und ihre aufgaben besser erledigt ist es ja ganz klar das man irgend wan die schlchten nciht mehr halten kann..

  19. Johanna Ausubel

    Bin fest davon überzeugt das SBS siemens Siemens bescheißt

  20. phillipp kornberg

    Gegründet 1995 und immer noch solche Probleme mit der SBS..
    Trotzallem das sich der Mutterkonzern auch um Siemens Business Services kümmerte blieb alles beim alten..es hat einfach nicht viel gebracht und da sich die Konkurrenz von Accenture über IBM, HP und mit Einschränkungen sogar auch EDS in den vergangenen Jahren gut bis prächtig entwickelt hat,
    wird sich bei der sbs auch in Zukunft nicht mehr viel tun und sie wird in ferne verkauft

    Mutterkonzern an der Siemens Business Services herum. Viel gebracht hat das bisher nicht. Da sich die Konkurrenz von Accenture über IBM, HP und mit Einschränkungen sogar auch EDS in den vergangenen Jahren gut bis prächtig entwickelt hat,

  21. Marina

    @Philipp
    da kann ich dir wirklich nur zustimmen.

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