Microsoft kommt bei “Live” ohne Partner aus
Als Antwort auf die erfolgreichen Internet-Firmen wie Google, die werbefinanzierte Softwaredienste feilbieten, versteht Microsoft das “Live”-Konzept. Dem Anbieter dürften auch genügend Ressourcen und mit den Windows-Nutzern auch ausreichend Kundenpotenzial zur Verfügung stehen, um Live erfolgreich zu machen. Microsoft benötigt für Live allerdings die Partner nicht unbedingt. Welche Rolle sie spielen sollen, hat der Konzern zwar grundsätzlich erläutert (sie können eigene Lösungen auf Basis der Live-Plattform bauen und anbieten, wie sie es bisher mit den MS-Produkten getan haben). Allerdings scheint der Partneransatz eher der Notwenigkeit geschuldet zu sein, die Partner bei der Stange zu halten. Schließlich braucht Microsoft sie noch für das klassische Softwaregeschäft, mit dem der Konzern noch eine Weile den Löwenanteil seines Umsatzes erzielen wird.
Softwaredienste lassen sich sehr einfach direkt mit dem Kunden abwickeln. Dies erinnert an die Anfangszeiten im E-Commerce, als Unternehmen Shops errichteten, die sich direkt an den Kunden wandten, zum Unmut der Händler, die bis dato das Geschäft machten. Manche E-Commerce-aktive Firma, beispielsweise der Buchgrossist Libri, unternahmen große Anstrengungen, um die Händler auch ins Internet-Geschäft einzubinden. Vor einer ähnlichen Aufgabe steht Microsoft, denn auch die Partner fragen sich, wohin die Reise geht.
Allerdings kann ich mir nur schwer vorstellen, welchen Mehrwert Partner bei Softwarediensten liefern könnten und welche Marge ihnen dabei bleibt? Und es stellt sich die Frage, ob die Partner, die heute einen direkten Draht zum Kunden haben, schon reif sind für das anonyme Geschäft mit Software-as-a-Service. Vorstellen kann ich mir von Partnern entwickelte Lösungen, die im Gegensatz zu ihren heutigen Angeboten, die auf Microsoft-Software aufsetzen, auf der Internet-Plattform ablaufen - in etwa vergleichbar mit AppExchange von Salesforce.com. Microsoft wird aber kaum Lust haben, darauf zu warten, bis die Partner sich dazu entschließen, Live ernsthaft für das eigene Geschäft zu nutzen, sondern alles daran setzen, die Live-Plattform attraktiv zu machen.