Computerspiele sind wie Kiffen oder Saufen

Das wollen uns jedenfalls die Brachialpsychologen von “tv Hören und Sehen” weismachen.

Der Familientherapeut Wolfgang Bergmann und der Hirnforscher Dr. Gerald Hüther warnen vor Computersucht als neuer Volkskrankheit. In Deutschland seien bereits 600 000 Jugendliche und Kinder von der Sucht betroffen. “Es wird Zeit, dass wir allmählich aufwachen, sonst sind nicht nur sie, sondern wir alle nicht mehr in der Lage, in der realen Welt zu Hause zu sein “, sagt Wolfgang Bergmann im Gespräch mit der Programmzeitschrift tv Hören und Sehen. Ein besonderes Suchtrisiko gehe dabei von Computerspielen aus. “Sie verschaffen den Spielern grenzenlose Glücks- und Allmachtsgefühle, die auf das Gehirn eine ähnliche Wirkungen haben wie Cannabis oder Alkohol”, so Bergmann.

Am stärksten gefährdet seien Jungen zwischen 14 und 16 Jahren. Als Warnzeichen für eine beginnende Sucht nennt Bergmann einen plötzlichen Leistungsabfall in der Schule und das Spielen bis tief in die Nacht.

Solche Simplifizierungen und dumpfe Panikmache sind wirklich daneben — auch wenn man das Problem nicht verharmlosen sollte. Bitter ist bloß, dass so eine blöde Fernsehzeitschrift zigfach mehr Leser erreicht als jeder Artikel, der sich ernsthaft damit auseinandersetzt…

12 Reaktionen zu “Computerspiele sind wie Kiffen oder Saufen”

  1. Frank

    Na ja, ganz unrecht hat er nicht.
    Ich kenne genug Bekannte die sich schon sehr anstrengen müssen nicht einen Neustart machen zu wollen, wenn mal was schief geht. Von daher kann man sehr wohl behaupten, das PC-Spiele eine Suchtgefahr darstellen.

    Aber wie immer liegt der Hase wo anders begraben. Es sind nicht die Spiele, die Drogen, die Waffen sondern die Menschen, die keinerlei Selbstreflexion besitzen, die mit jenen sich dann in Lagen manövrieren die sie nicht mehr beherrschen.

  2. Goper

    naja dass mit dauer pc spielen… ABLENKUNG ist das wirkliche gesuchte wort nicht sucht. ok man verspürt eine sucht und hört nich auf. aber warum hört man nicht auf nicht weil es süchtig macht sondern weil einen aufgaben/probleme erwarten die man nicht bewältigen will, kann, bla
    -wech-

  3. Kornobis

    TVHUS schafft es sowieso immer äußerst interessante Artikel zu verfassen mit brennenden Themen die eigentlich jeden betreffen. Ich war lange Zeit begeistert von der Themenwahl in dieser Programmzeitschrift, aber mittlerweile denke ich mir nach jedem so scheinbar tollen Artikel: Hä, ne, wars das jetzt? Im Prinzip sehr oberflächliche Berichterstattung, damits halt interessant erscheint.

  4. TruthMaN

    heikles thema für eine tv programmzeitschrift, sorgt doch gerade das medium tv recht ordentlich für eine mindestens ebenso grosse “suchtgemeinde”!

    “je grösser die insel des wissens, umso länger die küste der verzweifelung”

  5. Falco

    Wenn “Die” verallgemeinern können kann ich auch: habe auch bis mitten in die Nacht gezockt, geschadet hat es mir nicht. Also?

  6. wolfgang bergmann

    was für ein quatsch. von panikmache ist in diesem buch nun wirklich nicht die rede, von technologie- odere gar computerfeindlichkeit auch nicht,d as wird mindestens alle zehn seiten einmal deutlich gemacht. wenn du schon eine ernsthafte auseinandersetzung forderst - warum fängst du nicht damit an? einen selbstverständlich vereinfachenden artikel in einer illustrierten zu lesen reicht nicht, da muss man auch schon mal in das buch schauen. von “sucht” kann dann die rede sein, wenn junge, meist intelligente, junge menschen ihre freundschaften verlieren, ihren körper vernachlässigen, in der schule abstürzen - eben weil sie die auseinandersetzung mit dem realen fürchten. steht alles im buch. dafür sind nicht einfach “computerspiele” verantwortlich - steht auch im buch - sondern eine spezifische seelische voraussetzung, die unter den modernen gesellschaftlichen bedingungen immer häufiger auftritt. wird alles begründet. also bitte, erst lesen, dann nörgeln, ok?
    Wolfgang bergmann

  7. Thomas Cloer

    Lieber Herr Bergmann — ich habe keinesfalls Ihr Buch kritisiert, sondern das, was die tv hören und sehen daraus gemacht hat. Ein so komplexes Thema darf man eben nicht simplifizieren. Und falls Sie mir ein Rezensionsexemplar schicken möchten: Meine Adresse steht im Impressum, würde mich freuen.

  8. Alexander Freimark

    Das hamwa gerne: Warnen vor dem “Spielen bis tief in die Nacht”, und sich dann selbst um 01:41 Uhr in Blogs herumtreiben. Meiner Meinung nach benötigt man dafür eine “spezifische seelische voraussetzung, die unter den modernen gesellschaftlichen bedingungen immer häufiger auftritt”.

    Dabei teile ich inzwischen die Einschätzung, dass Spielen süchtig machen kann. Ich selbst habe mal auf einem Sega Mega Drive ein Jahr lang jeden Tag rund um die Uhr das gleiche Spiel gespielt: “Advanced Military Commander”, mit Hex-Grafik und japanischen Menüs. Super-Screenshot vom Beginn der deutschen Kampagne im September ‘39:
    http://www.server2.xgd.com/Screenshots/Sega_Genesis/Advanced_Daisenryaku_(Advanced_Military_Commander)-2.gif
    Was für ein Spiel … Man konnte sogar die Spurweiten der russischen Eisenbahnen mit Pionieren auf deutsches Format umbauen. Zum Glück ist die Konsole schrott. Der AMC-Nachfolger auf der Sega Saturn war übrigens scheiße.

  9. wolfgang bergmann

    witzbold. bis tief in die nacht - naja, es war kurz vor 2 - schreibe ich, weil ich zwei schulpflichtige kinder zu versorgen habe, ich schreibe alle bücher in der nacht, und danach streune ich noch ein wenig herum - so stolperte ich über diese seite. die “spezifischen vortaussetzungen” sind vielleicht kein exzellentes deutsch,d as geb ich ja gern zu, aber ernst nehmen müssen wir sie durchaus - die zahl der depressiven kindr, die zugleich hybride bilder ihres selbst in sich tragen, nimmt zu und das ist überhaupt nicht lustig - ich sehe sie jeden tag in meiner praxis. lieber thomas cloer, schicken Sie mir Ihre adresse, ich lasse Ihnen gern ein rez.es. zukommen wolfgang bergmann

  10. max.b.

    Ich habe gestern Gerald Hüther in WDR 5 gehört (Neugier genügt um 11.05 Uhr). Er ist mit Wolfgang Bergmann Autor des Buches “Computersüchtig”. Ich würde mir das Buch wegen des Titels nicht kaufen. Die Art wie Hüther in dem Gespräch argumentiert, füllt aber endlich eine Lücke. Nach dem Radio-Gespräch habe ich den Eindruck, dass die Autoren die Leerstellen endlich auffüllen in einer Diskussion, die ja sonst vom “Experten” Pfeiffer in den Medien bestimmt wird: physiologische Prozesse beim Spielen, das sich selbst Verlieren beim Spiel usw.
    Ich werde mir das Buch kaufen, Herr Bergmann. Wenn es auch pfeifferig ist, schreibe ich eine Rezension ;-)
    Anruf genügt gibt es hier http://www.wdr5.de/index.phtml?beitrag=821183

  11. heyseas

    also ich finde ja das das so ist und irklich das kann man nit bestreiten.
    ausserdem bin ich gegen alles was jeder hasst

  12. Bongi

    Habe den Blogbeitrag, auch wenn er schon älter ist ^^ durch Zufall gefunden, daß üble daran ist meiner Meinung nach, daß gleich mehrere Sachen, wie Cannabis, Computerspiele und Alkohol einfach in einen Topf geworfen werden, kräftig umgerührt werden und dann der Öffentlichkeit vorgesetzt werden.

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