IFA oder CeBIT? Das ist nicht die Frage!
Stephen DiFranco, Vice President von AMD, hat auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin (IFA) gefordert, die Berliner Messe müsse sich als Unterhaltungsveranstaltung etablieren, die CeBIT in Hannover hingegen ihren Anstrich als IT-Messe für Unternehmensanwender erneuern. Der Vorstandschef von Samsung Digital Media Business, Gee Sung Choi, kritisierte gar, die CeBIT komme mit ihrer Ausrichtung auf den gesättigten Markt der Informationstechnik unter Druck. Die IFA hingegen sei mit ihrem Fokus auf Unterhaltungselektronik besser positioniert. Das kann man auch ganz anders sehen.
Dass der Samsung-Manager sich solchermaßen äußert, muss einen nicht wundern. Das Unternehmen ist zwar auch in der IT-Branche unterwegs. Hausintern sind aber die Mitarbeiter aus der Fernseh- und Unterhaltungsbranche die Könige. Der PC-Verkauf ist da eher Beiwerk. Kein Wunder also, dass Choi auf die Karte Entertainment setzt und dementsprechend die IFA favorisiert.
Die Liste der IFA-Aussteller belegt denn auch deutlich die Ausrichtung der Berliner Ausstellung – und ganz nebenbei, dass trotz allen Konvergenzgeschwurbels die Diskussion um eine angebliche Konkurrenzveranstaltung zur CeBIT an den Haaren herbeigezogen ist.
Unterhaltung, wohin das Auge blickt. Altec Lansing, AKG Acoustics, Lautsprecher Teufel, KEF Audio, Harman Kardon - was in der Hifi-Szene Rang und Namen hat, tummelte sich in Berlin neben den Anbietern von Flachbildschirm-TVs.
Typische Vertreter aus der IT-Szene waren eher die Ausnahme: AMD, Acer, Fujitsu-Siemens, Intel, Medion, Microsoft auf Partnerständen, Toshiba, Dell, Infineon Technologies – das war’s schon.
Das Konzept der IFA ist also ausgewogen. Heißt das deswegen, dass Gee Sung Choi mit seiner Kritik an der CeBIT Recht hat?
Eindeutig nein. Natürlich sind frühere Versuche der Hannoveraner Messeverantwortlichen, am Boom des Unterhaltungszweigs der IT-Industrie zu partizipieren, erscheinen durchsichtig und fehlgeleitet. Die bemühten Argumente, man könne sich der Konvergenztendenzen zwischen Entertainment und IT nicht widersetzen, waren und sind aufgesetzt.
Interessiert es einen IT-Verantwortlichen wirklich, ob man mit einem Handy fotografieren, Radio hören, Video-Sequenzen aufnehmen und Fernsehen kann? Und wie wichtig ist es für einen CIO, ob ein Coach-Potato am PC Fernsehen oder am TV im Internet surfen kann?
Einen IT-Profi interessieren andere Dinge. Fragen nämlich, die seinen Berufsalltag dominieren. IT-Verantwortliche möchten wissen, auf welche Dokumenten- und Content-Management-Systeme sie bauen sollen. Welche Potenziale Lösungen im Information-Lifecycle-Management haben. Welche Ausprägungen der Business-Intelligence für ihr Unternehmen interessant sein könnten. Was es mit dem kryptischen Thema Enterprise Service Bus auf sich hat. Oder wie es etwa mit den Produkten des Gemischtwarenladens Infor Gobal Solutions und dessen Angebotsportfolio aus Produkten von Brain, Varial und der ehemaligen Infor AG selbst aussieht – und, und, und.
Wer zu diesen und vielen anderen Fragen der IT-Branche Antworten will, der wird fraglos zur CeBIT gehen oder zur Systems mit deren im charmanten Lokalkolorit gehaltenen Business-Anstrich. Und nicht zur IFA.
Am 25. September 2006 um 11:42 Uhr
Das Problem der CeBIT ruht eher darin, dass einige relevante Teile der IT wie z.B. Content Management, Bolgs & Wikis, Development Systems etc. heute im Bereich Open Sorce angesiedelt sind oder aber komplett über Web vermarktet werden und somit nicht mehr direkt auf Messen präsent oder ausreichend präsent sind. Damit verliert die “All in One” - Messe CeBIT Ihren alles umfassenden Charakter, da man eben nicht mehr den vollen Überblick über die IT-Welt erhält. Die Gefahr ist also, dass alles (oder zumindest wichtige Teile) Neue und Innovative über andere Kanäle informiert und vermarktet wird. Die CeBIT könnte daher zur Messe der althergebachten Software werden.