ITK fällt als Wachstumsmotor aus

Die schleppenden Geschäfte mit Hardware und die zurückgehenden Umsätze im Bereich der Festnetztelefonie tragen die Schuld daran, dass der Bitkom seine Wachstumserwartungen für 2006 und 2007 reduzieren musste. Rechnete der Verband im März noch mit ITK-Einnahmen von 137,4 Milliarden Euro, plant die Branche jetzt für 2006 nur noch mit 136,3 Milliaden Euro. Nur die erstmalige Einbeziehung der Umsätze mit Consumer Electronics rettete die Wachstumsdynamik von 2,5 Prozent. Ohne die 10,1 Milliarden aus diesem Geschäft würde das Wachstums der ITK-Branche nicht über dem des Bruttoinlandsprodukts von 1,6 Prozent liegen. Deshalb kann die ITK-Branche nicht mehr vom Bitkom zum Motor der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland stilisiert werden. Es ist eine ganz normale Branche geworden.

Ohne die Consumer Elektronik schwächt sich das Wachstum im nächsten Jahr weiter ab.
Statt wie im März noch um zwei Prozent wächst der klassische ITK-Markt 2007 nur noch um 1,4 Prozent auf 138,2 Millarden Eu-ro. Die Ursache für diese Entwicklung liegt wie gesagt in den sinkenden Umsätzen mit Hardware (1,7 Prozent weniger als 2005) und mit der Festnetztelefonie. Hier sind es sogar 4,5 Prozent weniger. Da das Wachstum des Mobilfunkbereichs dank des rapiden Preisverfalls nur noch zwei Prozent beträgt, kann dieses Segment dem schwächelnden TK-Markt auch nicht mehr richtig auf die Beine helfen. Einzig die Datendienste im Festnetz liefern mit einem Plus von 8,8 Prozent und einem Volumen von 11,6 Milliarden ein erfreuliches Ergebnis im TK-Segment. Da dieses Geschäft Breitbandanschlüsse voraussetzt, ist der weitere Anstieg der Anschlüsse von enormer Bedeutung. Die-ser Hintergrund macht außerdem noch einmal sehr deutlich, wieso der Telekom ihr Tripple-Play-Angebot über Highspeed-DSL so überaus wichtig ist. Nur damit besteht die Chance, die Einbrüche im Festnetz annähernd auszugleichen.
Bei der Hardware ist der Preisverfall für das Umsatzminus von 1,7 Prozent verantwortlich. Die immer kürzeren Produktzyklen verhin-dern, dass Anbieter über längere Zeiträume hinweg für Innovationen zur Kasse bitten können. Ebenfalls ungünstig auf die Umsätze wirkt sich der Trend zur Billig-Hardware in den Unternehmen aus. In immer mehr Bereichen setzen IT-Manager PC-Server ein. Teure Unix-Rechner oder Mainframes werden nur noch für besondere Aufgaben genutzt.

Aufgrund dieser Entwicklungen bleibt der ITK-Markt ein Käufermarkt. Der informierte Kunde kann Anbieter im Hardware- und TK-Bereich leichter zu Zugeständnissen bewegen als zu Boom-Zeiten.

Allerdings verstärkt sich mit dem schwachen Wachstum die Konsolidierung des Gesamtmarktes. Hardware-Anbieter versuchen, noch intensiver als bisher, ihre Softwaregeschäft zu stärken, ganz so wie IBM und HP das zurzeit vormachen. Doch wohin entwickeln sich eigentlich die TK-Anbieter? Antworten auf diese zur Zeit spannendste Branchenfrage nimmt jeder TK-Player sicher gegen Zahlung eines königlichen Beraterhonorars entgegen.

Einen Kommentar schreiben


Close
Powered by ShareThis