Dänen lügen nicht

Klaus Holse Andersen, Microsoft, (c) Thomas Cloer

Das ist Klaus Holse Andersen, zurzeit Deutschlandchef von Microsoft. Leider nur übergangsweise. Ein wirklich sympathischer, ehrlicher und — im Vergleich zu seinem Vorgänger Jürgen Gallmann — erfrischend unprätentiöser Manager.

Das durfte ich auf der Microsoft Informationsveranstaltung (MIV) 2006 feststellen, von der ich vorhin heimgekehrt bin. Kleine Orientierungsfahrt nach Ösiland im Fiat Grande Punto mit “Blue & Me” (einer gemeinsam mit Microsoft entwickelten Bluetooth-Freisprechanlage) und papiernem Roadbook statt der geplanten, aber nicht funktionierenden Navigationssoftware. Bei den meisten Teams war nämlich entweder gar kein Ziel einprogrammiert oder ein falsches. Macht nix, wir sind auch so angekommen.

Der dänische Interims-GM — Holse Andersen kommt aus der ERP-Ecke von Microsoft und hatte davor auch schon ein Dutzend Jahr bei Oracle auf dem nur sprichwörtlichen Buckel — präsentierte in erfrischend kompakter Form Microsofts aktuelle Situation und mittelfristige Aufstellung. Für mich die wichtigste Aussage: Microsoft wird künftig nicht mehr alle Innovationen erst einmal integrieren, bevor es sie auf den Markt bringt — speziell Windows Vista beweist, dass ein solcher Ansatz angesichts von Konkurrenten wie Google nicht mehr zeitgemäß ist und viel zu lange dauert.

Stattdessen wird Microsoft neue Entwicklungen künftig zeitnah zur Verfügung stellen erst danach integrieren (sofern sich das als sinnvoll erweist). Ein Beispiel dafür gab Frank Fischer, der wohl begnadetste Erklärer komplexer Technik in der hiesigen Niederlassung, mit einer Demo der in den Live Labs entwickelten Software “Photosynth”, die taufrisch kompiliert war. Leider hatten die US-Kollegen es nicht mehr rechtzeitig geschafft, dafür eigens geschossene Bilder vom Münchner Marienplatz zu berechnen.

Photosynth analysiert eine Sammlung von Bildern aus einer Digitalkamera, die an einem bestimmten Ort aufgenommen wurden, auf ihren räumlichen Zusammenhang zueinander, und stellt sie anschhließend in einem rekonstruierten 3D-Raum dar (die verwendeten Algorithmen basieren derzeit noch vornehmlich auf der guten alten Trigangulation). Ein Video sagt dazu allerdings mehr als tausend Worte. Die Software soll in absehbarer Zeit als kostenloser Download erscheinen — vorher soll allerdings die Berechnung noch mit neuen Verfahren von MS Research beschleunigt werden.

Kurzes Fazit meinerseits: “Evil Empire” hin oder her — es tut sich was in Redmond. Und auch in Unterschleißheim.

Eine Reaktion zu “Dänen lügen nicht”

  1. Volker Weber

    Ich fand Gallmann immer sehr unprätentiös. Kann daran liegen, dass ich ihn schon länger kenne.

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