Technik als Modeartikel

Neulich habe ich einem Vortrag von Steve Prentice gehört. Der ist Chief of Research bei Gartner. Seine Thesen hatten wenig mit Technik zu tun, sondern mit Menschen. Mit “The people problem” beschreibt er den Umstand, dass die künftigen Anwender in den Unternehmen IT wie einen Modeartikel begreifen. Diese “Digital Natives” wüchsen mit MP3-Playern, Handys und PDAs auf und nutzten sie wie einen Gebrauchsgegenstand, ohne sich Gedanken über die Funktionsweise zu machen. Die so geprägten Teenager von heute würden später am Arbeitsplatz ebenfalls ganz selbstverständlich mit IT umgehen. Gleichzeitig würden sie auch im geschäftlichen Umfeld nicht akzeptieren, wenn ein Gerät ausfällt oder eine Software nicht verfügbar ist. Sie erwarteten, auch im Unternehmensnetz Informationen so schnell zu finden, wie sie es von Internet-Suchmaschinen gewohnt sind. Zudem würde dann nicht mehr der Betrieb IT-Lösungen wie Notebooks bereitstellen, sondern die Anwender brächten ihre eigenen Geräte mit, weil ihr mobiler PC cooler ist als das schnöde Gerät, welches die IT als Standard definiert hat. Aus diesem Grund, so Prentice, bliebe den Unternehmen nichts anderes übrig, als ihre IT-Infrastrukturen so zu gestalten, dass die Notebooks, PDAs und Smartphones der Digital Natives Anschluss finden.

Nette Vorstellungen sind das schon. Ob aber beispielsweise Banken oder Behörden es zulassen, dass ihre Mitarbeiter ihre eigenen Gerätschaften ans Firmennetz anstöpseln, wage ich zu bezweifeln. Firmen versuchen ja, möglichst standardisierte IT-Umgebungen zu schaffen: Eine Hardware, ein Betriebssystem und möglichst viel Standard-Software. Aber vielleicht bin ich nur zuwenig Digital Native, um daran zu glauben.

10 Reaktionen zu “Technik als Modeartikel”

  1. Philipp

    Füe diese Natives bietet Sony z.B. für den Viao-Laptop in Kooperation mit dem Taschen-Hersteller Mandarina Duck an: http://www.sony-europe.com/view/View.action?section=en_EU_Press&pressrelease=1159199085443&site=odw_en_EU&page=PressReleaseDetail

    Auch dort scheint man das Thema IT + Mode also begriffen zu haben, vor allem, um die potentielle weibliche Kundschaft anzusprechen.

  2. Digital Natives im Unternehmen » Kopfaquarium.de

    […] Das CW Notizbuch schreibt, dass die junge Generation und zukünftigen Arbeiter im Unternehmen immer mehr mit technischen Artikel wie MP3-Playern, Handys und PDAs aufwachsen und so IT als eine Art Modeartikel ansehen. Steve Prentience, Chief of Research bei Gartner, hat in einem Vortrag sogar gesagt, dass die neuen Arbeiter in Zukunft ihre eigenen Geräte mit in den Betrieb bringen und dort selbstverständlich nutzen. Von daher bleibe den Betrieben nichts anderes übrig, die Strukturen so zu ändern, dass die Geräte der “Digital Natives” in ihrem Unternehmen auch einen Anschluss finden. […]

  3. Thomas Cloer

    Andere sagen statt “Digital Natives” übrigens “Millennials”. Ich bin schon auch sicher, dass sich Arbeitgeber — und deren IT-Abteilungen — an diese neue Generation anpassen müssen, die ganz anders und viel selbstverständlicher mit IT umgeht.

    Allerdings muss man sie dazu erst einmal überhaupt in die Unternehmen hineinholen und nicht als “Generation Praktikum” aus dem ersten Arbeitsmarkt aussperren.

  4. J.H.Klein

    Was für einen Unsinn. “Von daher bleibe den Betrieben nichts anderes übrig, die Strukturen so zu ändern, dass die Geräte der “Digital Natives” in ihrem Unternehmen auch einen Anschluss finden.” Warum ??

    Bringen VW-Mitarbeiter ihre eigenen Werkzeuge mit weil sie diese schöner finden ? Nein. Kann sich der Handwerker seinen Werkstattwagen selber aussuchen . Nein. Und das darf auch garnicht sein. Es ist von Betrieblicherseite gar keinen Grund auf so etwas zu reflektieren. Gerade aus Sicherheits und strukturellen Gründen ist das auch in Zukunft abzulehnen.
    Man muß nicht alles technisch Machbare einführen nur weil es möglich ist, sondern das was effektiv nötig ist.
    Es ist eben genau das. Die Jugend wächst zwar mit IT auf. Ist aber anderer seits auf völlig kritiklos im Umgang damit. Das zeigt sich gerade sehr oft im Surf-Verhalten der heutigen Jugend.

  5. firefox

    Was Gartner hier “orakelt” ist doch in vielen Firmen schon täglich zu beobachten. Grosse Banken, Hersteller oder Medienhäuser beschäftigen Heerscharen von s.g. “Freien” Mitarbeitern. Mitarbeiter die eine Ein-Mann-Firma haben und seit Jahren bei einem “Kunden” unterwegs sind. Diese Mitarbeiter machen in vielen Unternehmen schon mehr als die Hälfte der IT / Projekt Mitarbeiter aus. Sie bringen ihren eigenen Arbeitsplatz (Notebook) und ihre eigenen Infrastruktur (e-mail, Handy etc.) mit. Diese müssen damit dann auch irgendwie im Bankhaus arbeiten können… Somit seheh ich dieses nicht als Zukunft, sondern als Status Quo. Wielleich darf man noch fragen, wann ALLE Mitarbeiter “Freie” Mitarbeiter sind die so arbeiten werden.

  6. Eleonore Körner, HP

    Technik als Modeartikel - das kann man sich im Unternehmensumfeld zugegebenermaßen im Moment nicht so recht vorstellen. Aber vielleicht fangen wir klein an - mit Accessoires. Denn dabei muss man nicht gleich an die gesamte IT-Umgebung, an Industriestandards oder Sicherheit denken. Modisch sind Accessoires ja schon per Definition. Und mittlerweile gibt es auch Gadgets - die Accessoires der Technik-Welt - mit hohem *muss ich haben”-Faktor, die gleichzeitig äußerst sinnvoll und nützlich sind. Die HP Bluetooth PC-Card Maus zum Beispiel. Sie ist so groß wie eine Kreditkarte, wiegt nur 41 Gramm, passt in den PC-Card-Slot eines Notebooks und “bewegt” sich bis zu zehn Stunden. Man hat sie immer dabei und muss sie nicht lange suchen, denn sie ist gut verstaut. Schauen Sie doch einfach mal vorbei unter http://www.hp.com/de/pcmouse.

  7. Alexander Freimark, CW

    Irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass im Beitrag von Frau Körner ein werblicher Tenor mitschwingt … Wahrscheinlich hat sie einfach unterstellt, um 18:50 Uhr sind keine Redakteure mehr im Büro.

  8. JayJay

    So weit weg in der Zukunft ist das nicht mehr hin, in vielen Firmen ist so etwas bereits gängige Praxis. Die ganzen externen Mitarbeiter bringen ‘ihre’ Notebooks, Handys usw mit. Und die von mittleren und höheren Management eingesetzten ‘Manager-Tamagotchies’, die Blackberry’s, PDA’s und High-End-Handys, werden oft mehr als Prestige-Objekt angeschafft, und dann ganz sicher nicht unter dem Gesichtspunkt ‘das was alle haben’ sondern ‘das was sonst keiner hat’

  9. Eleonore Körner, HP

    Der “werbliche Tenor” ist meine persönliche Begeisterung für diese Maus!
    Ansonsten sehe ich mich als professionelle PR-Frau und kenne und respektiere die Grenzen zwischen Werbung und PR

  10. Notizbuch » Sammlung || Kalendergeschichten (Brecht)

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