Die Zukunft der Zukunft

Hubert Burda hat von heute bis Dienstag das halbe Web 2.0 und jede Menge sonstige Digerati nach München eingeladen — und alle, alle sind gekommen.
Zur Eröffnung diskutierten Caterina Fake (flickr, Yahoo!), Niklas Zennström (Kazaa, Skype, Joost) und Thierry Antinori (Lufthansa) zusammen mit Moderator David Kirkpatrick, Technikredakteur bei “Fortune”, das Thema “The future of the future” — leider reichlich konfus.

Zennström findet “The platform is in place” (Breitband und flächendeckender Netzzugang) und ebnet damit mehr revolutionären Internet-Firmen den Weg.
Fake mag den Slogan “Jeder Firma wird zur Internet-Firma” nicht — es sage ja auch kein Unternehmen mehr “Wir haben jetzt Telefon”; das Netz sei mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Der Trend aus ihrer Sicht: “Das Web 2.0 ist ein ‘Rückschritt’ in die Früh- und sogar Vorzeit des Internet. Es ermöglicht neue Wege der Kommunikation und Interaktion.”
Antinori beklagte die Abschaltung des Flugzeug-Internet-Dienstes Connexion by Boeing. Es sei ärgerlich, dass der Dienstleister das Produkt falsch konzipiert und kalkuliert habe. Lufthansa arbeite bereits an einer neuen, alternativen Lösung. Vom Internet profitiere seine Airline unter anderem durch “Whisper-Marketing”, bei dem Kunden mit Kunden interagierten.
Zennström verwies hierzu darauf, dass das Internet den Erfolg von Fluglinien wie Ryanair und EasyJet üeberhaupt erst ermöglicht habe. Ohne das Netz hätten diese Firmen nie ihre neuen Preis- und Kundegewinnungsmodelle umsetzen können.
David Kirkpatrick stellte fest, dass sich das Innovationstempo in letzter Zeit erhöht — Zennströms neue Firma Joost zum Beispiel habe für ihre Software zu großen Teilen auf bereits vorhandene Open-Source-Komponenten zurückgegriffen und damit die Entwicklung erheblich beschleunigt.
Fake ergänzte, auch die Vereinheitlichung von Benutzeroberflächen und User Interfaces ermögliche schnelleres Development neuer Sites und Services. “The human practices have evolved.”
Außerdem sei das Web nicht länger mehr an Browser und PC gebunden. Die Informationen würden in kleine Stücke “zerbrochen”, die man auch auf einer Vielzahl kleinerer und mobiler Geräte nutzen und abrufen könne. Durch die Mobiliät komme außerdem die ortsbezogene Komponente zu den Informationen hinzu und erweitere sie um eine völlig neue Dimension.
Auch Antinori sieht in mobilen Endgeräten großes Potenzial. Er könne sich gut vorstellen, dass man zukünftig von seinem PDA durch einen Flughafen gelotst werde und sich nicht länger mit einem traditionellen Boarding-Verfahren herumschlagen müsse. Interessant seien mobile Geräte auch für die mediznische Betreuung von Fluggästen, die Daten mit Ärzten oder Krankenhäusern austauschen könnten.
Zennström wechselte mit dem Hinweis das Thema, heutzutage müsse eine Firma nicht mehr groß sein, um eine große (Markt-)Wirkung zu erzielen. Fake ergänzte, auch die Blogosphäre und deren “Mundpropaganda” sei ein wichtiger Faktor für den Erfolg neuer Internet-Firmen.
Moderator Kirkpatrick wollte dann wissen, ob die Vielzahl aktueller digitaler Entwicklungen auch die “Offline-Welt” beeinflusse. Fake und Zennström bejahten das für flickr und Skype (dachten dabei aber offenbar nicht daran, dass es auch große Teile der Welt gibt, in denen nicht jeder ohne Weiteres Zugang zum Netz hat).