Vernetzen wir uns

Arend Oetker durfte das Panel zum Thema “The Link Society” eröffnen. “The screen is my face. I still believe more in the tangible assets than in the intangible ones”, sagte der “Old-Economy”-Manager, der sich beim Rest der Runde mit Internet-Kommunikatoren konfrontiert sah — Lars Hinrichs (OpenBC, neuerdings XING), Matt Cohler (FaceBook) und Eric Wachtmeister (A Small World). Da ist Oetker beim DLD definitiv genau richtig — schließlich versucht dieser Kongress auch, das allseits beschworene und oft nur virtuelle Social Networking wieder auf eine persönliche Ebene zu hieven.

Auch Wachtmeister hält es für ein zentrales Merkmal seiner Community, dass sich deren Mitglieder auch im wirklichen Leben kennen. Sein Social Network setzt auf Authentizität und Vertrauen und bestraft dabei auch rigoros Verstöße dagegen — mit einem Rausschmiss nämlich.
Bei FaceBook geht es dagegen legerer zu. Cohler setzt bei FaceBook auf Selbstregulierung. Fake-Profile machten wenig Sinn und würde daher auch nur selten angelegt bei FaceBook.
XING-Chef Hinrichs findet, dass er mit seiner Company echten Mehrwert für deren Nutzer schafft. Der Beweis dafür sei der erfolgreiche Börsengang von XING, das Menschen dabei helfe, ihr (professionelles) Beziehungsgeflecht mit den Mitteln moderner Technik auszuweiten.
Dafür beklagte der Hamburger (XING ist bereits seine dritte Firma; die erste gibt es noch, die zweite ging bankrott), dass Entrepreurship in Europa immer noch nicht “cool” genug sei. Es mangele, so Hinrichs, an der gebührenden Bewunderung für Gründer, wie sie die Amerikaner Selfmade-Men wie Donald Trump entgegenbrächten.
Dr. Oetker konnte dem nur zustimmen. Die Deutschen seien halt eher risikoscheu, was sich auch negativ auf die Wagniskapital-Aktivitäten hierzulande auswirke.
Moderator Oliver Samwer stellte die Frage nach dem Geschäftsmodell beim Social Networking. Wachtmeister nannte hier zum einen Abonnements, zum anderen aber auch Online-Werbung, die natürlich speziell bei fokussierten Zielgruppen interessant sei. Cohler sieht als Erweiterung dessen überall dort Umsatzchancen, wo eine Site Interessen unterschiedlicher Gruppen miteinander zur Deckung bringen kann. Auch Hinrichs setzt auf zahlende Abonnenten. Mehr davon gewinnen will er, indem seine Firma ein offenes Ohr für die Bedürfnisse ihrer Nutzer hat und darauf basierend neue Mehrwertdienste entwickelt.
P.S: Dazu passt eigentlich auch noch ganz gut eine Lotusphere-Meldung aus dem “Wall Street Journal”:
International Business Machines Corp. plans to sell social-networking software that works like Web sites such as Facebook but is safe enough for corporate use.
At a meeting of its Lotus software customers today, IBM expects to unveil a suite of software products called Lotus Connections that includes software for posting personal profiles, Web logs, or blogs, and lists of Web bookmarks and will allow for creating online communities and online work collaboration.