Darwin Ellison

Mit Hyperion kauft Oracle innerhalb von drei Jahren das 30. Unternehmen. Böse Zungen behaupten, es sei fast gleichgültig, welche Software diese Unternehmen anbieten, solange ihre Übernahme Oracle im Konkurrenzkampf mit SAP voranbringt. Wer Oracle-Chef Larry Ellison kennt, weiß, wie stark ihn Wettbewerb motiviert. Sein Motto lautet: Gewinnen. Allerdings nicht um jeden Preis. Sein Konzept, im Applikationsgeschäft durch Zukäufe mög-lichst schnell zu wachsen, stellt praktisch das Gegenteil der SAP-Strategie dar, die in erster Linie aus eigener Kraft versucht, ihren Kundenkreis zu erweitern. Während Oracle Produkte und Marktanteile in großem Stil kauft, ersteht SAP allenfalls kleine Companies, die technische Lücken im Portfolio der Walldorfer schließen.
Welcher Weg schließlich zu mehr Erfolg führt, ist schwer voraussagen. Durch Zukauf großer Einheiten lässt sich Größe sicher schneller erreichen als durch organisches Wachstum. Allerdings kann dieses Vorgehen durch die Notwendigkeit zur Integration der Produkte und der übernommenen Organisation in das bestehende Portfolio stark gebremst werden. Die “Organiker” dagegen bewegen sich am Anfang sicher langsamer, da sie aber das Integrationsproblem nicht haben, holen sie später auf.

Lässt man jedoch die Zeit für die Produktintegrationszeit unberücksichtigt, käme Oracle sicher schneller voran als Konkurrent SAP. Auf die organisatorische Einbindung kann natürlich nicht verzichtet werden, aber dafür scheinen die Datenbanker ein Rezept gefunden zu haben. Jedenfalls haben weder die Übernahmen von Siebel oder Peoplesoft die verbleibenden Mitarbeiter großartig erschüttert.

Bleibt also zu fragen, ob Oracle wirklich auf eine tiefe Integration verzichten kann und was ein solcher Verzicht für den Anwender bedeutet. Bei Peoplesoft und Co. hat das Unternehmen den Integrationsgedanken bereits aufgegeben und setzt offenbar auf eine “natürliche” Auslese. Was nachgefragt wird, entwickelt Oracle weiter, den Rest pflegt der Konzern und bindet ihn, falls nötig über den Middleware-Backbone an. Dieser Produktdarwinismus kommt auch im Fall Hyperion zum Tragen. Die Vorteile der Kunden- und Portfolioerweiterung überwiegen aus Oracle-Sicht ganz deutlich die Nachteile der Überlappungen. Mit Hyperion ist Oracle plötzlich wer im BI-Markt und lässt zumindest in diesem Bereich SAP weit hinter sich. Der Softwareriese überlässt es auch hier der Nachfrage, welche Produkte des Portfolios sich durchsetzen.

Für den Anwender bedeutet diese Kaufstrategie, die in der Branche Schule macht, vor allem eins: Möglichst unabhängig zu bleiben von einzelnen Herstellern. Eine eigene Architektur, ein eigener Bebauunngsplan und das Einhalten von Standards wappnet zwar nicht gegen Überraschungen durch Herstellerüber-nahmen, aber man kann sie handhaben. Wer dagegen IT-Komplexität reduzieren will, in dem er auf einen Hersteller setzt, spielt ein gefährliches Spiel. Das zumindest lehrt uns Oracle.

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