Gehalt ist ein Hygienefaktor…
… und niemand geht gern mit schmutzigen Händen ins Büro. Das angemessene Entgelt ist eine wichtige Grundvoraussetzung für die Zufriedenheit im Job, die Loyalität mit dem Unternehmen und eine hohe Leistungsbereitschaft. 2006 verdienten die Fach- und Führungskräfte in der IT rund 2,5 Prozent mehr. Nicht gerade viel. Die notorisch niedrigen Zinsen auf Festgeldsparbücher und inzwischen sogar das deutsche Wirtschaftswachstum liegen höher.
Vergleicht man die 2,5 Prozent Zuwachs im vergangenen Jahr mit den aktuellen Tarifforderungen der IG-Metall (6,5 Prozent), könnte man nur zu dem Schluss kommen, dass die IT eine ganz normale, ja eher eine unterdurchschnittliche Branche geworden ist, in der mehr schlecht als recht verdient wird. Was für den Anstieg des nominalen Jahressalärs stimmen mag, trifft auf die Gehaltshöhe nicht zu. In der IT wird immer noch sehr ordentlich verdient, aber sie muss den vergangenen schweren Jahren Tribut zollen. Die Wachstumskurven verliefen eher flach. Der Trend zu Globalisierung und der Hype um Offshore-Outsourcing trugen ebenfalls dazu bei, dass die Gehaltsforderungen der IT-Mitarbeiter nicht ins Kraut schossen.
Doch langsam schwingt das Pendel wieder in Richtung Arbeitnehmer. Es fehlen laut Branchenverband Bitkom wieder mehr als 10 000 qualifizierte Fachkräfte in der IT, und der für 2007 prognostizierte Zuwachs in der Branche kann sich mit 3,5 durchaus wieder sehen lassen.
Aber die IT ist auch eine Branche im Umbruch. Durch ihren hohen Globalisierungsgrad stehen nicht nur die Unternehmen im weltweiten Wettbewerb, sondern auch die Mitarbeiter. Und zwar im doppelten Sinn: Ihre Gehaltskosten werden mit den Löhnen in Polen, Tschechien, Ungarn oder Indien verglichen und gegen die Honorare von Freiberuflern in Deutschland aufgewogen. Diese Transparenz wird die Gehaltszuwächse in der IT auch im kommenden Jahr sehr moderat halten. Das gilt in jedem Fall für die Grundgehälter. Größer werden dagegen schon seit einigen Jahren die variablen Gehaltsbestandteile. Schon heute beläuft sich ihr Anteil am Gesamtgehalt eines ITlers auf zehn bis 20 Prozent. Tendenz steigend! Auf diese Weise tragen auch die fest angestellten Mitarbeiter in der IT das Konjunkturrisiko stärker mit. Das heißt für sie im umgekehrten Fall - bei ansteigendem Wachstum –, hart zu verhandeln, damit man auch von den besseren Zeiten ordentlich profitiert. In diesem Sinne: Immer schön sauber bleiben.
Am 26. März 2007 um 14:05 Uhr
Wenn Gehalt wirklich ein Hygienefaktor ist, dann ist Deutschland wohl mit eines der unhygienischsten Länder Europas. Beispiel Dumpinglöhne. Laut Politik sollte es Mindestlohn von 1100 Euro Brutto schon sein. Ich lach mich wech. Egal was man gelernt oder nicht gelernt hat. Ob Informatiker oder Hilfsarbeiter. 1100 Euro Brutto als Single bei Steuerklasse 1 ist ein Brüllwitz. Nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungen bleiben da ca. 840 Euro Netto. Nachzurechnen ist das hier -> http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,223811,00.html
Nach Abzug von Miete, Strom, Heizung und Versicherung bleiben da keine Möglichkeiten mehr um noch große Sprünge machen zu können. Und wehe dem, der noch Untehalt zahlen muss. Im Gegensatz zu den Informatikern oder sonstigen Studierten haben Menschen mit ‘einfacheren’ Berufen oder niedrigerem Bildungsniveau keine Chance zum “hart verhandeln”. So ist es kein Wunder, dass Deutschland unter angeblichen ‘Sozialschmarotzern’ leidet. Die haben halt auch kein Bock mit ’schmutzigen Händen’ zur Arbeit zu gehen. Unsere Politik sorgt dafür, dass Deutschland langsam verdreckt.
Am 7. Juni 2007 um 11:26 Uhr
So unsauber ist Deutschland gar nicht. Schließlich liegen ja die aktuellen Gehälter von IT-Experten deutlich über dem Mindestlohn von 1100 Euro. Laut Internet-Gehaltsdatenbank von Neumann International (www.neumann-compensation.com) liegen die Gehälter von 30-jährigen IT-Consultants in mittelständischen Unternehmen in einem Bereich zwischen 50.000 und 60.000 Euro brutto pro Jahr.
Neumann International hat auch untersucht, welchen Stellenwert das Gehalt für die Karriereentscheidung der Mitarbeiter hat. Das Ergebnis in Kürze: Gehalt ist immer ein Thema, aber selten Thema Nr. 1. Nachzulesen unter http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=061228003