Reden ist gold
Es klingt wie eine Binsenweisheit, was das “Wall Street Journal” heute in dem Beitrag “Employees want the ‘why’ behind companys decisions” schreibt: Unternehmensentscheidungen lassen sich nur dann reibungslos durchsetzen, wenn die Mitarbeiter im Detail informiert und im Boot sind. Der Artikel macht mit dem Beispiel der Foremost Farms USA auf, wo eine Gruppe von Mitarbeitern im Jahr 2004 neue Anweisungen zur Käseproduktion erhielt. Jeder Käseklops sollte fortan exakt 290 Kilogramm wiegen, hieß es. Nähere Erklärungen gab es nicht. Vorher war ein Spielraum von plus-minus 14 bis 18 Kilogramm möglich. Solange die Produktion kontrolliert wurde, lief alles nach Plan. Als dann die Kontrollen nachließen, taten die Mitarbeiter das, was sie immer getan hatten: den Käse so schnell produzieren wie möglich und das Gewicht pi mal Daumen abschätzen.
Der Artikel zitiert nun einige Wissenschaftler und Experten, die alle dasselbe empfehlen: den Mitarbeitern nicht nur Entscheidungen mitteilen, sondern auch sagen, wie und warum sie gefällt wurden. Dabei zeigte eine Untersuchung von Philip G. Clampitt, Kommunikationsprofessor an der University of Wisconsin, eindeutig, dass Beschäftigte Entscheidungen eher tragen, wenn sie die Gründe kennen. Die Erfolgsquote sei dort, wo Aufklärung betrieben wurde, doppelt so hoch wie in anderen Firmen.
Was sich wie selbstverständlich anhört, ist laut Clampitt in der Praxis ein Riesenproblem. (Mittlere) Manager fühlen sich oft zu beschäftigt, um ihre Entscheidungen zu erklären, oder sie halten es schlicht nicht für nötig. Außerdem wollen sich viele nicht einem Rechtfertigunsgdruck aussetzen oder gar den Personen gegenübertreten, deren Vorschläge sie übergangen oder verworfen haben.
Der Tipp, Entscheidungen zu erklären, gilt dem Artikel zufolge auch, wenn es um die Beförderung von Beschäftigten geht. Die Kollegen hätten ein Recht darauf, nachvollziehbar erklärt zu bekommen, warum jemand aus ihrem Kreis aufrückt. Wer die offene Kommunikation scheue, gehe das Risiko ein, dass Karrieren misstrauisch beäugt und für einseitige Begünstigungen gehalten würden. Besser sei es, anhand der fachlichen und sonstigen Kompetenzen darzulegen, warum bestimmte Personen aufsteigen sollen.
Und warum schreibe ich das alles? Ich komme gerade von der CeBIT und habe dort viele Bekannte aus IT-Unternehmen getroffen…
Am 27. März 2007 um 15:48 Uhr
Das gleiche denke ich schon seit Jahren und auch meine Erfahrungen sind die gleichen. Man traut uns als Experten in der IT-Branche fast nichts zu, muss alle Entscheidungen ohne Angabe von Gründen schlucken, wenn man etwas genauer hinterfragt wird ständig nur gemoppt, bis man irgendwie aufgibt. Selbts wenn man stattnur zu meckern auch praktikable Vorschläge parat hat, muss man immer erst eine Lobby bei einem Vorgesetzten haben, damit sich irgend etwas an unseren schlechten Arbeitsbedingungen verbessert.
Katja Kehlbreier