Off und davon

Die Marktforscher von Deutsche Bank Research haben kürzlich in einer Studie festgestellt: “Offshoring ist kein Jobkiller“. Die Erkenntnis ist ein wenig verwunderlich, die Autoren begründen sie damit, dass andere Jobs entstehen. Die Computerwoche hat die Ergebnisse sowohl in der Print-Ausgabe als auch Online veröffentlicht und daraufhin wütende Antworten von Betroffenen bekommen, deren Jobs ins Ausland verlagert wurden. Einige der Leser waren bei IT-Dienstleister beschäftigt, die ihre ausländischen Kollegen zuerst anlernen mussten, bevor sie dann ihre Jobs an sie verloren haben.

Mitarbeiter von CSC waren nicht darunter, doch auch sie können ihr Leid vom Near- und Offshoring klagen (und tun dies auch auf der Web-Seite Netzwerk IT). Erst vor wenigen Jahren hatte CSC in Immenstaad ein Support-Center eingerichtet. Einige Mitarbeiter sind eigens dort hingezogen, um dort arbeiten zu können, dann kam die Verlagerung ins Ausland.

Nun kommt eine neue Studie von A.T.Kearney, die den Job-Verlust beziffert. 120.000 Jobs - nur in den internen IT-Abteilungen der 500 größten deutschen Industrieunternehmen - werden in den kommenden vier Jahren abgebaut. Das erschreckende an der Erhebung ist, dass sie aus der Befragung der Unternehmenslenker entstanden ist. Sie haben ihre Pläne gegenüber den Management-Beratern ausgebreitet, A.T.Kearney hat die Zahlen nur noch zusammengerechnet. Demnach wird jeder zweite Arbeitsplatz in der internen IT überflüssig, nur ein Teil der ausgelagerten IT-Mitarbeiter werden von den Outsourcern übernommen. Dieses Szenario hat im Übrigen kürzlich bereits Peter Kreutter von der WHU in einem Artikel in ähnlicher Form beschrieben. Seine These: Mitarbeiterübernahmen rechnen sich für den Outsourcer nicht.

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis: Outsourcing und Offshoring kosten Arbeitsplätze – alles andere ist Augenwischerei.

Kennt übrigens jemand eine Studie über die Qualität von Outsourcing/Offshoring-Leistungen?

6 Reaktionen zu “Off und davon”

  1. Peter A. Landau

    Die Jobs werden nicht “vernichtet”, sie tauchen nur “anderswo” in einer anderen Form wieder auf.
    Job hin oder her, stellt sich nicht eher die Frage, ob man ein
    Einkommen erwirtschaftet?

  2. Peter Kreutter

    zur Erläuterung…

    meine These ist nicht, dass Outsourcing und Offshoring “falsch” und dass Personalübernahmen hierbei prinzipiell ein “totes Modell” sind.

    Outsourcing und Offshoring sind notwendige und sinnvolle strategische Maßnahmen, um Unternehmen proaktiv an veränderte Wettbewerbsumfelder und Wertschöpfungsarchitekturen anzupassen. Das dürfte unbestritten sein …

    Aktuell wird auf Kundenseite verschiedentlich jedoch versucht, über “Outsourcing” schnell und “relativ geräuschlos” strategische Fehler der Vergangenheit “auszubügeln” (sprich: interne Überkapazitäten, veraltetes Know-how- und Kompetenz-Portfolio, Asymmetrie zwischen Gehalts- und Leistungsstrukturen)…

  3. Joachim Hackmann

    @ Peter Landauer: Dass die Jobs anderswo wieder auftauchen ist für diejenigen ein schwacher Trost, deren Arbeitsplätze abgebaut werden. Es gibt offenbar in Deutschland künftig nicht mehr den breiten Bedarf an bestimmte IT-Arbeiten, weil die weltweite Vernetzung es ermöglicht, die Aufgaben ohne weiteres an entfernte Orte zu verschieben. Das einzige, was die Jobs in Deutschland halte könnte, wäre Qualität. Da wurde in der Vergangenheit offenbar etwas versäumt, denn die Studie von A.T.Kearney besagt auch, dass die Unternehmenslenker mit der internen IT in der heutigen Form unzufrieden sind. Der Vorteil der internen IT-Mitarbeiter ist, dass sie das interne Geschäft kennen (sollten). Diese Potenzial wurde nicht ausreichend ausgeschöpft.

    @Peter Kreutter: Ich habe die These des Artikels zugegebenermaßen stark verkürzt. Aber auch in dem Artikel war meines Erachtens eine wichtige Aussage, dass die IT-Dienstleister gerne Outsourcing-Aufträge übernehmen, aber bitte ohne Mitarbeiter, weil sie den Kunden ansonsten keine Kostenersparnisse bieten können. IBM, EDS, Accenture und Co. haben für viele Entwicklungs-, Support- und Betriebsarbeiten eigene Mitarbeiter in Osteuropa oder Asien und können so Skaleneffete ausschöpfen.

  4. Stefan Schön

    Hallo, das ist zwar eine nette These von A.T. Kearney aber die eigentlichen Jobs entstehen bei uns doch schon seit Jahren nicht mehr in den Großunternehmen! Auch in der IT, fragen Sie mal die IT-Leiter und Systemadministratoren aus dem SMB Umfeld. Die wollen wieder Ihre persönlichen Ansprechpartner, der Ihre Umgebung kennt und kein 0800er nummern zu rumänischen Call-Centern in denen die Großen der Branche die Reaktionszeiten für Ihren 1.- und 2.-Level Support bis auf die letzte Sekunde ausreizen. Warum verlieren denn IBM, HP und andere die SMB-Wartungskunden?
    Es wird viel zu viel um die großen Kühe der Branche getanzt, es sollte mehr auf unseren innovativen Mittelstand gekuckt werden und dieser muß gefördert werden um weiterhin Jobs zu schaffen.

  5. Peter A. Landau

    @Joachim Hackmann
    > Dass die Jobs anderswo wieder auftauchen ist für diejenigen ein schwacher Trost, deren Arbeitsplätze abgebaut werden.

    Trost zu spenden, war weder meine Absicht, noch gehört dies zu meinem Job. Nicht einmal die Beiträge in ihrem Forum können/wollen (?) diese Aufgabe übernehmen.
    Die Lage ändert sich für die Beteiligten kaum, wenn sie getröstet werden. Sie müssen - aktiv - umdenken und reagieren anstatt sich - passiv - trösten zu lassen.
    Aus diesem Grunde hilft das Beklagen der Situation wenig, Rezepte, um die Lage zu ändern wären hilfreicher.
    Ihre Webseite bietet Ratschläge in Form von “Karriere-Ratgeber 2007″ an,
    wie wäre es mit einem Sonderforum zum Thema: Hilfe man hat mich wegrationalisiert? Oder: mein Job wird ins Ausland verlagert, ich darf aber nicht mit…

  6. katja k.

    entschuldigen Sie bitte das ich hier nur eine leihen-frage habe..doch ich erreiche diese seite eLolly nicht mehr im Net ..ich bin einige der jenigen die sich geld leihen wollte.. man bat mich 9,50€ zu überweisen…danach bekäme ich zugang zu meinen seiten..doch nach zahlung kam bisher garnix…bin ich nun netrogen worden..ich weiss..dies liest sich alles etwas blauäugig doch ..in der Not frisst der Teufel eben fliegen..frag mich wie ich in dieser angelegenheit nun weiter komme..??? wäre dankbar um eine antwort…vielen DANK…

Einen Kommentar schreiben


Close
Powered by ShareThis