Die Kunst des Krieges
Gibt es überhaupt ein Hightech-Unternehmen, das nicht systematisch Daten über seine Konkurrenten sammelt? Das sich nicht bemüht, so viel wie möglich über seine Kunden, Produkte, Preise und Vertriebswege zu erfahren? Wenn überhaupt, dann würde man diese Wenigen wohl als naiv oder schlicht als dumm bezeichnen.
Oracle und SAP sind dagegen keinesfalls naiv, sie beäugen sich gegenseitig mit Argusaugen, wissen viel über einander und versuchen, jede Attacke des Gegners zu kontern. Seit Jahren pflegen sie ihre Feindschaft. Vor allem Oracle-Chef Larry Ellison verhält sich zumindest verbal so, als wenn er die Auseinandersetzung mit SAP streng nach dem großen chinesischen General Sun Tzu als “Kunst des Krieges” sehen würde.
Allerdings interpretiert Ellison den Chinesen sehr frei. Der mittelalterliche General arbeitete mit feinster Klinge beziehungsweise Feder, während der Oracle-Chef eher ein Anhänger brachialer Aktionen zu sein scheint. Letzter Beweis dafür ist die Klage, die Oracle gegen SAP wegen angeblichen Diebstahls von Softwareprodukten und anderem vertraulichen Material vor einem Bezirksgericht in San Francisco erhoben hat. Einmal abgesehen davon, ob Oracle Recht bekommt, versucht Ellison offenbar, SAP ständig zu beschäftigen. Sun Tzu: “Geschulte Kriegsherren bestimmen das Schlachtfeld. Sie lassen sich nicht vom Feind diktieren, wo sie kämpfen.”
Die Scharmützel fungieren auch als Ablenkungsmanöver. Schließlich hat Oracle es trotz milliardenschwerer Zukäufe bisher nicht geschafft, die Walldorfer im Applikationsgeschäft ernsthaft anzugreifen und muss daher die offene Feldschlacht vermeiden.
Aber der eitle Chefstratege von Oracle übersieht die Interessen bestehender und potenzieller Kunden. Wenn er für das Scharmützel die Namen der Anwenderfirmen veröffentlicht, die angeblich SAP die Zugriffe auf Oracles Server erst ermöglicht haben, sendet er damit ein klares Signal: Mit Oracle ist nicht gut Kirschen essen; vor allem dann nicht, wenn man als Anwender andere Interessen verfolgt als der Softwarekonzern. Daran werden sich die Kunden in Entscheidungssituationen erinnern, egal wer die Auseinandersetzung vor dem Gericht in San Francisco gewinnt.
Ellison sollte deshalb seinen Sun Tzu noch einmal durchlesen. Der General schreibt nämlich auch: ” Der siegreiche General hat vor dem Kampf sehr viele Berechnungen angestellt, der Verlierer zu wenige.”
Am 18. Mai 2007 um 05:53 Uhr
Industriespionage ist heutzutage an der Tagesordnung - und CHINA ist in diesem Zusammenhang ein Reizwort. Groteswerweise leisten dem unsere eigenen Nachrichtendienste Vorschub - durch ihren “Handel mit geheimdienstlichen Nebenprodukten”:
http://forum.opensky.cc/viewtopic.php?t=41
Die Kriegslisten (Strategeme) fuer Manger stammen ebenfalls aus China. Den Geschaeftspartner (Gegner) zu taeuschen ist uralte, konfuzianische Tradition. Das mussten schon viele westliche Unternehmen erfahren, die unvorbereitet in China zu operieren begannen.
Strategeme sind in wörtlicher Übersetzung Kriegslisten, deren erste Quellen auf Meister Sun, einen Zeitgenossen von Konfuzius (551-479 v. Chr.) zurückgehen und die in den folgenden Jahrhunderten von verschiedenen Autoren ergänzt und verfeinert worden sind.
Ein Beispiel ist das Strategem Nr. 10: «Hinter dem Lächeln den Dolch verbergen», welches stark Theodore Roosevelts «Speak softly and carry the big stick behind you» gleicht.
Täuschen, ausnützen, schweigen
Die 36 Strategeme sind kein in sich geschlossenes Denksystem nach westlich-abendländischem Muster, sondern eine Sammlung von Listen, die sowohl im militärischen wie auch im zivilen Kontext anwendbar sind.
Strategeme-Verkettung, ist die hohe Schule der Strategeme-Anwendung.
Ausführlich schildert von Senger hierzu die Geschichte des Transrapid in Schanghai, wo zum Schluss eigentlich alle Vorteile auf Seiten der Chinesen zu liegen kommen. Mit einer besonderen listigen Optik kann man aber auch dies anders sehen, denn schliesslich ist es den Deutschen gelungen, den Chinesen eine Technologie - wenn auch zu schlechten Bedingungen - zu verkaufen, die weder im eigenen Land noch sonstwo auf der Welt eine Nachfrage fand.
Aus der Buchbesprechung zu Heinrich Christens
Kriegslisten für Manager
Die 36 Strategeme - Schlüssel zum Verständnis Chinas?
http://nzz.gbi.de/webcgi?WID=49522-4140887-31064_2