Das Dilemma der Telekom
Die Urabstimmung bei der Telekom ist gerade gelaufen. Die Gewerkschaftsmitglieder haben sich mit 96,5 Prozent für einen Streik ausgesprochen. Nun droht der Telekom mehrerlei Ungemach. Ihr ohnehin schon als schlecht verschriener Service dürfte durch einen Streik nicht besser werden. Böswillige Kritiker meinen zwar, dass man den Unterschied zwischen Streik und normaler Arbeit kaum bemerken würde, aber Unternehmen, die sich ohnehin schon mit Abwanderungsgedanken tragen, könnte die angekündigte Arbeitsniederlegung endgültig in die Arme der Konkurrenz treiben.
Ein möglicherweise langer Arbeitskampf – Verdi liebäugelt mit einer Bestreikung des G8 Gipfels Anfang Juni – würde die gesamte Telekom lähmen. Das Management dürfte dann die meiste Zeit damit verbringen, die Schäden des Streiks so klein wie möglich zu halten. Schon jetzt werden Szenarien durchgespielt, die den Einsatz von Beamten vorsehen – um zumindest die Kundenanfragen annehmen zu können. Außerdem dürfte die Motivation der Mitarbeiter bei der gesamten Telekom weiter Richtung null sinken, wenn Management und Streikende anfangen, mit harten Bandagen zu kämpfen.
Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass am Ende dieses Streiks beide Kontrahenten als Verlierer dastehen. Das Management, weil noch mehr Kunden wechseln als befürchtet, und die Mitarbeiter, weil Call-Center, Technik- und Service-Abteilungen meistbietend verkauft werden. In dem Fall dürfte der Telekom auch gleichgültig sein, mit wie viel Geld sie dem Käufer die Übernahme ihres Service-Problems versüßen muss. Und dass der Ex-Monopolist da ein massives Problem hat, ist absolut unbestritten. Eine kleine anekdotische Geschichte illustriert die Schwierigkeiten perfekt, die die Telekom mit ihrem Service hat:
Eine reisende Freiberuflerin versucht, von ihrem momentanen Standort (weit weg von ihrem normalen Arbeitsplatz) per Telefon eine DFÜ-Verbindung von der Telekom zu bekommen: “Hast du Kundennummer? Hast du Anschlusskennung?” Nachdem die Freiberuflerin zugeben musste, dass sie nicht immer sämtliche T-Online-Berechtigungen mit sich herumträgt, antwortete der nette Mann vom Call-Center: “Keine Chance, Mann.” Auch als sie beim zweiten Anruf die Kundennummer nachreichen konnte, half ihr der Call-Center-Agent nicht weiter und beschied sie mit Hinweis auf die immer noch fehlende Anschlusskennung wieder mit einem “Keine Chance, Mann.” Jetzt wirklich aufgebracht, motzte die Freiberuflerin, dass die Konkurrenz ihr in solchen Situationen bereits geholfen hatte. Daraufhin erklärte der Agent: “Weiß ich, Mann, die sind auch besser, Mann.”
Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Diese Binsenweisheit müssen sich wohl Telekom-Management und –Mitarbeiter hinter die Ohren schreiben. Erstere weil sie sich dem Serviceproblem nicht früher gewidmet haben und letztere weil sie Kunden offenbar immer noch als Bittsteller sehen, die sie in Monopolzeiten behandeln konnten, wie sie wollten. Weg konnte ja keiner. Dass sich das ziemlich radikal geändert hat, müssen auch die Mitarbeiter endlich begreifen.
Am 11. Mai 2007 um 14:51 Uhr
Genau das ist das Problem der Telekom. Wer mal richtig lachen möchte sollte sich mal meine Erlebnisse mit T-Online und Telekom durchlesen.
Am 11. Mai 2007 um 14:53 Uhr
Oupsa… kein Link? Da hab ich wohl was falsch gemacht. Hier der Link für Copy&Paste:
http://www.taxedo.de/?p=88
Am 15. Mai 2007 um 14:30 Uhr
Das schlimme ist in dem Fall nicht nur die Telekom selbst, sondern deren gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter, sowie die liebe und ach so tolle VER.DI!!!! Seit 14 Tagen darf ich über eine Zeitarbeitsfirma bei der T-Com arbeiten. Nach unzähligen Tagen Warnstreik und diversen Konfrontationen mit den Streikenden, muss ich gestehen, bin ich ziemlich angenervt. Da will man tatsächlich arbeiten, aber man stößt auf mittlerweile vollkommene Ignoranz. Wie (die Leih- und Zeitarbeiter) können nichts für deren Situation. Es wird verlangt Verständnis aufzubringen (was man ja durchaus in gewissen Bereichen auch tut), aber man nimmt keinerlei Rücksicht auch auf unsere Situation. Einige von uns befinden sich noch in der Probezeit und können durch deren Engstirnigkeit auch morgen gekündigt sein. Aber man wird behindert und nicht ins Werk gelassen, obwohl man arbeiten will. Selbst der Streikleiter hat für diese Situation kein Verständnis. Man würde uns ja auch nicht aussperren; nein man läßt uns nur nicht rein?!? Hääää??? Die Ver.di stellt auf stur, und ist nicht mal in der Lage ein Gegenangebot auf den Tisch zu legen, aber erwartet, dass ein maroder Konzern ihnen weiter entgegenkommt. Achja, und dann war da noch die Geschichte man hätte ja schließlich auch so hohe Einbußen nach deren Angebot… Naja, stimmt so wohl nicht ganz iht lieben Mitarbeiter. 34 Stunden arbeiten aber 36.5 bezahlt bekommen. Und nach dem Konzernangebot sollen jetzt eben nun mal 38 gearbeitet werden. Aber alle bekommen wieder Weihnachts- und Urlaubsgeld. Für mich ist das eine Milchmädchenrechnung. Denn finanziell sieht das doch nicht nach weniger aus… Aber “Willkommen in der Realität”. Das ist leider gottes heutige Marktlage. Seid froh einen Job zu haben, anderen geht es viel schlechter.
Am 15. Mai 2007 um 16:10 Uhr
Gestern Abend lief ein Bericht im Dritten über eine Call-Center Agentin der Telekom, alleinstehend mit 2 Kindern und Netto 2000 Euro (3250 Brutto). Zum Vergleich ein Call-Center Agent aus der freien Wirtschaft verheiratet, zwei Kinder und 1500 Euro Netto. Diese Frau hielt sich doch glatt für etwas Besseres. Sie hätte schließlich die bessere Qualifikation und müsste mit 12 Programmen arbeiten.
Nur schade, dass man von dieser Qualifikation am Telefon nicht mehr viel merkt. Wer hat denn in der heutigen Zeit bei deisem Job ein Einkommen von 3250 Euro Brutto?
Am 17. Mai 2007 um 14:06 Uhr
Die Deutschen haben zum großen Teil Verständnis für die Streikenden. “Wer will schon für weniger Geld mehr arbeiten”, fragt sich der unbeteiligte Beobachter und findet den Austand ok. Schließlich ist es ja kein Streik der Müllarbeiter, den jeder sofort empfindlich in der Nase spürt. Doch offenbar geht es den Streikparteien Telekom-Management und Verdi nicht nur um´s Geld. Im Vergleich zu den Jahresentgelten, die Vodafone oder O2 zahlen, liegt die Telekom gar nicht so weit drüber. Vodafone zahlt zwar monatlich weniger, dafür aber Urlaubs- und Weihnachtsgeld, so dass die Jahresbezüge nicht so stark von einander abweichen. Wichtiger als das Geld ist der Telekom die Möglichkeit, Mitarbeiter zu anderen Konditionen auslagern zu könnnen
Und Verdi befürchtet, dass ein solches Beispiel Schule macht.
Am 14. September 2007 um 16:30 Uhr
habe heute gelesen, dass die Telekom ImmobilienScout24 gekauft hat.
http://www.golem.de/0709/54778.html