IT-Töchter werden allein gelassen

Die deutschen IT-Töchter haben sich ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Die internen IT-Dienstleister deutscher Konzerne wirken nach dem Benchmark des so genannten Bensheimerberger Kreises, in dem sich die größten von ihnen austauschen, unorganisiert, nicht auf ihre Kunden fokussiert, ineffizient, unqualifiziert – also kurz ziemlich chaotisch. Für sie spricht allerdings, dass sie sich nicht scheuen, so katastrophale Benchmarkergebnisse zu veröffentlichen. Vielleicht ist dieser Schritt als Willenserklärung zu interpretieren, die Zustände drastisch zu verändern. Zwar überprüfen sich im Bensheimerberger Kreis nur 28 von etwa 300 internen IT-Dienstleistern, aber man liegt sicher nicht falsch, wenn man vom Verhalten dieser knapp zehn Prozent Rückschlüsse auf die Mehrheit zieht.

Doch wieso sind die internen Dienstleister so schlecht aufgestellt? Warum haben viele von ihnen weder zentrales Controlling, Qualitätsmanagement, SLAs oder ein Produkt- und Portfolio-Management, das sich an den Bedürfnissen ihrer Kunden ausrichtet?
Einer der Gründe für die Missstände liegt sicher in der fehlenden Führung durch die Mutterunternehmen. Wenn keine Prozessorientierung eingefordert wird, findet sie auch nicht statt. Wenn darüber hinaus der oft aufgehobene Kontrahierungszwang mit dem internen Dienstleister nicht genutzt wird, um dessen Qualität zu verbessern und seine Preise zu senken, dann tut sich auch in diese Richtung nichts.

Ein anderer wichtiger Grund für die Existenz der IT-Töchter könnte sein, dass das Management der Unternehmen die ewigen Qualitäts-, Kosten- und Zeitdebatten über IT-Projekte einfach leid war und hoffte, durch die Ausgründung mehr Transparenz zu schaffen. Allerdings haben offenbar viele Unternehmen versäumt, ihren internen Providern das richtige Rüstzeug mit auf den Weg zu geben. Man hat sie in den Strukturen, der bestehenden Organisation, Ausrichtung, Infrastruktur und Mannschaft ausgegliedert ohne sie vorher fit zu machen für den Job eines quasi unabhängigen Dienstleisters. Hätte das Topmanagement so gehandelt, als würde sie die IT wie ein Geschäftsfeld verkaufen, hätte sie sie für die Interessenten zunächst schön gemacht.

Aber warum halten die Unternehmen so schlechte Dienstleister so lange aus, vor allem dann, wenn kein Kontrahierungszwang mehr besteht? Auch hier kann man nur spekulieren. Zwei gut bekannte, auch in anderen Zusammenhängen schon häufig beobachtete, Motive drängen sich auf. Bequemlichkeit ist das eine und das andere lautet: Lieber Ärger, den man kennt, als Querelen über Dinge, die noch nicht absehbar sind. Ein anderes mögliches Motiv für den Langmut der Unternehmen wagen wir kaum auszusprechen, aber erwähnt werden muss es: Vielleicht spielt in den Augen von Business-Managern eine gute Versorgung mit IT-Services nur eine untergeordnete Rolle für den Erfolg des Unternehmens.

3 Reaktionen zu “IT-Töchter werden allein gelassen”

  1. Hello IT!?

    Kommt mir bekannt vor, die gleichen Effekte gibt es auch bei Mikrodienstleistern mit 5-10 Mitarbeitern: Wer am lautesten brüllt bekommt den grössten Happen der kleinen Servicehappen, da sich die Mitarbeiter sonst förmlich zerreissen müssen um angemessen und zeitnah Service zu leisten.
    “Hey Joe!” und Chaos bestimmen den Service-Alltag.

  2. Tim

    Endlich weiß ich, dass wir nicht alleine sind…

    Mein Verteiler wird unendlich lang….

  3. Christoph Witte

    Liebe Blogleser, bitte nicht vergessen, dass mein Posting ein Kommentar zu einem ausführlichen Artikel ist, der unter dem oben angegebenen Link einzusehen ist. In diesem Beitrag werden die Fakten aufgelistet. Wer sich also ein objektives Bild machen will (Kommentare stellen ja bekanntlich die Meinung des Autors dar), sollte den Artikel ebenfalls lesen.

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