Tu was, SAP!

Was ist eigentlich mit SAP los? Zurzeit reiht sich eine miese Nachricht an die andere. Zuerst geht Agassi, der vermeintliche Kronprinz, und ganz Walldorf jubelt (wenn man den Gerüchten glauben darf). Dann die Sache mit Plattner, der öffentlich erklärt, das derzeit entwickelte A1S kannibalisiere das Produktgeschäft, um dann wieder zu dementieren (”Missverständnis”). Und jetzt Kagermanns peinliches Geständnis: Die Spionagevorwürfe von Oracle sind offenbar zumindest teilweise gerechtfertigt.

Kann es sein, dass Walldorf ein PR-Problem hat? Oder ist alles noch viel schlimmer? Wieso kauft Oracle ein Unternehmen nach dem anderen, wird immer größer, legt glänzende Geschäftszahlen vor - und SAP tut nichts? Ein bisschen erinnert mich das an den FC Bayern der letzten Saison: Pleiten, Pech und Pannen. Aber immerhin hat Hoeneß etwas getan und einen Haufen Geld in die Hand genommen, um das Dilemma zu beenden (wir werden sehen …). SAP aber scheint das nicht vorzuhaben.

Und dann das Gezappel um den Kagermann-Nachfolger. Der SAP-Chef wird 60, ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Sollte es Léo Apotheker werden, dann sind die Vorzeichen nicht gut, wenn man unserer Umfrage vor ein paar Wochen glauben darf:

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Es wäre schön, mal wieder ein paar positive Schlagzeilen lesen (oder schreiben) zu können…

7 Reaktionen zu “Tu was, SAP!”

  1. Viktor

    …sieht sogar aus wie bei Siemens. Von einem Fettnäpfchen ins nächste…

  2. Heinrich Vaske

    Besonders interessant im Fall TomorrowNow: Zusammen mit der indischen Systime bietet auch Oracle Third-Party-Support für SAP-Anwender an (klick) und versucht Kunden herüberzuziehen. Das gleiche Modell also. Offenbar sind sie aber ehrlicher - oder geschickter ;-)

  3. Michael

    Das sieht ein wenig aus wie ein PR-Problem. Die Blamage mit der “Informationsbeschaffung” wird Folgen haben. Da im IT Markt aber das Vergessen mit ganz oben steht wird es nur kurzfristig Auswirkungen haben.
    Oracle wird seine PR-Maschine dazu jetzt anwerfen. Mit Schlamm kann man ja bekanntlich gut werfen… :P
    Ob überhaupt etwas verwertbares über den “Beschaffungsweg” zur SAP gekommen ist sei aber auch mal hinterfragt.

  4. Herbert Heitmann (SAP)

    Liebe Beobachter der SAP,
    der “Große Wagen” sieht auch nur von der Erde wie die Skizze eines solchen aus. Ansonsten verbindet diese Sterne eben gar nichts. Und genauso verhält es sich mit den oben aneinander gereihten “Ereignissen”. Plattner hat denselben Vortrag gehalten wie schon vier mal zuvor seit dem Frühjahr dieses Jahres. Jeder kann sich das komplette Video auf der Website der HPI anschauen und davon überzeugen, daß er nichts von dem gesagt hat, was eine Nachrichtenagenturmitarbeiterin meinte, daraus machen zu müssen, damit es hier für Diskussionsstoff sorgen kann. Er hat also nichts zu dementieren gehabt, sondern die Nachrichtenagentur lediglich um Korrektur bitten müssen.
    Wer unsere Website: http://www.tnlawsuit.com besucht und weiß, was Spionage ist, kann auch nicht ernsthaft von “gerechtfertigten Spionagevorwürfen” reden und wenn wir den CEO nach den netten Leserumfragen der CW rein basisdemokratisch besetzten, hätten wir schon mindestens zwei Wechsel in diesem Jahr vornehmen müssen….wie würde man dann das nennen, wenn die Verlängerung von Kagermann’s Vertrag bis Mai 2009 als “Gezappel” gewertet wird. Aber eins haben wir alle gemeinsam: auch wir wünschen uns positive Schlagzeilen. Nur Mut!

  5. chaossurfer

    Sehr geehrte Herr Heitmann,

    ich kann mich Ihren Aussagen anschließen, leider werden von den Medien die Tatsachen und Zitate oft verdreht. Leider sind wir aber nicht alle SAP Insider. Doch drücken solche Mißverständisse und Fehlmeldungen die Stimmung der SAP Aktien. Die sich leider in den letzten 2 Jahren im Gegensatz zu Oracle meiner Meinung nach recht dürftig bis schlecht entwickelt hat. Leider geht es aber in diesem Spiel meist nicht um Wahrheit sondern um Geld hier steht Oracle z.Z. viel besser da. Der Druck der Aktionäre auf SAP wird hier größer werden. Diese Menschen interessiert nicht ob die Wahrheit jetzt so oder so aussieht sondern sind erstmal nur an Ihrer Rendite interessiert.

    Man kann von Oracle halten von man will, aber die besseren Marketing bzw. Presse Leute haben Sie auf jeden Fall.

  6. FlinkerFinger

    Hallo chaossurfer,

    sind sie wirklich ‘besser’ oder einfach nur ‘lauter’ und ‘amerikanischer’?
    Mir ist die solide und verlässliche Kommunikation à la SAP wesentlich lieber als die laute und polternde von ORACLE.
    Als Aktionär ist mir auch die Konstanz und Berechenbarkeit einer SAP lieber als das undurchschaubare hektische Geschäftsgebahren von ORACLE.

  7. Christoph Witte

    Das dürfte Henning Kagermann sehr schwer gefallen sein. Als der SAP-Chef kürzlich einräumen musste, die SAP-Tochter TomorrowNow habe neben Downloads im Kundenauftrag auch unautorisiert Bug Fixes und Support-Dokumente von Oracles Website heruntergeladen, klangen ihm sicher noch die eigenen sehr selbstbewussten Worte vom Juni im Ohr. Damals bestritt er alle Vorwürfe. Es seien keine Rechte von Oracle verletzt worden und man werde die eigenen Rechte unnachgiebig verteidigen. Eine außergerichtliche Einigung mit Erzfeind Ellison komme nicht in Frage: “Warum sollten wir?”, fragte er lapidar. Kagermann könnte inzwischen zu der Einsicht gelangt sein, dass er diese Frage öffentlich besser erst hätte stellen sollen, wenn er im Besitz aller nötigen Informationen gewesen wäre. Die klare Aussage deutet allerdings darauf hin, dass er zumindest zum damaligen Zeitpunkt sicher war, alles Nötige zu wissen. Offensichtlich fand man die Belege für die beklagten Praktiken erst vor kurzem, wahrscheinlich während der Vorbereitung zur Klageerwiederung, die bekanntermaßen für Anfang der Woche avisiert war. Kagermann muss sich aufgrund der “Funde” ziemlich ohnmächtig gefühlt und die Flucht nach vorn angeordnet haben – also einräumen, was die andere Seite ohnehin beweisen kann.
    Der Hinweis darauf, dass die abgesaugten Informationen – der Firewall sei Dank – weder SAP America noch SAP Corp. zu Gesicht bekommen haben, ist als der verzweifelte Versuch zu sehen, den Schaden zu begrenzen. Vielleicht gelingt das in der juristischen Auseinandersetzung sogar. Fraglich ist nämlich in der Tat, ob ein Dienstleister illegal handelt, wenn er im Auftrag seines Kunden Bug Fixes, Support-Dokumente oder sogar Support-Tools nutzt, die zum Beispiel das Einspielen von Patches erleichtern. Sollte Tomorrow-Now allerdings solche Werkzeuge verwendet haben, um Oracle-Kunden, die nicht über entsprechende Lizenzen verfügen, preiswerten Support anzubieten, liegt der Fall natürlich anders. Den Image-Schaden kann SAP ohnedies nur schwerlich begrenzen. Sollte die Walldorfer-Chefetage wirklich erst kurz vor der Klageerwiederung von den Vorfällen bei Tomorrow-Now erfahren haben, fehlt es im Konzern an Transparenz und Durchschlagskraft der vorhandenen Compliance-Regeln. Noch schlimmer wäre allerdings, wenn herauskäme, dass Tomorrow-Now tatsächlich systematisch (und vielleicht schon vor der Übernahmen durch die SAP) an Oracles Costumer Connection Site gesaugt hat, um seinen Kunden ein unschlagbares Support-Angebot machen zu können.
    Fest steht allerdings schon jetzt, dass SAP falsch gehandelt hat – Kunden merken sich so etwas.

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