Monopolsteuer Software Assurance?

Anwendern treibt es die Zornesröte ins Gesicht und Microsoft-Verantwortlichen vermutlich den Angstschweiß auf die Stirn. Über das im Jahr 2001 als Teil von Licence 6.0 eingeführte und inzwischen mehrfach angereicherte Abomodell Software Assurance für Microsoft-Produkte ärgern sich viele Anwender offenbar schwarz. Stein des Anstoßes ist die Kosten-Nutzen-Relation des Programms. Einer Forrester-Befragung zufolge wollen etliche Kunden das auch als Update-Schutz bezeichnete Programm nicht verlängern. Ihnen scheint es günstiger, alle vier oder fünf Jahre den vollen Lizenzpreis zu entrichten als vier Jahre lang 25 Prozent des für Server-Produkte verlangten Lizenzpreises beziehungsweise 29 Prozent des Preises für Desktop-Produkte zu zahlen und dabei nicht sicher zu sein, ob in den Vertragszeitraum ein wichtiges neues Release fällt. Zwar basiert die Forrester-Umfrage nur auf 63 Kunden, aber der Ärger dürfte symptomatisch sein, zumal die Software Assurance seit ihrer Einführung umstritten ist. Anwender und Analysten stellten immer wieder die Frage, ob Microsoft die Anwender mit dem Modell über den Tisch zieht. Schließlich lohnt es sich nur, wenn das Unternehmen innerhalb von drei Jahren neue Produkte auf den Markt bringt. Dann hat der Anwender gegenüber dem normalen Lizenzvertrag 25 beziehungsweise 13 Prozent gespart. Im vierten Jahr ist das Serverprogramm kostenneutral, bei Desktops zahlt man schon 16 Prozent drauf. Für Anwender ist das kein guter Deal. Zumal die Abstände zwischen wichtigen Releases bei Microsoft länger waren - von Windows XP zu Vista beispielsweise fünf Jahre. Und selbst wenn ein Major-Update in die Dreijahresfrist fallen würde, stellt sich die Frage, ob das Anwenderunternehmen zu diesem Zeitpunkt überhaupt das Release wechseln will. Schließlich ist damit je nach Unternehmensgröße - ein enormer Aufwand verbunden, der oft keinen Produktivitätszuwachs bringt.
Weil Software Assurance inzwischen einen erheblichen Anteil am Microsoft-Umsatz hat, werden die Redmonder nicht tatenlos zusehen, wie die Kunden das Programm aufkündigen. Sie werden es anreichern und versuchen, es unersetzlich zu machen. So kann beispielsweise Windows Vista Enterprise schon jetzt nur noch über Software Assurance und nicht mehr in Einzellizenz bezogen werden. Und wenn mit anderen wichtigen Produkten ebenso verfahren wird, dann zahlt der Anwender drauf. Vor allem dann, wenn die Releasewechsel weiter im jetzigen eher langwelligen Rhythmus vollzogen werden. Irgendwie klingt das nach Monopolsteuer und nicht nach Abomodell bei dem spart man nämlich gegenüber dem Einzelkauf etwas ein.
Was halten Sie von Software Assurance?

4 Reaktionen zu “Monopolsteuer Software Assurance?”

  1. Michael Winkler

    Hallo Computerwoche, ihr schreibt mir aus dem Herzen. In dieser Aussage finde ich meine seit Jahren persönliche Ansicht zum Thema wieder. Gruß M. Winkler

  2. Andreas Neugebauer

    Wir haben schon 2001 darauf verzichtet, einen Vertrag mit Microsoft abzuschliessen, nachdem wir seinerzeit ja mit den unvergessenen Briefen aus dem Knast dazu aufgefordert wurden. Die freigewordenen Mittel haben wir lieber in den konsequenten Umstieg auf Open-Office investiert. Neben dem schönen Gefühl unabhängig von einem Monopolisten zu sein, haben wir die Resourcen auch dazu genutzt “mal kräftig aufzuräumen” und alle Officebasierenden Insellösungen auf den Prüfstand zu stellen. Und das hat sich gelohnt. Dieses ist ein Weg, den jedes Unternehmen zumindest mal andenken sollte.

  3. Christoph Witte

    Gibt es andere Anwender, die den Weg in die Software Assurance verweigert haben? Mich würden die Gründe interessieren.
    Da aber Microsoft ein recht beträchtlichen Umsatz mit der Update-Versicherung erzielt, gibt es auf Anwenderseite offenbar gute Gründe für den Abschluss. Welche?

  4. Fred Oltmanns

    Wir haben Software Assurance für unser Unternehmen niemals ernsthaft in Erwägung gezo-gen. Als Dienstleistungsunternehmen (nicht-IT-orientiert) konzentrieren wir uns auf unsere Dienstleistungen und nicht darauf immer die neueste Version von irgendetwas in der IT ein-zusetzen.
    So haben wir nun in 2007 den Umstieg von Windows NT (nach 11 jähriger Nutzung) auf Windows XP vollzogen. Gleichzeitig wurde nun auf MS-Office 2000 umgestellt.
    Diese Nutzungszeiten sind sicherlich rekordverdächtig, aber meines Wissens nach auch nicht absolut utopisch.
    Alle vier Jahre die Kernprodukte umzustellen ist uns überhaupt nicht möglich, da wir außer Microsoft auch noch Dutzende Fachanwendungen mitnehmen müssen. Diese Fachanwendun-gen sind oftmals nicht mit höheren Microsoft Versionen einsetzbar.
    Selbst im Serverbereich wird erst jetzt auf 2003 Server umgestellt (von NT-Server - seit 1996).
    Finanziell bringt Software Assurance daher nur Nachteile.
    Hinzu kommt dann noch die Bindung an einen Anbieter.
    Mich würde in dem Zusammenhang eher interessieren warum jemand Software Assurance abschließt - Gründe dagegen liegen auf der Hand…aber dafür fallen mir kaum welche ein (vergl. auch Ihren Beitrag).

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