Wie CIOs und Web 2.0 kompatibel werden
CIOs müssten zu Evangelisten des Web 2.0 werden, wenn sie nicht auch von dieser Entwicklung überrollt werden wollen, fordert IDCs Chef-Analyst Frank Gens im Interview mit der COMPUTERWOCHE. In dieser Aussage schwingt Geschichte mit, sie deutet an, dass sich die CIOs bereits zwei Mal vergeblich gegen Strömungen gestemmt haben, deren Stärke und Richtung sie nicht einschätzen konnten. Sie wollten zunächst den Einzug des PC in die Unternehmen verhindern (Stichwort: Wildwuchs) und dann wehrten Sie sich auch noch gegen die Nutzung des Webs. Die ersten E-Commerce-Anwendungen wurden ohne die IT eingerichtet. Sie durfte erst später, als auch sie eingesehen hatte, dass kein Weg mehr an der “Webisierung” der Geschäftsmodelle vorbeiführt, die Verbindungen zur Unternehmens-IT knüpfen. Wenn sich CIOs nun auch gegen die Nutzung von Web-2.0-Technologien wenden, so befürchtet Gens, befördern sie sich in den Augen der Businessseite vollends ins Abseits.
Aber vielleicht ist das ein nachgelagertes Problem. Laut IDC-Untersuchungen werden nämlich die meisten Web-2.0-Projekte in Unternehmen nicht von der IT organisiert. Das deutet eher darauf hin, dass CIOs gar nicht mehr gefragt werden, was sie von diesen Tools halten.
Deshalb lautet die wichtigere Frage im Moment, wie die IT-Verantwortlichen es schaffen, wieder als Ratgeber wahrgenommen zu werden?
In jedem Fall sollten sie – das rät auch IDC-Mann Gens – neue Tools und Technologien selbst ausprobieren, sich ständig auf dem laufenden halten, auch wenn das bedeutet, eine kleine Mannschaft von Scouts für diese Zwecke zu bezahlen.
Darüber hinaus gilt es an der eigenen Wahrnehmung zu arbeiten und daran, wie ein Business-Manager mit einer in IT-Belangen relativ kurzen Aufmerksamkeitsspanne die Argumente des CIOs aufnimmt oder besser gesagt verkürzt. Wenn sich ein CIO aus Budget-, Kompatibilitäts- oder personellen Gründen gegen ein Projekt ausspricht, bleibt für den Business-Manager unterm Strich die Ablehnung. Die Begründung interessiert schon nicht mehr. Wer in einem solchen Szenario den schwarzen Peter bekommt ist klar.
Rauskommen kann die IT aus dieser Zwickmühle nur mit vielen kleinen Zügen, den großen Befreiungsschlag gibt es nicht. In jedem Fall hilft es aber, als jemand aufzutreten der zwar Rat geben kann, aber nicht am Anfang eines Trends immer schon weiß, wo er endet.
Was meinen Sie? Braucht die IT eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung? Wie kommen CIOs zurück in die Rolle des Ratgebers?
Am 7. August 2007 um 08:35 Uhr
Ich denke nicht, das konkrete “Forschungsabteilungen” notwendig sind, sie könnten sogar eher noch dazu führen, das das Wissen auf einzelne Mitarbeiter konzentriert ist und die übrigen Kollegen keine Zeit haben, sich dieses Thema anzusehen.
Es ist einer eine grundsätzliche Arbeitseinstellung und Frage der Kultur. Bei uns gabe es eine virtuelle Spielwiese, wo die IT Mitarbeiter ihre Neugier befriedigen konnten und sich eigene “Projekte” ausprobieren liessen.
Das sorgt zum Einen für eine gewisse Grundströmung und Streuung von neuen Informationen und Entwicklungen und erhöht zum Anderen die Wahrscheinlichkeit, das die Fachseite schon auf dem Flur kurzfristig Antworten bekommen kann der Art “Haben wir uns schon einmal genauer angesehen, was willst Du denn wissen”.
Das Problem “Haben wollen, aber nicht bezahlen können” hat dagegen nichts mit Web2.0 zu tun, sondern ist durch eine generelle Verständnislosigkeit auf Fachseite geprägt, warum IT “so viel Geld kostest, nie funktioniert und eher vom Arbeiten abhält, dabei waren die Anforderungen doch einfach nur ….”
CIOs müssen in dem Sinne weniger Techniker, sondern Experten in Beratung, Eigenmarketing und Finanzjonglage sein.
Am 25. September 2007 um 13:35 Uhr
Es wird in der IT zunehmend schwieriger gute Leute zu bekommen. Das wissen bei einzelnen Mitarbeitern hängen bleibt ist ein Problem, welche alle Branchen betrifft.
Dies sollten Unternehmen mittels guter Dokumentation schaffen, auf Dauer, Wissen im Unternehmen zu halten. Und wer denkt in der Dokumentation zu sparen, verschwendet Geld, da er Wissen zukaufen wird müssen.
Am 5. November 2007 um 13:17 Uhr
[…] Blog zum Interview führt 2 Entwicklungen (PC-Einführung und E-Commerce) an, die IT-Verantwortliche aus […]
Am 2. Januar 2008 um 14:18 Uhr
Braucht die IT eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung?
Nein. Natürlich nicht. Das Geld ist viel besser in Consultants und Managementcoaching investiert. Die Zukunft der IT wird ja seit der Gleichschaltung (Alignment, in Neudeutsch) visionär und kompetent von Vetretern des Business bestimmt, für die dann wiederum Consultants, Forrester, Gartner und Konsorten outgesourced denken. Zuviel Fachwissen in der IT führt nur dazu, daß die RZ-Klempner wie in der Vergangenheit ständig nach mehr Ressourcen schreien und glauben, mitreden zu müssen. Dafür haben wir die IT nicht flachgeklopft und totgespart und die CIOs mit einem Sessel im ZK, äh, Board ruhiggestellt. Strategien stehen gratis in der Zeitung, gedacht wird extern und wenn’s schiefgeht - dafür haben wir ja die lästigen Mitartbeiter in der IT, die in der Realisierung immer so fahrlässig versagen. Aber die werden wir auch noch los.