Achtung: CIO-Basher unterwegs
Die Unternehmensberater von A.T. Kearney haben die IT wiederentdeckt. Allerdings haben die Consultants offenbar nicht vor, CIOs oder IT-Abteilungen zu beraten. Vielmehr zielen ihre Aussagen zur IT direkt auf Topmanagement und CEO. Einer jetzt vorgelegten Studie zufolge – die auf Aussagen von 65 Top-Managern basiert – bremse die IT das Unternehmenswachstum. Einmal abgesehen von der relativ kleinen Anzahl von Befragten, erschreckt die von A.T:-Kearney vorgelegte Hochrechnung doch. 50 Milliarden Euro Umsatz entgehen allein deutschen Unternehmen, weil die IT die Geschäftsanforderungen ungenügend unterstütze – vulgo zu langsam und zu unflexibel sei.
Das, liebe Herren Berater, kann man nur als Milchmädchenrechnung bezeichnen. Wie kann man auf Basis von Tendenzaussagen – zehn Punkte für eine IT, die das Business komplett ausbremst – entgangenes Umsatzwachstum errechnen? Das erscheint heftigst an den Haaren herbeigezogen zu sein. Zumal der Studienzusammenfassung zufolge Meinungen abgefragt wurden, keine Zahlen.
Außerdem hat A.T. Kearney mit den Top-Managern Leute gefragt, die dem Thema IT nicht immer aufgeschlossen gegenüber stehen, beziehungsweise zu wenig über die IT ihres Unternehmens wissen, um sie fair beurteilen zu können. Das können IT-Anwender ohne VIP-Support meistens besser. Einer Studie unserer Schwesterzeitschrift “CIO” zufolge billigen 80 Prozent der befragten 18 000 Endanwender der IT “einen nennenswerten Beitrag zum unternehmerischen Erfolg des Unternehmens zu”.
Top-Manager sind dagegen nur mittelbar von der IT betroffen und geben daher oft das IT- und CIO-Bashing weiter, dass sie von ihren Fachbereichstleitern so häufig als Entschuldigung dafür hören, dass sich Projekte verzögern oder sogar scheitern.
Mit diesen Argumenten soll beileibe keine Gegenrechnung aufgemacht und behauptet werden, die IT arbeite nahe am Optimum des Möglichen. Aber die einseitige Schuldzuweisung, die A.T.-Kearnty mit der Studie vornimmt, verkennt dass die komplexen IT-Landschaften in den Unternehmen durchaus nicht allein auf dem Mist der IT-Verantwortlichen gewachsen sind. Gerade der Wunsch der Geschäftsseite nach Geschwindigkeit hat in vielen Unternehmen zu einer schlecht geordneten Applikationslandschaft ohne Architekturprinzipien geführt, die erhebliche Mängel – und hier hat A.T.-Kearney durchaus Recht – aufweist in Sachen Datenkonsitenz, Transparenz, Usability und Funktionalität. Wenn man der IT also etwas vorwerfen muss, dann ihr Bestreben, das Business ohne Rücksicht auf mögliche Konsequenzen zu unterstützen. Doch was wäre passiert, wenn sich die IT unter Hinweis auf die explosionsartig zunehmende Komplexität geweigert hätte? Eben, die IT hatte keine Wahl und technisch kaum Möglichkeiten, den nachfolgenden Wildwuchs zu verhindern. Eine Wahl hat sie immer noch nicht, aber sie hat ein paar technische Möglichkeiten mehr, negative Nachwirkungen von schnellen Entwicklungen einzudämmen. Die sollte sie unbedingt nutzen, sonst kommen die Kearneys noch ins Haus.
Am 5. Oktober 2007 um 09:17 Uhr
Dass die IT an vielen Stellen der Unternehmen keinen guten Stand hat, obwohl sie einen wichtigen Beitrag an ihrer Basis leistet, ist ja einer der Gründe dafür, dass man Posten wie den CIO überhaupt eingeführt hat.
Und wenn die IT Crowd, zum Beispiel aus Gründen der Betriebssicherung, immer wieder mal bremsend auf die Businesskas… Fachabteilungen einwirkt, ist das allzu oft kein Zeichen von Langsamkeit, sondern von Verantwortung.
Am 19. Oktober 2007 um 19:03 Uhr
Wie immer ist natürlich die IT Schuld, an der Unkenntnis / dem Unwillen der Anwender, ignoranten Chefs oder auch einer GeFü, ist kein Interesse an Technik besitzt, dafür aber auf die Kosten achtet. Und die sind in der IT auch immer zu hoch. Beliebtester Spruch: Verkaufen wir auch nur ein Stück mehr, wenn wir Server / PC xy tauschen? Haben denn CIO’s eine Wahl, ausser nach der Pfeife der GeFü zu tanzen? Schliesslich wollen sie ja nicht unbedingt ausgewechselt werden. Würde man in der IT jedem Hype folgen, der da so vorbeikommt, dann hätte A.T:-Kearney Recht, weil die Anwender gar nicht so schnell geschult werden könnten, wie Entwicklung läuft. Ausserdem kann man 10 Anwender fragen und sie werden 10 verschiedene Meinungen äussern, je nachdem wie sie selbst den PC sehen. Eher als Werkzeug und Arbeitserleichterung oder als lästige Störung (Höllenmaschine). Ich kann aus Erfahrung sagen, das etwa 20 % der Anwender unzufrieden sind und die machen mehr Aufstand als die restlichen 80% .
Am 26. Mai 2008 um 07:41 Uhr
[…] bis versalzen - die Studie der Unternehmensberater A.T. Kearney, die zu dem alarmierenden Ergebnis kommt, dass die IT das Unternehmenswachstum eher hemmt […]