Top oder Flopp: Drittwartung von ERP-Software

Die SAP ist mit der Idee, über alternative Wartungsdienste Oracle-Kunden zu ködern, gescheitert und kann froh sein, wenn sie den Rechtsstreit mit dem ERP-Rivalen ohne größere Image-Schäden übersteht. Außerdem wirft das TomorrowNow-Geschäft keine Gewinne ab. Doch wenn es schon ein Branchenriese wie SAP nicht hinkriegt, drängt sich die Frage auf, ob sich mit Drittwartungsangeboten überhaupt Geld verdienen lässt.
Drittwartungsfirmen wie Rimini Street, Netconsumer und TomorrowNow bemühen sich ausschließlich um Peoplesoft-, Siebel- und J.D.-Edwards-Kunden. Diese Softwarenutzer locken die drei Servicefirmen mit deutlich günstigeren Wartungsangeboten. Sie wenden sich gezielt an Unternehmen, die den Upgrade-Zyklus des Softwarehauses nicht mitmachen und bei der Wartung Geld sparen wollen. Meist sind die Produkte schon älter, die Anwender benötigen wenig Unterstützung, und Programmfehler treten nur noch selten auf. Vor allem geht es den Softwarenutzern darum, an die gesetzlich vorgeschriebenen Programmanpassungen zu kommen. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Gebühren, die der Hersteller für die Wartung ansetzt, ohnehin überzogen, denn in der Regel sinken die Wartungsgebühren während des Lebenszyklus einer Anwendung nicht, sondern bleiben konstant. Sie steigen mitunter sogar noch, wenn das Produkt den Standardwartungszeitraum verlässt.
Problematisch für Anbieter von Drittwartung ist, dass ihre Kunden die Software oft nur für eine Übergangszeit pflegen lassen wollen, um sie dann durch eine Applikation eines anderen Softwarehauses zu ersetzen. Langfristige Geschäftsbeziehungen können so nicht entstehen. Zudem bleibt die Frage, ob Softwarekunden einem Drittwartungsanbieter vertrauen können. Stichwort Vertrauen: Es wird letztlich zum Teil auch vom Ausgang des TomorrowNow-Prozesses abhängen, wie sich das Drittwartungsgeschäft weiterentwickelt. Generell dürften es von Softwareherstellern unabhängige Dienstleistungsgesellschaften sein, die solche Angebote auflegen.
Künftig dürften jedoch nicht nur frustrierte Anwender von Software, deren Hersteller übernommen wurden, zu den Nutzern von Drittwartungsangeboten zählen. Manche Anwender von betriebswirtschaftlichen Applikationen sind zufrieden mit den vorhandenen Funktionen und haben sich auch mit veralteten Masken und Benutzerführungen abgefunden. Solange keine Zwänge wie etwa die Integration mit anderen Produkten oder fehlende Features in Sachen Internationalisierung die Programme in Frage stellen, laufen sie eben weiter. Doch auch für den Betrieb der alten Software müssen diese Anwender jährlich Wartungsgebühren abführen.
Wartungsdienste von Drittfirmen müssen den Softwarehäusern ein Dorn im Auge sein, denn viele von ihnen verdienen damit mehr Geld als mit dem Verkauf von Softwarelizenzen. Die SAP trennt sich möglicherweise auch deshalb gern von TomorrowNow, weil sie dieses Geschäftsmodell nicht legitimieren will.

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