Nokia reagiert kaltschnäuzig

Nokia ließ heute über eine Sprecherin in Helsinki mitteilen, dass man keine Gespräche mit lokalen oder Landespolitikern über die Schließung des Bochumer Werks führen will. Die Entscheidung sei reiflich überlegt. Allerdings werde man mit der Interessensvertretung der betroffenen Mitarbeiter einen Sozialplan aushandeln.

Es ist schon ziemlich dreist rund 60 Millionen Euro Subventionen einzuschieben, abzuwarten, bis die Bindefrist abläuft und dann in ein neues Werk zu verschwinden, für das es wieder etliche Millionen Subventionen gibt. Aber wirklich kaltschnäuzig ist es, dann auch noch Gespräche mit den Vertretern der Region zu verweigern, die ihnen die Steuergelder zwischen 1995 und 1999 zukommen ließen.

Unternehmenssprecherin Arja Suominen sagte heute in Helsinki, die Entscheidung zur Schließung sei “sehr genau durchdacht”. Verhandlungsbedarf gebe es nicht.

Das war heute Nachmittag auf Spiegel online zu lesen.

Aber vielleicht lernen wir ja etwas daraus. Einmal, dass solche Wirtschaftsförderung nur einen kurzfristigen Effekt hat, wenn man es mit globalen Konzernen zu tun hat, die ihre Produktionsstandorte streng nach den für sie günstigsten Konditionen aussuchen und diese Bedingungen offenbar auch ständig gegen neue Offerten prüfen. Und zum Zweiten aus der Aussage von Jürgen Rüttgers (CDU), dem Ministerpräsidenten von NRW. Wie sagte er doch vor den Toren des Nokia-Werkes in Bochum: “Deutschland ist nicht nur ein Produktionsstandort, sondern auch ein Absatzmarkt.”

11 Reaktionen zu “Nokia reagiert kaltschnäuzig”

  1. Thomas

    Ich verstehe Deine Wut über diese skrupellose Globalisierung. Fürchte allerdings, dass sich wenig ändern wird in dieser Richtung und erwarte auch nicht, dass wir daraus viel lernen werden. Als Absatzmarkt sind wir für Nokia auch nicht sonderlich interessant, wir sind ja längst kein Emerging Market mit hohen Wachsumsraten mehr. Die Drohung von Rüttgers klingt mir auch zu sehr nach Wahlkampf. Ich denke, der Gute weiß sehr gut, dass er gegen diese fiese “unternehmerische Entscheidung” eigentlich gar nichts machen kann…

  2. Blog ohne Diät

    Web-Snacks: Gen-Diät-Pille, regionale Ernährung, Tabletten-Lebensstil, Tequila-Diät, Junkfood-Gewalt, abgespeistes Aroma, Orangen-Sex, Geld-Probe, …

    diesen betreibt, wird es sich in Zukunft wohl doppelt berlegen, ob er zum Nokia-Handy greift. Warum steht bei der Computer Woche und Alles was gerecht ist .

  3. Die kaltschnäuzigen Heuschrecken - reloaded « Neues Und Bekanntes

    […] 18. Januar 2008 von NUB Nokia ließ heute über eine Sprecherin in Helsinki mitteilen, dass man keine Gespräche mit lokalen oder Landespolitikern über die Schließung des Bochumer Werks führen will. Die Entscheidung sei reiflich überlegt. Allerdings werde man mit der Interessensvertretung der betroffenen Mitarbeiter einen Sozialplan aushandeln.Es ist schon ziemlich dreist rund 60 Millionen Euro Subventionen einzuschieben, abzuwarten, bis die Bindefrist abläuft und dann in ein neues Werk zu verschwinden, für das es wieder etliche Millionen Subventionen gibt. Aber wirklich kaltschnäuzig ist es, dann auch noch Gespräche mit den Vertretern der Region zu verweigern, die ihnen die Steuergelder zwischen 1995 und 1999 zukommen ließen. Quelle […]

  4. Christoph Witte

    Klar ist die Frage berichtigt, wie sinnvoll Subventionen sind, wenn die Unternehmen nach ein paar Jahren wieder wegziehen können und in einem anderen Land wieder Steuergelder hinterher geworfen bekommen. Nur lässt sich das schwer stoppen, so lange die Länder um Industrieansiedlungen konkurrieren. Das nutzen die globalen Unternehmen natürlich aus und das kann man ihnen als gewinnorientierte Organisationen auch nicht vorwerfen.
    Für Nokia ist die Produktion in Rumänien billiger. Aber höhere Absatzeinbrüche in Deutschland könnten die Rechnung rot färben. Wahlkampfzeiten könnten Politiker in Versuchung führen, gegen Nokia eine ähnliche Kampagne zu starten, die Greenpeace 1995 gegen das Versenken der Brent Spar im Meer startete. Shell sah sich überraschend mit massiven Boykotts in Deutschland konfrontiert und entsorgte das Ölzwischenlager schließlich umweltgerecht.

  5. Stefan Baader

    Auf meinen offenen Brief an Nokia bekam ich als Antwort (Auszug): “… Es ist wichtig, dass wir die richtigen Entscheidungen treffen, die nachhaltig das Überleben des Unternehmens sichern und auch so dazu beiträgt ein guter Arbeitgeber zu sein. …”
    Und angesichts schwarzer Zahlen, Rekord-Gewinnen in Milliardenhöhe und Weltmarktführerschaft.
    Einfach unglaublich, das stellt an Zynismus sogar Ackermanns “Peanuts”-Spruch in den Schatten.

  6. rene

    Die Drohung von Rüttgers klingt mir auch zu sehr nach Wahlkampf. Ich denke, der Gute weiß sehr gut, dass er gegen diese fiese “unternehmerische Entscheidung” eigentlich gar nichts machen kann…
    Allerdings fürchte ich, dass sich wenig ändern wird in dieser Richtung und erwarte auch nicht, dass wir daraus viel lernen werden aus dieser ganzen situation.

    liebe grüße rene

  7. paul

    Ich finde das Ganze für unser Deutsches Volk beschämend wie mit der Wert-
    schätzung der Arbeit im Allgemeinen umgegangen wird.
    Diese Regierung ist sozusagen polarisiert was die Ökonomie angeht. Die Menschen die einer solchen Arbeit in den Fabriken nachgehen, werden immer
    die dummen sein, weil sie sich ausbeuten lassen bis zum geht nicht mehr.
    Wenn das so weiter geht, dann hat dieses Land in jeder Beziehung keine Chance mehr.
    Die Verantwortlichen für diese Scheisse werden sich alle zu rechtfertigen haben ob sie wollen oder nicht !!!
    Nur weiter so DEUTSCHLAND

  8. phillipp kornberg

    Nokia ließ heute über eine Sprecherin in Helsinki mitteilen, dass man keine Gespräche mit lokalen oder Landespolitikern über die Schließung des Bochumer Werks führen will.
    bestimmt auch alles gut überlegt und durchdacht..aber naja so ganz sicher ist man sich dan doch nicht oder..

    und alles mal so betrachtet sieht das auch ein bsichen nach wahlkampf aus von rüttgers tatkräftigen aussage

  9. peter Kellermann

    Meiner Meinung nach ist nokia nicht mehr das was es mal war

  10. jan droste

    finde ich schon ein bsihcen feige wieso wollen die dne nicht darber reden können die doch ruhig mal amchen schließlich machen sie es auch zu also könne sie auch stellung dazu nehmen oder soll man sich seinen teil denken wei es passiert ist dan gibt es doch nur wider beschwerden warum irgedn ein mist erzählt wird oder so…

  11. SteFon

    Ich weiß, dass passt so gar nicht in die Anti-Nokia-Stimmung, aber meine ehrliche Meinung zu dem Thema lautet: Solange Nokia solche Hammer-Handy wie z.B. das 5310 XpressMusic (http://www.getmobile.de/handy/NO7798,Nokia-5310-XpressMusic.html) entwickelt, ist es mir herzlich egal ob das Handy in Deutschland oder Rumänien produziert wurde. Vermutlich profitieren wir als Konsumenten sogar von Nokias “Auszug”. Die Handys können billiger produziert werden und werden demnach auch billiger verkauft. Wenn ich mal überlege, was das kürzlich erworbene 5310 drauf hat, kann ich Nokia nicht wirklich böse sein.

Einen Kommentar schreiben


Close
Powered by ShareThis