IBM kauft Yahoo…

das wäre wahrscheinlich eine Schlagzeile, die viele IT-Verantwortliche richtig ins Grübeln bringen würde. Was wird denn nun aus “meiner IBM”, würden sich die Blauröcke fragen. Wollen die jetzt nur noch Geld mit Online-Werbung verdienen? Was wird aus meiner Software, meinen Rechnern? Für IBM würde sich doch so eine mickerige iSeries gar nicht mehr rechnen, wenn gleichzeitig Milliardenbeträge mit Internet-Werbung verdient werden könnten.
Bekanntlich will nicht IBM, sondern Microsoft Yahoo kaufen. Und seltsamerweise stellt hier niemand diese Fragen. Wenn Microsoft tatsächlich Yahoo übernehmen sollte, dann geht es doch nur noch um eines: Die Jagd auf Google ist eröffnet! Der Softwareriese wird sich auf Internet-Angebote konzentrieren, die den Consumer im Fokus haben. Das Softwarelizenzgeschäft wird dagegen uninteressanter und zunehmend mühsam. Microsoft wird Ressourcen abziehen.
Laut IDC wird sich allein in den USA der Online-Werbekuchen von 16,9 Milliarden Dollar in 2006 auf 31,3 Milliarden Dollar in 2011 verdoppeln. Microsoft besitzt von diesem Kuchen bislang nur ein winziges Stück, weil die eigene Websuche nicht richtig abhebt. Zusammen mit Yahoo soll das geändert werden.
Ich bin neugierig, wie sich Microsofts Geschäftsmodell im Falle einer Yahoo-Übernahme verändern wird. Mit Online-Werbung Geld zu verdienen, ist ein völlig anderes Geschäft, als Softwarelizenzen zu verkaufen. Beides parallel zu betreiben, bedeutet Pionierarbeit mit ungewissem Ausgang zu leisten. Bisher läuft das Werbegeschäft nicht. Was geschieht aber, wenn es läuft? Müssen die Business-Kunden dann die Zeche zahlen?

4 Reaktionen zu “IBM kauft Yahoo…”

  1. martin

    Verkauft IBM heute eigentlich mehr oder weniger Hosts als vor Markteinführung des IBM-PC?

    Verkauft Apple mehr oder weniger Macs als vor Markteinführung des iPod?

    Es kann immer “passieren”, daß ein neuer Geschäftszweig einschlägt wie eine Bombe. Und es ist verständlich, wenn man da Bedenken anmeldet und sich auch ohne konkreten Anlaß fragt, wo man in der neuen Konstellation wohl selbst bleiben könnte. Nüchtern betrachtet wirft das aber die Frage auf, ob man nicht unterbewußt einfach nur jeder Veränderung feindlich gegenübersteht.

  2. Heinrich Vaske

    Natürlich müssen sich Unternehmen verändern, aber sie haben auch eine Verantwortung gegenüber ihren Bestandskunden. Das gilt vor allem für IT-Firmen. Die Frage ist, ob Microsoft dieser gerecht werden wird, wenn (falls)Aufmerksamkeit und Ressourcen im Konzern voll auf das Thema Online-Werbung gelenkt werden.
    Microsoft geht bekanntlich nicht immer zimperlich mit den Kunden um. Gerade läuft bei unseren US-Kollegen von der Infoworld eine Petition dagegen, dass die OEM- und Shrink-wrapped-Verkäufe von Windows XP zum 30. Juni eingestellt werden sollen. Dort haben bereits 96 424 Anwender unterschrieben. Microsoft opfert XP auf dem Vista-Altar, und ich werfe hier die Frage auf, was demnächst wohl alles auf dem Altar der Online-Werbung geopfert wird.

  3. Check

    Was hat IBM denn mit Online Werbung zu schaffen? Ich glaub das wird wohl nie zu einer Schlagzeile werden (schreibt das gute alte Thinkpad)…

  4. Roland Judas

    @check:
    IBM hat natürlich in sofern was mit Onlinewerbung zu schaffen, als das man eine bunten Strauss an Software-Produkten am Start hat, die von Datenbanken und Entwicklungsumgebungen über Middleware und System- und IT-Management bis hin zu Groupware, Conferencing und Social Media Software reicht. Daneben ist man im Open-Source-Bereich sehr engagiert.

    Also mir würden da, den Blick in die Zukunft gerichtet, schon so zwei bis drei Business Cases einfallen, bei denen Online-Werbung eine Rolle spielen könnte.

    Roland

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