Das hat FSC nicht verdient…
Was will Siemens seinen Mitarbeitern eigentlich noch alles zumuten? BenQ-Ärger, Schmiergeldskandal, Nokia-Siemens-Joint-Venture, SBS-Restrukturierung - und jetzt gehts wohl mit Fujitsu-Siemens Computers (FSC) weiter. Der Computerbauer ist laut SZ auf dem Radarschirm von Siemens-Vorstand Peter Löscher, der seinen Konzern nur noch in den drei Feldern Industrie, Energie und Gesundheit sehen und sich vermutlich aus dem Hardwaregeschäft verabschieden will. (Siehe Artikel.)
Wir hätten gerne ein heftiges Dementi aus der Münchner Zentrale gehört, aber das gibt´s bislang nicht. Fujitsu, so heißt es in den Isider-Berichten, sei an einer 100-Prozent-Übernahme nicht interessiert. Da frage ich mich doch: Wer denn wohl sonst? Zu keinem anderen Unternehmen würde FSC in der heutigen Konstellation passen, zumal sich die Deutschen und die Japaner im IT-Geschäft regional aufgeteilt haben. FSC konzentriert sich auf Emea, Fujitsu auf Asien und Nordamerika.
Warum sollten sich andere Unternehmen wie IBM oder Hewlett-Packard einen solchen Klotz ans Bein binden? FSC steht im Geschäft mit RZ-Infrastruktur und Speicherprodukten ganz gut da, hat aber im PC-Geschäft massive Probleme. IBM hatte lange ähnliche Sorgen, bis die PC-Sparte dann an die Chinesen (Lenovo) verkauft wurde. Außerdem glaube ich nicht, dass IBM mit BS2000 eine zweite Mainframe-Linie pflegen will.
HP ist im PC-Geschäft auf der Überholspur und wird m.E. den Teufel tun, sich auf eine solch schwieirge Integration einzulassen. Wir haben mal ein paar Analysten gefragt. Der Tenor: Siemens wird für seine 50 Prozent keinen Käufer finden und deshalb doch den Vertrag mit Fujitsu verlängern. Schon um ein zweites BenQ zu vermeiden…
Was auch immer geschieht: Fujitsu-Siemens hat dieses Theater nicht verdient. Sie haben es lange verstanden, unter schwierigen Bedingungen in Deutschland profitabel Hardware herzustellen, auch wenn die Profitmargen nicht die tollsten sind und ausgerechnet das gute alte BS2000 andere Bereiche quer subventionieren musste. Bedenkt man, dass sich der Konzern wegen der Joint-Venture-Zwänge nicht weltweit ausrichten konnte, also anders als die Wettbewerber nicht vom Boom in Ländern wie China, Indien oder Brasilien profitieren konnte, ist die Leistung umso beachtlicher. Darüber sollte das Siemens-Management einmal nachdenken. Vielleicht wäre es ja eine Option, den 50-Prozent-Anteil von Fujitsu zu übernehmen und dann weltweit richtig Gas zu geben. Mal sehen, ob Herr Löscher Mut hat…
Am 17. Juli 2008 um 09:43 Uhr
Sehr geehrte Herren,
wir sind Kunden - via eines Vertragshändlers - von FSC. Bisher hochzufrieden mit Technik und Support. Falls Siemens hier nicht schnell handelt, werden wir die Zusammenarbeit überdenken müssen.
Gruß
Marcel de Veer
Dipl. Inform.
Produktmanager
Am 17. Juli 2008 um 13:55 Uhr
Ich denke, der Zeitpunkt eine solche bedeutungsschwere Diskussion aufzuziehen ist gut gewählt, da man ohnehin zur Zeit nur noch kopfschüttelnd das Wort “Siemens” aussprechen kann. Ist der Ruf erst ruiniert und so weiter…
Ich schließe mich der Meinung des Autors an, es wäre für Siemens sicher besser FSC komplett zu übernehmen als die Anteile abzustossen, gerade jetzt nachdem FSC eine lange Zeit wirklich gute Produkte geliefert hat und eine angenehme Alternative zu HP, Dell, IBM et al. Das GE keine Glühbirnen mehr baut ist ja schon schlimm (zumindest für USA), aber das es keine PCs mehr von Siemens geben soll, das kann ja wohl nicht sein.
Meine 0,02 €
Am 18. Juli 2008 um 13:04 Uhr
Was leider immer wieder ignoriert wird ist die Tatsache, daß FSC in Deutschland nicht nur produziert sondern auch die dort produzierten Rechner entwickelt. Hardware-Entwicklung, BIOS-Development und Produktion für Business-PC sind am Standort Augsburg zusammengefasst. Das bedeutet, daß Produkte speziell für die Anforderungen des EMEA-Marktes konzipiert werden können, vor allem aber auch, daß eventuelle Kundenprobleme schnell und unkompliziert an einem Ort gelöst werden müssen, weil eben alle am Produkt betieiligten Instanzen an diesem Ort vorhanden sind. Wer schon mal versucht hat Probleme in asiatischen Hierarchien zu plazieren wird wissen, wovon ich rede. :-)
Nebenbei bemerkt sollte man auch nicht vergessen, daß eine Produktion in Deutschland unter Umweltauflagen abläuft die an anderen Standorten auf der Welt vielleicht nicht so toll sind. FSC setzt auf Umweltverträglichkeit im gesamten Produktlebenszyklus, ein Aspekt der in Zeiten der Diskussionen über den Klimaschutz auch berücksichtigt werden sollte.
Natürlich ist klar, daß das alles eher Argumente sind die Kunden überzeugen und keinen Shareholder der anscheinend nur die maximale Rendite aus einer Investition holen will. Auch wenn ich selbst gerne die Gelegenheit hätte um zu beweisen daß Geld allein nicht glücklich macht so weiß ich doch tief in meinem Herzen, daß mit Geld gekauftes Glück sehr kurzlebig ist und niemals die tiefe Befriedigung erreicht die man hat wenn man mit seiner Arbeit Dinge vollbringt an denen andere scheitern oder sie aus Angst zu scheitern gar nicht erst probieren. Ja, ich bin auch ein FSC-Mitarbeiter und ich sehe der Zukunft recht gelassen ins Auge da ich der festen Überzeugung bin, daß wir das Beste für unsere Kunden erreichen und unsere Kunden daher auch in Zukunft auf uns setzen werden.
Nur meine ganz privaten 2 Cent, trotz der Zugehörigkeit zur Firma.
Am 19. August 2008 um 21:04 Uhr
Ich finde, FSC leidet an einem Versagen des Top-Managements, das schon seit mehr als einem Jahrzehnt diese Firmensparte stiefmütterlich behandelt und selbst Knüppel in die Beine wirft.
Wer immer wieder Verkaufsgerüchte und negative Erwartungen streut, verhindert dadurch nachhaltig langfristige Kundenbindung und Verkaufserfolg. Dazu noch eine Imagekampange ohne gleichen mit Bestechungsskandal, Benq & Co, nachdem viele Privatkunden aus Prinzip keine Siemens Produkte mehr kaufen muß man sich wundern, daß die Firma noch so gut da steht.
Es wäre besser, Siemens verkauft FSC an jemand, der auch am Firmenerfolg interessiert ist oder entscheidet sich endlich, zu dieser Produktsparte zu stehen und so zu investieren,wie es von einer gesunden Firma zu erwarten ist.