Quo vadis, Web 3.0?
24. Oktober 2007 von Heinrich VaskeWenn man bei Google “2.0″ eingibt, kriegt man einen Haufen lustiger Ergebnisse. Blitzkrieg 2.0, Stasi 2.0, PR 2.0, Enterprise 2.0, Radio 2.0, E-Learning 2.0, Bibliothek 2.0…
Man könnte sagen: 2.0 hat “Quo vadis” abgelöst (Quo vadis, Spiegel Online? Paris Hilton, quo vadis? Quo vadis, deutsches Verpackungsordnungsgesetz?) - obwohl: IBM hält wacker daran fest, aber das ist ein anderes Thema.
Leider lockt Web 2.0 inzwischen niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Aber! Rettung ist in Sicht: Gestern war ich auf der ersten Web-3.0-Veranstaltung! Ein Kamingespräch (!) auf der Internet World in München mit vielen interessanten Leuten (alles Autoren des “Leitfadens Online-Marketing”, der sich in den Verkaufs-Charts von Amazon sehr beachtlich schlägt). Allerdings traute sich keiner so richtig endgültig zu definieren, was Web 3.0 nun eigentlich bringen soll.
Immerhin gab es ein paar interessante Ansätze:
Nico Zorn, Artegic AG: “Im Web 3.0 werden die User selbst die Plattformen und Anwendungen entwickeln.” Laut Zorn werden künftige Web-Services und Open-APIs das Erstellen eigener Communities, Mash-ups, Social Networks und E-Commerce-Anwendungen nach dem Baukastenprinzip (Drag & Drop) ermöglichen. Erste Beispiele: Yahoo Pipes, Google Custom Search, Ning, CoRank, Amazon aStore und Microsoft Popfly.
Robin Schönbeck, Pangora GmbH: “1000 Tonnen Beton geben noch keinen Wolkenkratzer und Millionen Blogs noch keine echten Informationen.” Schönbeck glaubt, dass Web 3.0 die intelligente Verknüpfung der Inhalte bringt, die in der Web-2.0-Ära durch User-generated Content und Vernetzung aufgelaufen sind. Web 3.0 als neue technologische Entwicklungsstufe: Man bezieht Inhalte aus dem Netz, erfährt dabei auch etwas über die Urheber und lernt die Inhalte einzuschätzen.
Andreas Lutz, Xing: “Die nächste Welle werden Web-basierende Anwendungen wie etwa GoogleDocs. Software as a Service wird die Softwarebranche kräftig durcheinander wirbeln.”
Mario Fischer, Professor für Wirtschaftsinformatik an der FH Würzburg: “Mit Web 2.0 ist das Ende der Monologe eingeläutet. Wir haben einen Rückkanal für die User gefunden.” Für Fischer ist aber noch nicht einmal Web 1.5 überall angekommen, von Web 3.0 gar nicht zu reden. Das semantische Web, in dem Informationsobjekten eine semantische Bedeutung hinzugefügt wird, damit komplexe, “menschliche” Abfragen möglich werden, ist laut Fischer noch ganz weit weg.
Harry Kratel, Parship: “Sorry, aber ich kann noch kein Web 3.0 erkennen.” Ein neuer Entwicklungsschritt sei durch mobile Netze zu erwarten: Menschen sind always on und beziehen dort, wo sie sich gerade befinden, Location-based Services. I-Phone und Blackberry seien aber noch nicht die Geräte, mit denen diese Dienste genossen werden könnten.
(Beispiel: Ich schlender bei Tchibo vorbei und bekomme die Message aufs Handy, dass in der nächsten halben Stunde das Pfund Kaffee zum halben Preis zu haben ist.)
Was lernen wir also: “Man sollte immer so viel Geld verdienen, dass man es sich leisten kann, ohne Handy einkaufen zu gehen.”

